Glossar der ugaritischen poetischen Formen
Clemens Steinberger
EUPT-Lab 1 | 2024–2025
| Titel: | Glossar der ugaritischen poetischen Formen |
| Autor: | Clemens Steinberger |
| Keywords: | Ugaritic poetry (Ugaritische Poesie), stylistics (Stilistik), verse structure (Versstruktur), poetology (Poetologie) |
| Updates: | Version Draft 2.5: Version Draft 2.4: 2025-10-01 (access HTML) Version Draft 2.3: 2025-05-07 (access HTML) Version Draft 2.2: 2025-02-19 (access HTML) Version Draft 2.1: 2024-11-15 (access HTML) Version Draft 2.0: 2024-08-06 (access HTML) Version Draft 1.0: 2024-05-03 (access HTML) |
| Zugänglich als: | EUPT-Lab 1 |
| DOI: | Der Beitrag erhält erst bei Veröffentlichung der Endfassung eine DOI-Nummer. |
| Lizenz: | ![]() This work is licensed under a Creative Commons Attribution ShareAlike 4.0 International License. © Clemens Steinberger 2025. |
| Zitation: | Steinberger, Clemens. 2025. „Glossar der ugaritischen poetischen Formen (Version Draft 2.5)“. EUPT-Laboratory 1. https://eupt.uni-goettingen.de/EUPT-Lab/1_Glossar-der-ugaritischen-poetischen-Formen.html. Aufgerufen am . ![]() |
Die ugaritische Dichtung ist durch sprachliche, strukturelle und stilistische Besonderheiten geprägt, die die poetischen Texte von nicht-poetischen unterscheiden. Die Gedichte gliedern sich in verschieden große Verseinheiten, die oft parallel gestaltet sind, und enthalten eine Fülle von Stilmitteln.
Das folgende Glossar gibt einen Überblick über diverse Versmuster, Konstruktionsprinzipien, Figuren und Tropen, die im ugaritischen poetischen Korpus belegt sind. Um Vergleiche mit verwandten Poesien zu erleichtern, sind auch einige Formen genannt, für die sich im ugaritischen Korpus bislang keine Beispiele gefunden haben. Unter jedem Glossar-Eintrag in grüner Schrift findet sich eine allgemeine Definition des behandelten Phänomens, Erläuterungen zu den Besonderheiten der Fügung in der ugaritischen Dichtung sowie ausgewählte Beispiele. Künftig Künftig soll jeder Glossar-Eintrag um automatisch erstellte Beleglisten ergänzt werden, die sämtliche Belege aus den veröffentlichten EUPT-Bearbeitungen enthalten. Das Glossar wird fortlaufend erweitert und verbessert.
A
Anakoluth
Anastrophe
Abbildende Wortstellung
Accumulatio / Enumeratio
Work in progress.
C. SteinbergerAkrostichon
Im Akrostichon ergeben die Zeichen, die jeweils am Anfang aufeinanderfolgender Zeilen oder Abschnitte stehen, aneinandergereiht ein Wort, einen Namen oder einen Satz (vgl. Grimm, 2007). Das Akrostichon ist im ugaritischen Korpus bislang nicht bezeugt.
Alliteration
Die Alliteration ist eine Klangfigur. Zwei oder mehrere Begriffe, die innerhalb eines Kolons aufeinander folgen, klingen gleich an (die alliterierenden Wörter folgen unmittelbar aufeinander). Vermutlich ist nicht jede Alliteration, die sich in den ugaritischen poetischen Texten ausmachen lässt, bewusst gesetzt (s. KTU 1.14 iii 31b–32a oder 35b–36a). Zuweilen gebrauchten die ugaritischen Dichter die Alliteration aber wohl bewusst, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf bestimmte Aussagen zu lenken und diese so hervorzuheben (Alliterationen ließen die Rezipient*innen des Texts vermutlich kurz aufhorchen; außerdem haben alliterierend gestaltete Aussagen hohen Wiedererkennungswert; s. KTU 1.17 vi 32b–33a). Vielleicht wurden Alliterationen mitunter auch aus euphonischen Gründen (i. e. zugunsten des Wohlklangs) eingesetzt.
Alliteration I: zwei Wörter mit gleichem (oder ähnlichem) Anlaut
Alliteration II: drei Wörter mit gleichem (oder ähnlichem) Anlaut
Alliteration III: vier Wörter mit gleichem (oder ähnlichem) Anlaut
Beleg
KTU 1.17 vi 32b–33a
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.16 i 56 (zur Tafel)
Alternation
Work in progress.
Alternation im Vers
Alternation in der Strophe
Anadiplose
Work in progress.
C. SteinbergerAnapher
Work in progress.
C. SteinbergerAntonomasie
Work in progress.
C. SteinbergerApokoinu
Das Apokoinu ist eine Konstruktion, in der sich eine Phrase, ein Satzglied oder ein Satzgliedteil (i. e. das Koinon) gleichzeitig auf die voranstehende und die nachfolgende Phrase bezieht (Sonderform des Zeugmas; vgl. Steinhoff / Burdorf, 2007 und Schweikle / Schlösser, 2007). In der ugaritischen Poesie ist die Figur u. a. in der Kolon-Konstruktion PV → SGN ← PV bezeugt: Das Kolon setzt sich aus zwei verbalen Prädikaten (PV) und einem nominalen Satzglied (SGN) zusammen. Das nominale Satzglied steht zwischen den beiden Prädikaten; die Prädikate stehen jeweils am Kolonrand. Weder auf das erste Prädikat (am Kolonanfang) noch auf das nominale Satzglied (in der Kolonmitte) folgt eine Konjunktion. Das nominale Satzglied in der Kolonmitte (i. e. das Koinon) bezieht sich gleichermaßen auf das voranstehende und das nachfolgende Prädikat. In den unten zitierten Beispielen bezeichnet das Koinon jeweils das Subjekt der beiden Prädikate (KTU 1.15 iii 17': tubarrikū ˀilūma taˀtiyū „es sprachen den Segen → die Götter ← gingen“). Das Apokoinu kann als Sonderform eines elliptischen Satzpaars begriffen werden: Die Konstruktion PV→S←PV kann auch als PV-S / ◌-PV (< PV-S / S-PV) analysiert werden (das Koinon-Element, i. e. das nominal ausgedrückte Subjekt, ist im zweiten Satz ausgelassen).
Beispiel
KTU 1.2 i 19b (P→S←P)
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.15 iii 17' (zur Tafel)
Archaismus
Work in progress.
C. SteinbergerAssonanz / Konsonanz
Work in progress.
C. SteinbergerAsyndeton
Im Asyndeton sind die Glieder einer Aufzählung, die sich aus zwei oder mehreren syntaktisch gleichrangigen Lexemen oder Phrasen zusammensetzt, ohne Konjunktion aneinandergereiht (Steinhoff, 2007: 51); die erwartete Konjunktion vor dem letzten Glied der Aufzählung ist ausgelassen (Gegenstück zum ↗ Polysyndeton). Gleichgeordnete Nomina / Nominalphrasen, die innerhalb eines Kolons aufeinanderfolgen, sind in der ugaritischen Poesie nur selten asyndetisch aneinandergereiht (s. Beispiele A; vgl. Steinberger, 2022: 302 Anm. 44, u. a. zu KTU 1.4 vi 47–54). Im weiteren Sinn ist jedoch jedes Versgefüge als asyndetisch zu betrachten, das sich in zwei oder mehrere Verseinheiten gliedert, vorausgesetzt dass a) in den einzelnen Verseinheiten je ein Teil desselben übergeordneten Sachverhalts beschrieben ist und b) die einzelnen Verseinheiten nicht durch eine Konjunktion miteinander verbunden sind. Solche Konstruktionen begegnen im ugaritischen poetischen Korpus häufig (s. Beispiele B).
Asyndeton I: Asyndetisch verbundene Nomina / Nominalphrasen
Beispiel
KTU 1.4 vi 47–54
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.14 iii 23b–25 (zur Tafel)
KTU 1.14 iii 2b–3a (zur Tafel)
KTU 1.15 vi 2 (zur Tafel)
KTU 1.15 vi 4 (zur Tafel)
Asyndeton II: Asyndetisch verbundene Verseinheiten
Beispiele
KTU 1.3 iii 43–44
KTU 1.14 ii 18b–19
B
Bikolon
Das Bikolon ist ein ↗ Vers, der sich aus zwei ↗ Kola zusammensetzt. Das Bikolon ist die gängigste Versform der ugaritischen Dichtung.
C
Chiasmus
Im Chiasmus sind die semantisch und / oder grammatisch korrespondierenden Elemente zweier aufeinanderfolgender Verseinheiten kreuzweise angeordnet. Das vordere Glied der ersten Verseinheit korrespondiert mit dem hinteren Glied der zweiten Einheit, das hintere Glied der ersten Einheit mit dem vorderen Glied der zweiten (entspricht der erste Satzteil der ersten Einheit dem letzten Satzteil der zweiten Einheit wörtlich, ergibt sich eine Inclusio [im engeren Sinn]; wird der letzte Satzteil der ersten Verseinheit am Anfang der zweiten Einheit wörtlich wiederholt, liegt eine ↗ Anadiplose [im engeren Sinn] vor).
Im vollständigen Chiasmus sind die semantisch und / oder grammatisch korrespondierenden Elemente in den beiden Verseinheiten in umgekehrter Reihenfolge angeordnet. Der vollständige Chiasmus ist im ugaritischen Korpus zwischen aufeinanderfolgenden Phrasen zu beobachten, die zu einem Kolon verbunden sind (wenngleich die Phrasen des Kolons, das sich in zwei gleichrangige Teile gliedert, öfter parallel als chiastisch aufgebaut sind), sowie zwischen Kola, die i. d. R. nicht mehr als einen Satz enthalten, unmittelbar aufeinander folgen und zum selben Vers gehören. Die Segmente der ersten Verseinheit werden in der zweiten Einheit in umgekehrter Reihenfolge aufgegriffen (die umgestellten Segmente entsprechen meist selbständigen Satzgliedern, i. e. Prädikat, Subjekt, Objekt oder Adverbial; Attribute, Appositionen und Partikeln sind vornehmlich als mit ihrem Bezugswort [bzw. mit dem voran- oder nachgestellten Nomen oder Verb] zu einem Segment verbunden zu betrachten). Das erste Segment der ersten Einheit korrespondiert mit dem letzten Segment der zweiten Einheit, das letzte Segment der ersten Einheit mit dem ersten Segment der zweiten Einheit. Setzen sich die beiden Einheiten (konkret: Kola) aus je drei Gliedern zusammen, steht das mittlere Element der ersten Einheit parallel zu mittleren Element der zweiten Einheit (a-b-c // c(')-b(')-a(')).
Aufeinanderfolgende Verseinheiten, die sich aus je drei oder (seltener) vier Teilen zusammensetzen, sind oft partiell-chiastisch aufgebaut: Zwei Teile der ersten Einheit werden in der zweiten Einheit chiastisch aufgegriffen; die übrigen miteinander korrespondierenden Strukturbausteine sind in den beiden Verseinheiten parallel angeordnet. Partiell chiastische Strukturen sind in der ugaritischen Dichtung primär auf Versebene zu beobachten: Aufeinanderfolgende Kola, die zum selben Vers gehören und sich aus je drei Segmenten zusammensetzen, sind öfter partiell-chiastisch aufgebaut als vollständig chiastisch. Dabei werden zwei Segmente jedes Kolons als Einheit betrachtet, die sich vom dritten Segment abhebt. Die Einheit wird als zusammengesetztes Kolonglied bezeichnet wird und enthält oft das Prädikat des Satzes sowie ein weiteres, nominales Satzglied (das zusammengesetzte Glied des ersten Kolons korrespondiert i. d. R. semantisch und grammatisch mit dem zusammengesetzte Glied des zweiten Kolons). Die Segmente des zusammengesetzten Glieds können in den beiden Kola chiastisch angeordnet sein, während das zusammengesetzte Glied, als Ganzes betrachtet, in den beiden Kola an derselben Position steht (a-{b-c} // a-{c-b} oder {a-b}-c // {b-a}-c). Umgekehrt kann das zusammengesetzte Glied im zweiten Kolon umgestellt werden, während die Segmentordnung innerhalb des Glieds unverändert bleibt (a-{b-c} // {b-c}-a oder {a-b}-c // c-{a-b}). Nach der Position des „freien“ Segments, das nicht zum zusammengesetzten Kolonglied gehört, werden vier Formen des partiellen Chiasmus unterschieden: die anaphorische (das selbständige Segment steht jeweils am Anfang der beiden Kola), die epiphorische (das selbständige Segment steht jeweils am Ende der beiden Kola), die rahmende oder inclusische (das selbständige Segment steht im ersten Kolon am Anfang, im zweiten Kolon am Ende) und die anadiplotische (das selbständige Segment steht im ersten Kolon am Ende, im zweiten Kolon am Anfang). Der anaphorische partielle Chiasmus ist m. W. die im ugaritischen Korpus am öftesten belegte Form. Der anaphorische partielle Chiasmus hebt sich dadurch von den anderen Varianten ab, dass das selbständige Segment des ersten Kolons dem selbständigen Segment des zweiten Kolons oft wörtlich entspricht. Daraus ergibt sich eine Anapher im engeren Sinn: Der erste Satzteil des ersten Kolons wird am Anfang des zweiten wörtlich wiederholt. Die Konstruktion konnte wohl zur Hervorhebung des ersten Elements der beiden Kola eingesetzt werden.
Unterschiedlich lange Verseinheiten können chiastisch aufgebaut sein. Die Phrasen des Kolons, das sich aus zwei gleichrangigen Teilen zusammensetzt, die Kola des Verses, aber auch die Verse der Strophe (und noch längere Abschnitte) können chiastisch gestaltet sein. Am häufigsten finden sich chiastische Konstruktionen auf Versebene. Auf Strophenebene ist einerseits die Anordnung der Satzsegmente innerhalb der Kola der zur Strophe verknüpften Verse zu berücksichtigen, andererseits die Anordnung der Kola als Ganzes innerhalb der einzelnen Verse. Chiastische Strukturen finden sich beispielsweise in Gefügen, in denen das erste Kolon des ersten Verses (zumindest lose) mit dem zweiten Kolon des zweiten Verses korrespondiert und das zweite Kolon des ersten Verses mit dem ersten Kolon des zweiten Verses (im ugaritischen Korpus selten; Versmuster: A // B | B' // A' [mir sind derzeit keine Belege aus dem ugaritischen Korpus bekannt], oder A1 // A2 | A2' // A1' oder A1 // A'2 | B2 // B'1 o. Ä., wenn das erste Kolon des einen Verses parallel zum zweiten Kolon desselben Verses steht [A1 // A2], gleichzeitig aber mit dem zweiten Kolon des anderen Verses [#1-#2 | #2-#1] korrespondiert; das Versmuster ist zu unterscheiden vom ↗ Ringgefüge A | B // B' | A').
In Versgefügen, die sich aus mehr als zwei Einheiten zusammensetzen, wird der Chiasmus mit anderen Konstruktionsmustern verschränkt. Im Trikolon, das zwei chiastisch aufgebaute Kola einschließt, steht das dritte Kolon – dem chiastischen Kolonpaar voran- oder nachgestellt – dem benachbarten Kolon nicht chiastisch gegenüber (das Versmuster a-b // b'-a' // a''-b'' ist m. W. nicht geläufig). Es finden sich mehrere Belege, in denen das erste und das zweite Kolon als Stufenparallelismus konstruiert sind und das zweite und das dritte Kolon chiastisch aufgebaut sind (beachte nicht zu letzt die Konstruktion, in der das zweite und das dritte Kolon einen anaphorischen partiellen Chiasmus formen; in dem Fall setzt sich die für den Stufenparallelismus charakteristische Anapher in der Anapher des hinteren, partiell chiastisch aufgebauten Kolonpaars fort).
Chiastische Verskonstruktionen sind zuweilen mit elliptischen gekoppelt: Für den Vers, der zwei Kola einschließt, heißt das, dass einem (mindestens) drei Segmente messenden Kolon ein elliptisches Kolon gegenübersteht, in dem ein Segment ausgelassen ist und die überigen in umgekehrter Reihenfolge angeordnet sind (das elliptische Kolon kann nach oder auch vor dem nicht-elliptoschen stehen). In Relation zur Häufigkeit elliptischer Versformen in der ugaritischen Dichtung sind solche Verskonstruktionen allerdings selten belegt.
A. Chiasmus im Kolon
Beispiel
| KTU 1.3 iv 55 | ||
|---|---|---|
55 yaṯub liya / wa lahu [ˀaṯûba] Er möge mir antworten, / dann [will ich] ihm [antworten]. | P-A / A-P | a-b / b'-a' |
Anm.: Die beiden chiastisch aufgebauten Phrasen sind durch die Konjunktion wa verbunden (hier i. S. v. „dann“ gebraucht).
B. Chiasmus im Vers
B.1. Vollständiger Chiasmus
Beispiele
KTU 1.17 v 10b–11
KTU 1.6 vi 51–53
KTU 1.2 i 14c–15b
KTU 1.4 vii 29–30
KTU 1.14 i 21b–23
Anm.: Die ersten beiden Kola des Trikolons ergeben einen ↗ Stufenparallelismus. Das zweite und das dritte Kolon sind chiastisch ausgebaut; zur Analyse ↗ phil. Komm., KTU 1.14 i 21b–23, Gr. / Poet. in der EUPT-Bearbeitung.
B.2. Anaphorischer partieller Chiasmus: a-{b-c} // a'-{c'-b'}
Beispiele
KTU 1.3 iii 19–20a
KTU 1.3 v 33b–34b
KTU 1.17 i 2b–3a
KTU 1.6 vi 45b–47
KTU 1.6 iii 6–7
KTU 1.2 iv 8c–9
Anm.: Das erste und das zweite Kolon sind in Form eines Stufenparallelismus konstruiert. Das zweite und das dritte Kolon formen einen anaphorischen partiellen Chiasmus. Vgl. auch KTU 1.17 i 11c–13a (s. Stufenparallelismus [Stufenparallelismus im Trikolon, ohne Prädikat im ersten Kolon]) und KTU 1.14 i 21b–23 (s. Chiasmus [Vollständiger Chiasmus im Vers]).
B.3. Epiphorischer partieller Chiasmus: Versmuster: {a-b}-c // {b'-a'}-c'
Beispiel
KTU 1.4 vi 34–35a
Anm.: Vgl. auch KTU 1.19 iv 44b–45, und KTU 1.15 ii 23'b–25'a (s. u. Chiasmus in elliptischen Verskonstruktionen).
Vergleichsbelege aus der akkadischen Dichtung
Gilgameš [SBZ; Ugarit-1 / RS 94.2066], 31–32 (zur eBL-Edition)
Vergleichsbelege aus der biblisch-hebräischen Dichtung
Ps 149,2
B.4. Anadiplotischer partieller Chiasmus: Versmuster: {a-b}-c // c'-{a'-b'}
Beispiel
KTU 1.19 iv 8–9a
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.14 iv 40–42a (zur Tafel)
B.5. Rahmender partieller Chiasmus: Versmuster: a-{b-c} // {b'-c'}-a'
Beispiel
KTU 1.19 iii 8–9a
B.6. Chiasmus in elliptischen Verskonstruktionen
Beispiele und Anmerkungen zu ausgewählten Belegen
KTU 1.19 i 32–33
KTU 1.4 vii 9–10
Anm.: Am Kolonanfang steht jeweils eine zusammengesetzte Kardinalzahl: ṯiṯṯa li ṯiṯṯīma „6 + 60“ // šabˁīma šabˁa „70 + 7“. Zehner und Einer sind in den beiden Kola chiastisch angeordnet. Am Kolonende steht jeweils das Segment „Stadt“ (ˁR // PDR). Das Prädikat, das in der Mitte des ersten Kolons steht, ist im zweiten Kolon ausgelassen.
KTU 1.14 iii 38–40
Anm.: Die ersten beiden Kola des Trikolons sind chiastisch aufgebaut (im ersten Kolon ist der Präpositionalausdruck LY ausgelassen; beachte außerdem, dass die Konjunktion P am Anfang des zweiten Kolons nicht wiederholt ist). Das dritte Kolon enthält eine elliptische Variante des zweiten Kolons: Nur das Akkusativobjekt des Satzes ist aufgegriffen.
KTU 1.15 ii 23'b–25'a: Anm.: Die beiden Kola sind in Form eines epiphorischen partiellen Chiasmus aufgebaut. Im zweiten Kolon ist das Substantiv BNM, i. e. das Gezählte der Kardinalzahl ṮMN, ausgelassen.
B.7. Weitere Formen
Beispiel
KTU 1.15 i 5'–7'
Anm.: Die ersten beiden Kola sind syntaktisch parallel aufgebaut; im zweiten Kolon ist das verbale Prädikat TZĠ ausgelassen. Die beiden Kola können ebenso als semantisch parallel betrachtet werden: Das erste Kolon bezieht sich auf das Brüllen einer Tiermutter nach dem von ihr getrennten Jungen, das zweite Kolon auf das Rufen von Kindern nach den von ihnen getrennten Müttern (zur Analyse der einzelnen Lexeme s. den Kommentar in der EUPT-Bearbeitung; die Wortbedeutungen „Mutter“ und „Kind“ stehen in konverser Sinnrelation; „menschliche Mutter“ und „tierische Mutter“ bzw. „menschliches Kind“ und „tierisches Kind“ sind jeweils Ko-Hyponyme [Hyponyme eines gemeinsamen Hyperonyms / Oberbegriffs, i. e. „Mutter“ bzw. „Kind“]; die Wortbedeutung „menschliches Kind“ ist folglich als Ko-Hyponym des konversen Gegenstücks der Wortbedeutung „tierische Mutter“ zu erklären). Gleichzeitig ist auf die offensichtliche semantische Relation zwischen den Lexemen ARḪ „Kuh“ und UM „Mutter“ (> UMHTHM) sowie zwischen ˁGL „Kalb“ (> ˁGLH) und BN „Sohn, Kind“ (> BN ḪPṮ) hinzuweisen (s. o.; es handelt sich jeweils um Ko-Hyponyme). Die Elemente der Paare ARḪ // UMHTHM und ˁGLH // BN ḪPṮ sind chiastisch angeordnet.
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.15 i 5'–6' (zur Tafel)
C. Chiasmus in der Strophe
Beispiele
KTU 1.5 iv 16–19
Anm.: Versmuster: A1 // A'2 | B2 // B'1 (s. o.). Vermutlich liegt ein Distichon vor, zusammengesetzt aus zwei Bikola. Die Rekonstruktion des zweiten Verses ist unsicher. Beachte jedenfalls die teilweise repetitiven Wort- / Phrasenpaare KR[PN-] // KRPN und KS ḪR[Ṣ] // KS KSP, die das erste Kolon des ersten Verses mit dem zweiten Kolon des zweiten Verses und das zweite Kolon des ersten Verses mit dem ersten Kolon des zweiten Verses verknüpfen.
KTU 1.15 v 20'b–24'
Anm.: Die Rekonstruktion und die Versgliederung der Passage sind unsicher. In der hier gezeigten Analyse steht das Kolon v 22'b–23' chiastisch zum Kolon v 20'b–21'a (Konj.-P-S-A //? … |? A-S-P //? … → a-b-c //? … |? c-b'-a); s. den Kommentar zur Passage in der EUPT-Bearbeitung, ↗ phil. Komm., KTU 1.15 v 22'b–23'a, Rek. / Poet.
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.15 v 20'b–24' (zur Tafel)
Constructio ad sensum
Work in progress.
C. SteinbergerConversio
Correctio
Work in progress.
C. SteinbergerD
Distichon
Das Distichon ist eine ↗ Strophe, die sich aus zwei ↗ Versen zusammensetzt.
E
Ellipse
Work in progress.
C. SteinbergerEnjambement
Im Enjambement sind die Glieder eines zusammenhängenden Satzes (i. d. R. ein Verbalsatz) über zwei (oder mehrere) Verseinheiten verteilt. In der ugaritischen Poesie ist das Enjambement sowohl auf Versebene (i. e. das Kolon-Enjambement zwischen aufeinanderfolgenden Kola) als auch auf Strophenebene belegt (i. e. das das Vers-Enjambement zwischen aufeinanderfolgenden Versen; das Kolon-Enjambement ist öfter belegt als das Vers-Enjambement).
Kolon-Enjambement
Im Kolon-Enjambement verteilen sich die Glieder eines zusammenhängenden Satzes über zwei (nur in Ausnahmefällen drei) Kola. Die Kola gehören zu einem Vers (der Vers wird als Enjambement-Vers bezeichnet). Nicht selten tritt vor oder hinter die beiden durch Enjambement verbundenen Kola ein weiteres Kolon, das parallel zu einem der beiden Kola steht (so ergibt sich ein ↗ Trikolon). Das Kolon des Enjambement-Verses, das des Prädikats des übergeordneten Satzes entbehrt, enthält meist ein einziges selbständiges Satzglied (Subjekt, Akkusativobjekt oder Adverbial; häufig enthält das prädikatlose Kolon ein Adverbial; seltener zwei nicht-prädikativische Satzglieder); die restlichen Satzteile samt dem Prädikat des Satzes stehen im anderen Kolon. Gleichwohl sind die Kola des Enjambement-Verses meist ungefähr gleich lang: Das prädikatlose Kolon setzt sich i. d. R. aus mehreren Worteinheiten zusammen (der nominale Satzteil, der in dem prädikatlosen Kolon steht, ist um ein oder mehrere Attribute / Appositionen erweitert oder setzt sich aus mehreren Nomina zusammen, die in Form einer ↗ Accumulatio miteinander verbunden sind).
Beispiele
KTU 1.15 ii 11–12
Anm.: A- // P-S; vgl. auch KTU 1.6 ii 26b–27 (A- // S-P); KTU 1.6 i 9b–10a (A1- // P-A2-O4).
KTU 1.14 iii 3b–5
Anm.: A1- // P-A2 // A2 → a- // b-c // ◌-c'; vgl. auch KTU 1.14 iv 32b–36a; KTU 1.4 iv 27–28 (A- // P-O4 ; P).
KTU 1.4 iv 20–22
Anm.: A1-P-O4- // A2 // A2 → a-b-c- // d-e // ◌-e'. Zum Enjambement-Vers, dessen zweites Kolon eine durch ˁM eingeleitete Präpositionalphrase enthält, vgl. auch KTU 1.15 i 3–4 (P-S- // A) und KTU 1.24 16–17a (P-S- // A).
KTU 1.2 i 27–28a
Anm.: P-Anr.-O4- // A // A → a-b-c- // d // d'. Zum Enjambement-Vers, dessen zweites Kolon eine durch L eingeleitete Präpositionalphrase enthält, vgl. auch KTU 1.2 iii 16b–d (P-S- // A // A; a-b- // c // c') und KTU 1.4 v 46b–48a (P-S ; P- // A).
KTU 1.4 vii 19b–20
Anm.: P-O4- // A.
KTU 1.15 iii 13–15
Anm.: A1-P-S- // A2 // A2 → a-b-c- // d // d'.
KTU 1.2 i 25d–26
Anm.: A-S-P- // O4 // O4 → a-b-c- // dx-y-z // d'◌-y'-z'.
KTU 1.6 i 56–57
Anm.: A1-S- // P-A2. Zum Enjambement-Vers, dessen erstes Kolon die Phrase APNK – SubjektNomen proprium + Epitheton enthält, vgl. auch KTU 1.5 vi 11–14a (A1-S- // P-A2 ; P-A2 // A2 ; P-A2; a-b- // c-d ; e-f // ◌-d' ; e'-f') und 1.15 ii 8–9a (A1-S- // O4-A2-P).
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.14 i 28–30 (zur Tafel)
KTU 1.14 iii 3b–5b (zur Tafel)
KTU 1.15 ii 11'–12' (zur Tafel)
KTU 1.15 iii 22'–23' (zur Tafel)
Vers-Enjambement
Im Vers-Enjambement sind die Glieder eines zusammenhängenden Satzes über zwei oder mehrere Verse verteilt, die zur selben Strophe gehören (die Strophe wird als Enjambement-Strophe bezeichnet). Die durch Enjambement verbundenen Verse sind meist ↗ Bikola. Der Satzteil, der im ersten Kolon jedes Verses steht, wird im zweiten Kolon des Verses parallel aufgegriffen.
Beispiele
KTU 1.14 iv 40–43
Anm.: A- // (…) ǀ O4-P // (…) → aHM -x-y-z- // a'◌-z'-x'-y'- ǀ b-c // b'-◌.
KTU 1.19 iii 42b–45a
Anm.: O4-S-P // (…) ǀ -A // (…) → a-b-c // b-c-a' ǀ -d // e.
KTU 1.17 v 4b–7a (Par. KTU 1.19 i 19b–23a)
Anm.: A1-S- // (…) ǀ P ; P-A2 // (…) → a-b- // a'-b'- ǀ c ; d-e // ◌ ; ◌-e'; vgl. auch KTU 1.17 i 0–3a: A1-S- // (…) ǀ A2-O4-P // (…) → a-b- // a'-b'- ǀ c-d-e // c-e'-d'.
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.14 iv 40–43b (zur Tafel)
Epipher
Work in progress.
C. SteinbergerEnumeratio
Euphemismus
Der Euphemismus ist eine Form der ↗ Periphrase. Ein negativ konnotierter oder tabuisierter Begriff ist durch einen beschönigenden Ausdruck ersetzt. Oberflächlich betrachtet verschleiert der euphemistisch gebrauchte Ausdruck, worum es eigentlich geht (das Beschriebene wird nicht benannt; es wird lediglich darauf angespielt). Steht die wörtliche Bedeutung des euphemistisch gebrauchten Ausdrucks in Kontrast zum Umschriebenen, wirkt die beschönigende Umschreibung ironisierend (↗ Ironie / Witz / Zweideutigkeit). Der Euphemismus benennt in dem Fall genau das, was das Beschriebene nicht ist (vgl. Watson, 1986a: 308–309, und idem, 1986b: 419).
Beispiel
KTU 1.4 viii 7–9 (und Par.)
Anm.: BT ḪPṮT „Haus der Freiheit“ in viii 7–8a ist wahrscheinlich eine euphemistische Umschreibung der Unterwelt (s. ARṢ „Erde; Unterwelt“ in viii 8b–9), also für jenes „Haus“, das seinen „Bewohnern“ kaum Freiheiten bietet (wer einmal eingetreten ist, wird gewöhnlich nie wieder freigelassen). Die Unterwelt ist im Grunde also das glatte Gegenteil eines „Hauses der Freiheit“ (vgl. Watson, 1986b: 419). Vgl. auch KTU 1.5 vi 5b–7 (und Par.), wo das Steppenland am Eingang zur Unterwelt als NˁMY „lieblicher“ und YSMT „schöner Ort“ bezeichnet wird (vgl. Watson, 1986b: 419, und Müller / Steinberger, 2022: 114 [Anm. 304 mit Lit.]).
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.15 v 17'–20'a (zur Tafel)
F
Figura etymologica / Paronomasie
Work in progress.
C. SteinbergerFremdwort / Lehnwort
In den ugaritischen Texten finden sich zahlreiche Fremd- und Lehnwörter, die aus dem Akkadischen oder einer anderen, nicht-semitischen Sprache stammen (Watson, 2007: 63–151). Manche dieser Lexeme sind ausschließlich im poetischen Korpus belegt (s. Beispiele). Dort treten Fremd- und Lehnwörter immer wieder semantisch / grammatisch parallel (↗ Parallelismus) zu ugaritischen Lexemen auf. Das Fremdwort und das ugaritische Lexem bezeichnen in dem Fall dieselbe Sache oder zwei ähnliche oder in der Vorstellungswelt des Dichters und des Publikums miteinander verwandte Sachen.
Vorausgesetzt, dass Dichter und Publikum ein Lexem fremdsprachigen Ursprungs als Fremdwort erkannten (es also nicht als mutmaßlich eigensprachliches, ugaritisches Lexem galt), vermochte das Fremdwort möglicherweise a) die Wortgewandtheit und die hohe Bildung des Dichters herauszustellen (vgl. Korpel, 1998: 98–99 / 101), b) die poetische Sprache von der Alltagssprache abzuheben, und / oder c) Ugarit als kosmopolitischen Knotenpunkt einer stark vernetzten spätbronzezeitlichen Welt zu inszenieren, an dem unterschiedliche Sprachen und Literaturen aufeinandertrafen (vgl. Watson, 2007: 151). Fremdwörter kamen aber vermutlich auch aus anderen, praktischen Gründen zum Einsatz: Grundsätzlich ermöglichen Fremdwörter, spezifische real- oder vorstellungsweltliche Konzepte zu bezeichnen, für die keine eigensprachlichen Bezeichnungen etabliert sind. Gleichzeitig erweitern Fremdwörter das lexikalische Repertoire des Dichters, aus dem dieser schöpft, wenn er im parallel gestalteten Versgefüge einem bestimmten (eigensprachlichen) Lexem einen sinnverwandten Begriff gegenüberzustellen sucht.
Beispiele
KTU 1.14 iv 1–2a (und Par.)
Anm.: ḤTṮ, vermutlich aus dem Hethitischen (oder Hattischen) entlehnt (DUL3 372 s.v. ḥtṯ; Watson, 2007: 120).
KTU 1.14 iv 49–50 (und Par.)
Anm.: PDR „Stadt“, vermutlich nicht-semitischen Ursprungs (vgl. DUL3 652 s.v. pdr I).
Belege aus dem EUPT-Korpus
G
Genus-komplementärer Parallelismus (gender-matched parallelism)
Work in progress.
C. SteinbergerGeminatio
Als Geminatio wird die Wortdoppelung bezeichnet. Ein Wort wird innerhalb des Kolons wiederholt (↗ Repetitio); die beiden Begriffe folgen unmittelbar aufeinander. Die Geminatio ist in der ugaritischen Poesie selten bezeugt. Sie diente wohl der besonderen Hervorhebung des gedoppelten Lexems. In KTU 1.3 iv 32b ist das erste Wort des Kolons verdoppelt, in KTU 1.14 iii 26–27a (und Par.) das letzte (die Geminatio am Kolonende wird als Conversio bezeichnet).
Beispiel
KTU 1.3 iv 32b
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.14 iii 26–27a (zur Tafel)
Grammatische Varianz
Work in progress.
C. SteinbergerGraphisches Wiederholungsmuster
Work in progress.
Verwandte Einträge: ↗ Visuelle Poesie
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.15 iii 7'–12' (zur Tafel)
H
Hendiadyoin
Work in progress.
C. SteinbergerHexastichon
Das Hexastichon ist eine ↗ Strophe, die sich aus sechs ↗ Versen zusammensetzt.
Homöarkton
Work in progress.
C. SteinbergerHomöoprophoron
Work in progress.
C. SteinbergerHomöoptoton
Work in progress.
C. SteinbergerHomöoteleuton
Work in progress.
C. SteinbergerHyperbel
Work in progress.
C. SteinbergerHysteron proteron
Work in progress.
C. SteinbergerI
Inclusio
In der Inclusio (oder Rahmung, Kyklos, Epanadiplosis) korrespondiert das erste Element der Verseinheit, die sich aus mindestens zwei kleineren Einheiten zusammensetzt, mit dem letzten Element derselben Verseinheit. Das erste und das letzte Element rahmen die ganze Verseinheit (Struktur: a … // … a(') oder a … // … // … a(') o. Ä.). In der Inclusio im engeren Sinn entsprechen sich die rahmenden Elemente wörtlich (sie sind identisch oder unterschiedliche Ableitungen desselben Lexems [↗ Polyptoton]; vgl. Schweikle / Burdorf / Moennighoff, 2007a: „Übereinstimmung des Wortmaterials am Anfang und am Ende desselben Teilsatzes, Satzes, Absatzes oder Textes“). In der Inclusio im weiteren Sinn sind die rahmenden Elemente nicht identisch; die beiden Lexeme oder Phrasen stehen aber in semantischer Relation und korrespondieren grammatisch.
Das rahmende Element ist in den hier besprochenen Konstruktionen jeweils ein einzelnes Wort oder eine zusammengesetzte Nominalphrase und steht am Kolonanfang bzw. am Kolonende. Diese Form der Inclusio wird vom (verwandten) ↗ Ringgefüge unterschieden. Im Ringgefüge sind mehrere Verseinheiten miteinander verbunden, von denen die erste und die letzte Verseinheit miteinander korrespondieren und die dazwischenliegende(n) Verseinheit(en) rahmen. Die letzte Einheit greift die erste auf oder nimmt auf einzelne Elemente der ersten Einheit Bezug; jedoch ist das Pendant des ersten Elements der ersten Verseinheit nicht ans Ende der letzten Verseinheit gestellt (sofern das erste Element der ersten Verseinheit überhaupt ein semantisch / grammatisch korrespondierendes Pendant in der letzten Verseinheit hat).
Die Inclusio spannt den Bogen vom Anfang des Versgefüges zum Ende desselben und macht so deutlich, dass die Phrasen / Verseinheiten, die zwischen den beiden rahmenden Elementen liegen, als inhaltliche und versstrukturelle Einheit zu betrachten sind (am Ende des Versgefüges werden Rezipient*innen gewissermaßen noch einmal an den Anfang erinnert). Vor allem wenn sich das erste und das letzte Element wörtlich entsprechen, wird das rahmende Element in der Inclusio hervorgehoben.
In den ugaritischen Belegen der Inclusio korrespondiert i. d. R. nicht nur das erste Element der ersten Verseinheit mit dem letzten Element der letzten Verseinheit; mindestens ein weiteres Element der ersten Verseinheit hat ein semantisch / grammatisch korrespondierendes Pendant in der letzten Verseinheit. Die Inclusio tritt in der ugaritischen Dichtung folglich primär in chiastischen Verskonstruktionen auf; Struktur: a-b(-c) // (c-)b-a oder a-b-c // b-c-a o. Ä. (s. ↗ Chiasmus; s. ↗ rahmender partieller Chiasmus).
Die Inclusio kann ein Kolon rahmen, das sich aus zwei gleichrangigen Phrasen zusammensetzt (KTU 1.3 iv 55; 1.24 38b–39). Häufiger fasst die Inclusio einen Vers ein, der sich in zwei oder mehrere Kola gliedert (bislang nicht bekannt sind mir Beispiele für die Inclusio in der Strophe, die sich aus mindestens zwei Versen zusammensetzt, und in der das letzte Element des letzten Verses das erste Element des ersten Verses aufgreift).
Beispiele
KTU 1.3 iv 55 (Kolon)
Anm.: Inclusio yaṯub … / … ˀaṯûba (↗ Polyptoton); Struktur des Kolons (↗ Chiasmus): a-b / (wa-)b'-a'.
KTU 1.24 38b–39 (Kolon)
Anm.: Inclusio ˀârī … / … yiˀar-ki (↗ Polyptoton); Struktur des Kolons (↗ Chiasmus); Struktur: a-b / (wa-)b'-a'.
KTU 1.3 v 30–31 (Vers / Trikolon)
Anm.: Inclusio taḥmu-ka … // … // … taḥmu-ka (vgl. schon Dahood, 1969: 25–26).
KTU 1.14 ii 32–34 (Vers / Trikolon)
Anm.: Inclusio ˁadānu … // … // … ˁadānu maˁˁu; Versstruktur: (a-b) ; ( wa -c) // (a'-b) // ( wa -c-a'').
KTU 1.17 vi 35b–36a (Vers / Bikolon)
Anm.: Inclusio môta ˀuḫrīyati … // … môta ˀaṯrīyati; Versstruktur (↗ partieller Chiasmus): a(x>y)-{b-c} // {b-c}-a'(x>y').
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.14 ii 32–34 (zur Tafel)
Inversion
Work in progress.
C. SteinbergerIronie / Witz / Zweideutigkeit
Work in progress.
C. SteinbergerK
Klimax / Steigerung
Work in progress.
C. SteinbergerKolon
Das Kolon ist eine elementare Verseinheit (↗ Versgliederung) der ugaritischen Dichtungkunst. Auf manchen Tafeln (bzw. in einzelnen Tafelabschnitten) entspricht das Kolon je einer Zeile. Dies weist darauf hin, dass die ugaritischen Schreiber das Kolon als konstitutive Verseinheit erachteten. Das Kolon enthält i. d. R. mindestens ein selbständiges Satzglied (Prädikat, Subjekt, Akkusativobjekt und / oder Adverbial; oft setzt sich das Kolon aus einem Prädikat und einem oder mehreren nominalen Satzgliedern zusammen). Es umfasst meist drei oder vier Worteinheiten (i. e. Lexemen samt Präpositionen / Partikeln). Am Ende des Kolons steht vermutlich eine ↗ Zäsur.
Das Kolon ist meist mit einem oder zwei angrenzenden Kola zu einem ↗ Vers verbunden (es ergibt sich ein ↗ Bikolon [Vers aus zwei Kola] oder ein ↗ Trikolon [Vers aus drei Kola]). Im Fall des Verses, der nur ein Kolon enthält (i. e. des ↗ Monokolons), entspricht das Kolon gleichzeitig einem Vers.
Konnexion
Work in progress.
C. SteinbergerKonsonanz
Koppelung
Work in progress.
C. SteinbergerL
Lehnwort
Litanei
Work in progress.
C. SteinbergerLitotes
M
Merismus
Im Merismus sind zwei Begriffe miteinander verknüpft, die zwei gegensätzliche Teile desselben Ganzen bezeichnen („Himmel“ ↔ „Erde“; „Sohn“ ↔ „Tochter“; die Teile, die die beiden Begriffe bezeichnen, sind die einzigen Teile des Ganzen oder zwei charakteristische Teile). Der Merismus dient dazu, das Ganze, zu dem die bezeichneten Teile gehören, zu veranschaulichen („Himmel“ ↔ „Erde“ ~ „Kosmos“; „Sohn“ ↔ „Tochter“ ~ „Kinder, Nachkommen“). Die Begriffe können aneinandergereiht und durch eine Konjunktion miteinander verbunden sein (in Form einer ↗ Accumulatio; s. Beispiele A) oder einander in zwei (parallelen) Verseinheiten gegenübergestellt sein (s. Beispiele B).
Merismus I: akkumulativ
Beispiel
KTU 1.16 iii 2
Anm.: ARṢ W ŠMM „Erde und Himmel“ ~ „Kosmos“.
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.16 iii 2' (zur Tafel)
Merismus II: parallel
Beispiele
KTU 1.15 iii 22–25a
Anm.: BN KRT „Söhne Kirtus“ // BNT ḤRY „Töchter Ḥurriyas“ ~ „Kinder von Kirtu und Ḥurriya“ (in Kolon 2–3).
KTU 1.6 iii 6–7
Anm.: ŠMM „Himmel“ steht parallel zu NḪLM „Wadis“. Die beiden Begriffe bezeichnen die beiden entgegengesetzten Regionen (oben und unten), denen gewöhnlich Wasser entspringt. Die S-P-Phrasen ŠMM TMṬRN „die Himmel mögen regnen“ und NḪLM TLK „die Wadis mögen (voll XY) fließen“ beschreiben zwei Teilaspekte des übergeordneten Sachverhalts „die wasserführenden / -spendenden Regionen des Kosmos mögen (XY über die Erde) fließen lassen“. Das Akkusativobjekt zeigt jeweils an, was sich aus Himmel und Wadi ergießen solle: Nicht etwa Wasser, sondern ŠMN „Öl“ und NBT- „Honig“.
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.15 iii 23'–25'a (zur Tafel)
Metapher / Vergleich
Work in progress.
C. SteinbergerMetonymie
In der Metonymie ist ein Wort durch ein anderes (metonymisch gebrauchtes) Wort ersetzt, das (im vorliegenden Kontext) die Bedeutung des ersetzten Begriffs übernimmt, obwohl die Grundbedeutung des metonymisch gebrauchten Lexems von der Bedeutung des ersetzten Begriffs abweicht. Die Grundbedeutung des metonymisch gebrauchten Lexems (bzw. deren Referent, also das, was das Lexem kontextunabhängig bezeichnet) und der ersetzte Begriff (bzw. dessen Referent) stehen aus der Sicht des Autors / der Rezipient:innen des Texts in real- oder vorstellungsweltlicher Beziehung zueinander. Meist stehen die Grundbedeutung des metonymisch gebrauchten Lexems und die im Kontext übernommene Wortbedeutung in Teil-Ganzes- oder Ganzes-Teil-Relation (bzw. einer verwandten Sinnrelation, z. B. Enthaltenes-Behälter; Beispiel: „das Haus des Königs war vollkommen zerstört“; „Haus des Königs“ meint hier nicht den königlichen Palast, sondern - metonymisch - die Königsfamilie / Dynastie; stehen die Grundbedeutung des metonymisch gebrauchten Lexems und die im Kontext übernommene Wortbedeutung in Teil-Ganzes-Beziehung, wird die Figur auch als Synekdoche bezeichnet; entweder steht der Teil für das Ganze [pars pro toto] oder das Ganze steht für den Teil [totum pro parte]).
In der ugaritischen Poesie steht das metonymisch gebrauchte Lexem zuweilen parallel zu dem Lexem, dessen Bedeutung es übernimmt. Die parallel gestellten Lexeme, von denen eines metonymisch gebraucht ist, beziehen sich in dem Fall auf dieselbe real- oder vorstellungsweltliche Sache. Wenngleich Rezipient:innen erkannt haben mögen, dass eines der beiden Lexeme des Wortpaars im übertragenen Sinn zu verstehen ist, ist zu vermuten, dass sie sich zumindest kurzzeitig auch die Grundbedeutung des metonymisch gebrauchten Lexems vor Augen führten. Der metonymische Ausdruck lenkte die Aufmerksamkeit auf eine Sache, die mit dem eigentlich Gemeinten (bezeichnet durch das parallel gestellte Lexem) auf die eine oder andere Sache verwandt ist, und hatte so vermutlich Einfluss darauf, welche Assoziationen das Publikum mit dem parallel gestellten Lexem verband. Der metonymische Ausdruck trug so wohl zur Anschaulichkeit des Aussagenpaars bei.
Beispiele
KTU 1.14 i 6b–8a
Anm.: BT „Haus“, metonymisch für „Familie, Dynastie“ (i. e. die Angehörigen der königlichen Familie, die im Palast leben bzw. lebten) ~ UMT „Familie, Sippe, Dynastie“.
KTU 1.14 ii 27b–29
Anm.: ḤṬṬ „Weizen“, metonymisch für „Speise, Brot“ (i. e. das, was aus Weizen zubereitet wird) ~ AKL „Speise, Brot“.
Belege aus dem EUPT-Korpus
Monokolon
Das Monokolon ist ein ↗ Vers, der ein einziges ↗ Kolon umfasst.
Monostichon
Das Monostichon ist eine ↗ Strophe, die einen einzigen ↗ Vers enthält.
Musik / Musikalische Gestaltung
Work in progress.
C. SteinbergerN
Numerische Aufzählung (Aufzählung mit Zahlbegriffen)
Work in progress.
C. SteinbergerNumerische Steigerung
Work in progress.
C. SteinbergerO
Oxymoron
Als Oxymoron bezeichnet man die „Verbindung zweier sich logisch ausschließender Begriffe, sei es in einem Kompositum (‚traurigfroh‘, F. Hölderlin) oder bei einem attribuierten Substantiv, z. B. ‚stets wacher Schlaf‘, ‚liebender Hass‘, ‚kalte Glut‘“ (Schweikle / Burdorf / Moennighoff, 2007b). In der ugaritischen Dichtung ist das Oxymoron meines Wissens bislang nicht bezeugt (vgl. auch Watson, 1986b: 419).
P
Parallelismus
Work in progress.
C. SteinbergerParatext / Metatext
Work in progress.
C. SteinbergerParenthese
Work in progress.
C. SteinbergerParonomasie
pars pro toto
Partieller Chiasmus
Pentakolon
Das Pentakolon ist ein ↗ Vers, der sich aus fünf ↗ Kola zusammensetzt.
Pentastichon
Das Pentastichon ist eine ↗ Strophe, die sich aus fünf ↗ Versen zusammensetzt.
Periphrase
Die Periphrase (Umschreibung) ist ein Begriff oder eine mehrgliedrige Phrase, der / die ein anderes Lexem umschreibt (Beispiel: „Blut der Bäume“ für „Wein“). Die Periphrase stellt ein Charakteristikum des Umschriebenen in den Fokus und illustriert so das Konzept, das dem umschriebenen Begriff zugrunde liegt (das Lexem X und die Periphrase Y können gewöhnlich in der Aussage „X ist / bedeutet Y“ verbaut werden [Beispiel: „Brüder sind Söhne einer Mutter“]; so gesehen definiert die Periphrase den umschriebenen Begriff; die Periphrase enthält i. d. R. mindestens ein Lexem, dessen Grundbedeutung sich nicht mit der Bedeutung des umschriebenen Begriffs deckt).
In der ugaritischen Poesie setzt sich die Periphrase oft aus einem Substantiv und einem untergeordneten Attribut zusammen; sie umscheibt ein einfaches Substantiv (vereinzelt tritt die Periphrase auch in Form einer zweigliedrigen Verbalphrase auf, die ein Substantiv [KTU 1.17 ii 5b–6a] oder ein Verb umschreibt [KTU 1.16 vi 41b–42]; s. Beispiele A). Eine andere Form der Periphrase gründet auf der Negation eines Begriffs, der das Gegenteil des umschriebenen Lexems bezeichnet (i. e. eines Atonyms oder eines komplementären Begriffs des Umschriebenen). Wird das Gegenteil des umschriebenen Lexems verneint, ergibt sich eine partiell-synonyme Periphrase des Begriffs (dies entspricht einer doppelten Verneinung [Beispiel: „nicht am Leben lassen“ für „töten“; „nicht am Leben lassen“ ~ „nicht nicht töten“]; solche und ähnliche Konstruktionen werden in der Stilistik als Litotes bezeichnet [scheinbare Abschwächung der Aussage, i. d. R. durch einen verneinten / doppelt-verneinten Ausdruck, wodurch die eigentliche Aussage verstärkt wird: „nicht unwahrscheinlich“ ~ „ziemlich wahrscheinlich“]; die Litotes wird in der Stilistik zuweilen von der Periphrase getrennt behandelt; Braak / Neubauer, 2001: 52–55). In der ugaritischen Dichtung diente diese Form der Periphrase meist der Umschreibung eines Verbalausdrucks (vereinzelt auch eines Substantivs [KTU 1.17 vi 26b–28a]; s. Beispiele B). Zu den Sonderformen der Periphrase zählt der ↗ Euphemismus. Zuweilen werden auch die ↗ Antonomasie und die ↗ Metonymie als Formen der Periphrase betrachtet (Braak / Neubauer, 2001: 47 / 54; Schweikle, 2007).
Die ugaritischen Dichter gebrauchten die Periphrase u. a. in Versgefügen, in denen einander zwei referenzidentische Ausdrücke gegenübergestellt werden sollten (Ausdrücke sind referenzidentisch, wenn sie dieselbe real- oder vorstellungsweltliche Sache bezeichnen): Die Periphrase ermöglichte ihnen, einem Lexem aus der einen Verseinheit ein mehr oder weniger bedeutungsgleiches Pendant in der anderen Verseinheit gegenüberzustellen, ohne das konkrete Lexem (für das es möglicherweise kein Synonym gab) zu wiederholen. Gleichzeitig erklärt die Periphrase den parallel gestellten Begriff und trägt somit zur Anschaulichkeit und Verständlichkeit der Aussage bei. Die Periphrase, in der das Gegenteil des umschriebenen Begriffs verneint wird, wirkt mitunter verstärkend („niederschlagen“ // „nicht am Leben lassen“ ~ „töten, erschlagen“).
Die Periphrase ist meist länger als der umschriebene Begriff; nicht selten setzt sich die Periphrase aus zwei Substantiven oder einem Substantiv und einem Verb zusammen. Im Vers, der sich aus mindestens zwei Kola zusammensetzt, kann die Periphrase die Ellipse eines anderen Satzteils längenmäßig kompensieren, sodass sich trotz der Auslassung eines Glieds gleich oder ähnlich lange Kola ergeben (KTU 1.14 i 8b–9: im zweiten Kolon sind das Pronomen D und der Präpositionalausdruck LH ausgelassen; da aber das Substantiv AḪM durch die längere Periphrase BN UM ersetzt ist [und außerdem das längere Zahlwort ṮMNT an die Stelle des kürzeren ŠBˁ tritt], sind die beiden Kola vermutlich exakt gleich lang).
Periphrase I: Begriff1 // Umschreibung von Begriff1
Beispiele
KTU 1.14 i 8b–9
Anm.: AḪM „Brüder“ ~ BN UM „Söhne einer Mutter“.
KTU 1.17 i 11c–13a
Anm.: ILM „Götter“ ~ BN QDŠ „Söhne des Heiligen (scil. des ˀIlu)“.
KTU 1.4 iii 43b–44
Anm.: YN „Wein“ ~ DM ˁṢM „Blut der Bäume“.
KTU 1.17 ii 5b–6a (und Par.)
Anm.: B ŠKRN „im Fall von (deiner) Trunkenheit“ ~ K ŠBˁt YN „wenn du gesättigt bis mit Wein“.
KTU 1.16 vi 41b–42
Anm.: ŠMˁ Mˁ „Hör’ doch!“ // IŠTMˁ „Hör’ genau zu!“ ~ TQĠ UDN „Schenk Gehör!“
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.14 ii 2–3b (zur Tafel)
Periphrase II: Begriff1 // Negation des Gegenteils von Begriff1
Beispiele
KTU 1.19 i 14b–16a
Anm.: ˀimḫaṣ- „ich schlug nieder“ ~ lā ˀaḥawwî „ich ließ nicht am Leben“; vgl. auch KTU 1.18 iv 12b–13.
KTU 1.2 i 19b
Anm.: TBˁ „sie machten sich auf“ ~ L YṮB „sie verweilten nicht“.
KTU 1.17 vi 26b–28a
Anm.: ḤYM „Leben, ewiges Leben“ ~ BLMT „Nicht-Tod, Unsterblichkeit“.
Personifikation
Work in progress.
C. SteinbergerPleonasmus
Work in progress.
C. SteinbergerPolyptoton
Polysyndeton
Im Polysyndeton folgt auf jedes Glied (außer auf das letzte Glied) einer Aufzählung, die sich aus drei oder mehreren syntaktisch gleichrangigen Begriffen oder Phrasen zusammensetzt, eine Konjunktion (ug. wa; Gegenstück zum ↗ Asyndeton). Das Polysyndeton ist in der ugaritischen Poesie recht selten bezeugt. Im angeführten Beispiel (KTU 1.4 iii 17–21a) ist die Figur möglicherweise eingesetzt, um den Eindruck einer umfassenden Aufzählung zu erwecken (nach dem zweiten Glied der Aufzählung geht der aufnehmende Verstand davon aus, dass die Aufzählung abgeschlossen ist; anschließend muss er feststellen, dass die Aufzählung noch weitergeht). Die Aufzählung erstreckt sich dort über zwei Kola. Das Polysyndeton innerhalb eines Kolons (i. e. X wa Y wa Z) konnte im ugaritischen Korpus bislang nicht identifiziert werden.
Beispiel
KTU 1.4 iii 17–21a
Anm.: Sofern sich die drei Phrasen dabḥa BṮ-ti, dabḥa DN-ti und dabḥa tudāmim ˀamahāti auf je ein Fest (bzw. eine bestimmte Art von Fest) beziehen, das Baˁlu hasst, liegt eine dreigliedrige Aufzählung vor. Sowohl vor dem zweiten Glied der Aufzählung als auch vor dem dritten (i. e. am Anfang des letzten Kolons) steht die Konjunktion wa.
Praeteritio
Work in progress.
C. SteinbergerReim / Reimschemata
Work in progress.
C. SteinbergerR
Repetitio
Work in progress.
C. SteinbergerRhetorische Frage
Die rhetorische Frage ist eine Frage, auf die der Fragende keine Antwort erwartet, da sie aus seiner Sicht nur eine einzige Antwort zulässt (in KTU 1.4 iv 59a: „Bin ich ein Sklave?“ → Antwort: „Nein!“). Die rhetorische Frage ist damit weniger eine Frage als eine nachdrückliche Aussage (Braak / Neubauer, 2001: 63; Moennighoff, 2007: 653). In den beiden unten besprochenen Beispielen verdeutlicht die rhetorische Frage jeweils die ablehnende Haltung des Sprechers (in KTU 1.4 iv 59a: „Bin ich ein Sklave?“ ~ „Ich bin doch sicher kein Sklave!“). Dem Angesprochenen wird versagt, dem in der rhetorischen Frage durchschimmernden Standpunkt des Fragenden zu widersprechen. Die rhetorische Frage bietet dem Sprechenden damit ein Mittel, den Angesprochenen von seinem Standpunkt zu überzeugen. Die rhetorische Frage ist im ugaritischen Korpus recht selten belegt. Eine Frage lässt sich u. a. daran als rhetorische Frage erkennen, dass sie nicht beantwortet wird bzw. der Fragende den Angesprochenen gar nicht erst zu Wort kommen lässt, um die Frage zu beantworten.
Beispiele
KTU 1.4 iv 59–v 1
Anm.: Mittels der rhetorischen Fragen in iv 59–62a stellt der Sprecher, ˀIlu, Offensichtliches klar und räumt mit einer aus seiner Sicht absurden Vorstellung auf: ˀIlu erlaubt Baˁlu zwar, einen Palast für sich zu bauen (bzw. bauen zu lassen), doch er und seine Frau ˀAṯiratu sind gewiss keine Sklaven. ˀIlu und ˀAṯiratu werden also keinen Finger rühren beim Bau des neuen Palastes. Baˁlu solle sich selbst darum kümmern.
KTU 1.14 vi 17'–25' (und Par.)
Anm.: „Warum (sollte) ich Silber (...) (nehmen)?“ ~ „Es gibt für mich keinen Grund, Silber (...) zu nehmen!“ Mittels der rhetorischen Frage in vi 17'–22'a lehnt Kirtu die Reichtümer ab, die ihm Pabilu, der König der von Kirtus Heer belagerten Stadt ˀUd(u)mu, anbot (Pabilu versuchte Kirtu so zu bewegen, von ˀUd(u)mu abzuziehen). In den folgenden Versen stellt Kirtu klar, was er stattdessen will, nämlich Pabilus Tochter. Mittels der gleichen rhetorischen Frage lehnte Kirtu vorher schon die Reichtümer ab, die ihm der Gott ˀIlu angeboten hatte (ˀIlu hatte Kirtu auf diese Weise zu trösten versucht; Kirtu war verzweifelt, da er seine ganze Familie verloren hatte und keinen Nachkommen hatte); s. KTU 1.14 i 51b–ii 3. Der auf die rhetorische Frage folgende Vers ii 4–5 ist nur fragmentarisch erhalten; vermutlich war dieser ursprünglich wie vi 22'b–25' durch die Konjunktion pa eingeleitet. Vgl. dazu auch Bacci / Harris / Heo / Pardee / Wolf, 2024: 22–23, die die Konjunktion pa am Anfang des auf die rhetorische Frage folgenden Verses jedoch nicht adversativ verstehen [so bspw. UG² 789] und in der rhetorischen Frage eine höfliche Form der Ablehnung sehen; aaO: 22: „The function of the particle [pa in vi 22'b–25' und Par.; Anm. C. Steinberger] was explicitly to link the request to the preceding rhetorical question (‘What need have I of … ?’) functioning as a rejection of the offer, hence the use of the coordinating conjunction was to explain his implicit rejection as owing to a greater need—the formulation of the rejection as a rhetorical question leads to the conclusion that Kirta was trying to express his rejection as politely as possible. If de Moor’s proposal [u. a. in 1980: 175; Anm. C. Steinberger] to restore that conjunction in II 4 is correct, it is difficult to believe that Kirta was impolitely spurning ˀIlu’s offer—and indeed ˀIlu understands his rhetorical care and immediately launches into a long discourse telling Kirta how to go about getting a wife to produce the desired progeny. Thus it is not the p that is adversative, though it does introduce an alternative to the offered gifts, and it need not be translated as such; its function is to express Kirta’s need for something else as the logical basis for the rhetorical question.“
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.14 i 51b–52 ii 1–3b (zur Tafel)
KTU 1.16 i 3b–5b (zur Tafel)
KTU 1.16 i 17b–23 (zur Tafel)
Rhythmus
Work in progress.
C. SteinbergerRinggefüge
Work in progress.
C. SteinbergerS
Split couplet
Work in progress.
C. SteinbergerSteigerung
Strophe
Die Strophe ist eine Verseinheit (↗ Versgliederung), die einen oder mehrere ↗ Verse umfasst. Das Monostichon enthält einen einzigen Vers. Das Distichon setzt sich aus zwei Versen zusammen, das Tristichon aus drei, das Tetrastichon aus vier, das Pentastichon aus fünf. Die Strophengrenzen wurden im Vortrag vermutlich durch markante Zäsuren angezeigt (↗ Zäsur).
Beispiele
KTU 1.6 iii 10–13 (Distichon aus zwei Bikola)
KTU 1.15 iv 17'–20' (Distichon aus zwei Bikola)
KTU 1.14 ii 43–50a (Tristichon aus zwei Bikola und einem Trikolon)
KTU 1.6 vi 16b–22a (Tetrastichon aus vier Bikola)
KTU 1.14 i 12–21a (Pentastichon aus vier Bikola und einem Monokolon)
KTU 1.6 i 18b–29 (Hexastichon aus sechs Bikola)
Stufenparallelismus
Der Stufenparallelismus (zuweilen auch als „climactic parallelism“ bezeichnet; eine strukturelle Spielart des poetischen Parallelismus) verknüpft zwei aufeinanderfolgende Kola, die zum selben Vers gehören; das zweite Kolon greift das erste auf, jedoch ist das letzte Element des ersten Kolons im zweiten ausgelassen, und am Ende des zweiten Kolons ist ein Element ergänzt, das im ersten fehlt (zum Stufenparallelismus in der ugaritischen und hebräischen Dichtung vgl. u. a. Greenstein, 1974: 96–104, idem, 1977, und Watson, 1986a: 150–154; wie im Terrassenparallelismus sind im Stufenparallelismus also ↗ Ellipse [forwards ellipsis] und ↗ Ergänzung [backwards ellipsis] miteinander kombiniert). Es ergibt sich das Versmuster a-b-◌ // a(')-◌-c (die Konstruktion lässt sich auf die zusammenhängende Aussage a-b-c zurückführen).
Am Anfang des ersten Kolons steht eine Nominal- oder Verbalphrase, die gewöhnlich zwei Worteinheiten umfasst. Am Kolonende folgt das Subjekt des Satzes oder eine vokativische Anrede; das abschließende Element enthält oft ein Nomen proprium. Der vordere Teil des ersten Kolons wird am Anfang des zweiten Kolons semantisch und grammatisch parallel aufgegriffen; meist entsprechen sich die Satzteile, die jeweils am Anfang der beiden Kola stehen, wörtlich. Das letzte Element des ersten Kolons ist im zweiten Kolon ausgelassen. Dafür ist am Ende des zweiten Kolons der Satzteil ergänzt, der die Darstellung des im ersten Kolon eröffneten Sachverhalts erst komplettiert. Das im zweiten Kolon ergänzte Element schließt meist ein verbales Prädikat ein: Ist im ersten Kolon das verbale Prädikat des übergeordneten Satzes ausgelassen, ist dieses am Ende des zweiten Kolons ergänzt (vgl. Miller, 1999: 372; s. Beispiele A; der erste Teil des ersten und zweiten Kolons enthält in dem Fall je ein oder zwei selbständige, nominale Satzglieder). Enthält der vordere Teil des ersten Kolons bereits ein verbales Prädikat (das dann im vorderen Teil des zweiten Kolons aufgegriffen wird), folgt im hinteren Teil des zweiten Kolons entweder ein nominales Satzglied, das im ersten Kolon ausgelassen ist (bspw. in KTU 1.16 vi 54c–57a), oder aber ein oder zwei weitere, verbale Prädikate (das Prädikat am Kolonende ist gewöhnlich durch die Konjunktion wa an den voranstehenden Satz angeschlossen; s. Beispiele B).
Das erste Kolon endet, bevor der darzustellende Sachverhalt vollständig dargelegt wurde. Erkennt das Publikum, dass das erste Kolon die geschilderte Szene nicht in allen Details erfasst, baut sich am Ende des ersten Kolons kurzzeitig Spannung auf (vgl. Loewenstamm, 1975: 261–262). Die Spannung wird am Ende des zweiten Kolons aufgelöst, wo der im ersten Kolon fehlende Satzteil ergänzt ist. Erkennt das Publikum am Ende des ersten Kolons nicht, dass das erste Kolon die beschriebene Szene nur teilweise erfasst, registriert es dies erst am Ende des zweiten Kolons (Rezipient*innen sind dann veranlasst, die Aussage des ersten Kolons nachträglich neu zu kontextualisieren und zu interpretieren; vgl. Greenstein, 1977). Das zweite Kolon spezifiziert die Darstellung des ersten Kolons. Vorausgesetzt, dass das Publikum nicht mit dieser konkreten Spezifizierung rechnete, sorgt der letzte Teil des zweiten Kolons wohl für einen gewissen Überraschungseffekt. In der ugaritischen Dichtung treten Verse, deren (erste beiden) Kola mittels Stufenparallelismus verknüpft sind, oft am Anfang direkter Reden auf (vgl. u. a. KTU 1.6 iv 1–2 / 22–24; 1.15 ii 21–23a; 1.17 vi 26b–28a).
Im ugaritischen poetischen Korpus tritt der Stufenparallelismus überwiegend im Trikolon auf: Die ersten beiden Kola des Verses sind als Stufenparallelismus konstruiert (vgl. Greenstein, 1974: 96–97; idem, 1977: 77–78; s. Beispiele A–B). Das zweite und das dritte Kolon sind nach anderen Mustern miteinander verknüpft: Das dritte Kolon enthält oft eine elliptische Variante des zweiten Kolons (bspw. in KTU 1.16 vi 54c–57a) oder greift das zweite chiastisch oder partiell-chiastisch auf (bspw. in KTU 1.17 i 11c–13a und 1.3 v 19b–21; vgl. Greenstein, 1974: 97). Das zweite und das dritte Kolon können aber auch parallel gestaltet und gleich aufgebaut sein (bspw. in KTU 1.15 ii 21–23a und 1.12 i 9–11; jedes Element des zweiten Kolons hat ein semantisch und grammatisch korrespondierendes Pendant im dritten Kolon; die korrespondierenden Elemente sind in den beiden Kola in derselben Reihenfolge angeordnet), oder in Form eines ↗ Terrassenparallelismus miteinander verknüpft sein (bspw. in KTU 1.10 ii 21–23 und 1.16 vi 27–29a; beachte auch das Tetrakolon KTU 1.10 ii 13–16). In KTU 1.10 ii 10–12 formen das zweite und das dritte Kolon ein ↗ Enjambement.
Vereinzelt tritt der ugaritische Stufenparallelismus auch im Bikolon auf (s. Beispiele C). Einmal ist der Stufenparallelismus im Tetrakolon belegt (s. Beispiel D).
A. Stufenparallelismus im Trikolon, ohne Prädikat im ersten Kolon
Beispiele
KTU 1.2 iv 8c–9
Anm.: Vgl. auch 1.3 v 19b–21 (O4/A-Anr. // O4/A-P // P-A → a-◌-b // a-c-◌ // c-a'-◌); KTU 1.10 ii 21–23 (O4-Anr. // O4-S-P // S-P+O-A → a-◌-◌-◌-b // a-c-d-◌-◌ // c-d'(~d+a')-e-◌; das zweite und dritte Kolon formen eine Art ↗ Terrassenparallelismus); 1.12 i 9–11 (O4-Anr. // O4-A-P // O4-A-P → a-◌-◌-b // a-c-d-◌ // a'-c'-d'-◌); vielleicht auch 1.161 20–22a (A1-Anr. // A1-A2-P // A2-P ; wa-P-A2 → a-◌-◌-b // a-c-d-◌ // ◌-c-d ; d'-c').
KTU 1.17 i 11c–13a
B. Stufenparallelismus im Trikolon, samt Prädikat im ersten Kolon
Beispiele
KTU 1.16 vi 54c–57a
Anm.: Am Ende des zweiten Kolons ist die Anrede yā binu ausgelassen und dafür das Akkusativobjekt (des verbalen Prädikats yaṯbi/ur) raˀšaka ergänzt. Vgl. auch KTU 1.2 i 7b–8b (Parallelstelle zu KTU 1.16 vi 54c–57a; statt yā binu ist im bruchstückhaft erhaltenen ersten Kolon die Anrede yā yammu) „o Yammu“ zu rekonstruieren); 1.15 ii 21–23a (O4-P-Anr. // O4-P-A // O4-P-A → a-b-◌-c // a-b-d-◌ // a'-b'-d'-◌; am Ende des zweiten Kolons ist die Anrede yā kirtu ausgelassen und dafür das Adverbial bêtaka [Akk.adv.] ergänzt).
KTU 1.17 vi 26b–28a
Anm.: Am Ende des zweiten Kolons ist die Anrede la ˀaqhatu ġāziru ausgelassen und dafür der Satz wa ˀâtinaka ergänzt. Vgl. auch KTU 1.16 vi 27–29a (P-A-Anr. // P-A ; wa-P // P-A → a-b-c ; ◌-◌ // a-b-◌ ; d-◌ // ◌-◌-◌ ; d'-e(~a')).
KTU 1.10 ii 10–12
Anm.: Am Ende des zweiten Kolons ist das Subjekt batūltu ˁanatu ausgelassen und dafür der Satz wa târu bi ˁûpi? ergänzt. Vgl. auch KTU 1.17 i 13b–15a (P-O4-S // P-O4 ; P ; wa-P // P-O4 ; pa-P → a-b-c ; ◌ ; ◌ // a-b-◌ ; d ; e // a-b'-◌ ; ◌ ; e'); 1.14 i 21b–23 (P-O4-S // P-O4 ; P // … → a-b-c ; ◌ // a-b-◌ ; d // …; s. den Kommentar z. St. in der EUPT-Bearbeitung).
C. Stufenparallelismus im Bikolon
Beispiele
KTU 1.3 iv 54–55
KTU 1.169 1b–2
KTU 1.4 iv 43b–44 (und Par.)
Anm.: Anders als in allen anderen hier vorgestellten Belegen wird das erste Element des ersten Kolons, malkunā, am Anfang des zweiten Kolons nicht wörtlich wiederholt (das Lexem malku- ist durch das sinnverwandte Lexem ṯāpiṭu- ersetzt).
KTU 1.6 iv 1–2
Anm.: Anders als in allen anderen hier vorgestellten Belegen ist das im zweiten Kolon ergänzte Element kein selbständiges Satzglied, sondern ein Satzgliedteil, namentlich ein Genitivattribut (ˀili).
D. Stufenparallelismus im Tetrakolon
Beispiel
KTU 1.10 ii 13–16
Anm.: Die ersten beiden Kola formen einen Stufenparallelismus (am Ende des zweiten Kolons ist das Subjekt ˀalˀiyānu baˁlu ausgelassen und die Phrase wa yaˁînu ergänzt). Das zweite und dritte Kolon formen einen ↗ Terrassenparallelismus. Im vierten Kolon ist das dritte Kolon elliptisch aufgegriffen (die Phrase wa yaˁînu am Kolonanfang ist ausgelassen; batūlta ˁanata ist durch den Beinamen naˁīmta bêna ˀaḫâti baˁli ersetzt).
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.14 i 21b–22b (zur Tafel)
KTU 1.15 ii 21'a–22'a (zur Tafel)
KTU 1.16 vi 27a–28a (zur Tafel)
KTU 1.16 vi 54c–56a (zur Tafel)
Synekdoche
T
Tautologie
Work in progress.
C. SteinbergerTerrassenparallelismus
Der Terrassenparallelismus (eine strukturelle Spielart des poetischen Parallelismus) verbindet zwei aufeinanderfolgende Verseinheiten, die zum selben übergeordneten Versgefüge gehören; die zweite Verseinheit greift die erste semantisch und grammatisch parallel auf, jedoch ist das erste Element der ersten Einheit in der zweiten ausgelassen, während am Ende der zweiten Einheit ein Element ergänzt ist, das in der ersten Einheit ausgelassen ist (vgl. Watson, 1986a: 208–210; wie im Stufenparallelismus sind im Terrassenparallelismus also ↗ Ellipse [forwards ellipsis] und ↗ Ergänzung [backwards ellipsis] miteinander kombiniert). So ergibt sich das charakteristische Versmuster a-b-◌ // ◌-b(')-c (die Konstruktion lässt sich auf die zusammenhängende Aussage a-b-c zurückführen).
In der ugaritischen Dichtung ist das Versmuster m. W. ausschließlich auf Versebene belegt: Der Terrassenparallelismus verknüpft hier also zwei aufeinanderfolgende Kola miteinander, die zu einem Vers gehören (in der akkadischen Dichtung ist der Terrassenparallelismus auch innerhalb des Kolons bezeugt; vgl. Steinberger, 2024: § 799). Der Teil des ersten Kolons, der im zweiten Kolon aufgegriffen wird, schließt meist ein verbales Prädikat ein (nicht so in KTU 1.14 iii 22–23a; in KTU 1.23 50 ist es ein nicht-verbales Prädikat). Die korrespondierenden Kolonteile entsprechen sich oft wörtlich (in KTU 1.19 iv 41b–43a und 1.2 i 18a–b stehen sich unterschiedliche Ableitungen desselben Lexems gegenüber [die korrespondierenden Elemente formen ein ↗ Polyptoton]; in KTU 1.3 ii 23–24 und 1.19 iii 28b–29 ist der letzte Teil des ersten Kolons am Anfang des zweiten Kolons nicht wörtlich wiederholt, sondern durch ein partiell-synonymes Pendant ersetzt). Sofern es nicht ohnehin eine einzige Worteinheit des ersten Kolons ist, die am Anfang des zweiten Kolons aufgegriffen wird (wie bspw. in KTU 1.16 v 25b–28a, 1.19 iii 28b–29, iv 41b–43a und 1.114 2c–4a), sind die korrespondierenden Elemente in den beiden Kola gewöhnlich in derselben Reihenfolge angeordnet (ein Sonderfall liegt in KTU 1.15 iii 17–19 vor; s. Beispiele B).
Wie im Stufenparallelismus entfaltet sich der beschriebene Sachverhalt im ersten Kolon noch nicht vollständig. Dem Publikum werden einzelne Informationen vorenthalten, die dann am Ende des zweiten Kolons ergänzt werden. Dies zögert den Aufnahmeprozess hinaus, an dessen Ende sich der Sachverhalt dem Publikum in seiner Gänze erschließt. Vorausgesetzt, dass Rezipient*innen erkennen, dass das erste Kolon den Sachverhalt noch nicht vollständig erfasst, baut sich am Ende des ersten Kolons Spannung kurzzeitig auf. Das Publikum wird neugierig, wie sich die Szene im zweiten Kolon entfalten wird (vgl. Watson, 1986a: 209; vielleicht in KTU 1.19 iii 28b–29). Entgeht Rezipient*innen, dass das erste Kolon die Szene nur teilweise erfasst, baut sich am Ende des ersten Kolons keine Spannung auf. Auf jeden Fall führt das zweite Kolon den im ersten Kolon aufgenommenen Gedanken fort und spezifiziert die Aussage des ersten Kolons. Angenommen, dass das zweite Kolon die Aussage der ersten Einheit auf eine Weise spezifiziert, mit der das Publikum nicht rechnet, sorgt die zweite Einheit für einen gewissen Überraschungseffekt (für die unten zusammengestellten Belege kann dies jedoch nicht wahrscheinlich gemacht werden).
In der ugaritischen Dichtung tritt der Terrassenparallelismus im Bikolon, im Trikolon und mindestens einmal auch im Tetrakolon auf. Im Trikolon und im Tetrakolon sind in dem Fall zwei aufeinanderfolgende Kola als Terrassenparallelismus konstruiert, während die übrigen Kolon-Paare anderen Konstruktionsmustern folgen (im Trikolon, in dem die ersten beiden Kola einen Terrassenparallelismus formen, enthält das dritte Kolon nicht selten eine elliptische Variante des zweiten Kolons [bspw. in KTU 1.2 iv 12b–13a, 1.15 iii 17–19, 1.16 v 25b–28a und 1.114 2c–4a; im dritten Kolon ist hier jeweils das verbale Prädikat ausgelassen; die übrigen Elemente werden semantisch und grammatisch parallel und in derselben Reihenfolge aufgegriffen]; formen das zweite und dritte Kolon einen Terrassenparallelismus, sind das erste und zweite Kolon zuweilen als Stufenparallelismus konstruiert [bspw. in KTU 1.10 ii 21–23 und 1.16 vi 27–29a; beachte auch das Tetrakolon KTU 1.10 ii 13–16; dazu ↗ Stufenparallelismus, Beispiel D]).
A. Terrassenparallelismus im Bikolon
Beispiele
KTU 1.2 i 18a–b (und Par.)
KTU 1.3 ii 23–24
KTU 1.14 i 38b–41a
Anm.: Beachte, dass sich NˁMN ĠLM IL zwar auf den im ersten Kolon genannten Kirtu bezieht, das Epitheton aus syntaktischer Sicht jedoch nicht parallel zum Nomen proprium KRT steht.
KTU 1.14 iii 22–23a (und Par.)
Anm.: Die beiden Kola können zurückgeführt werden auf den zusammenhängenden Satz *qaḥ kaspa wa ḫurāṣa yarqa yada maqâmihu „Nimm Silber und gelbes Gold samt seinem Fundort“ (die Parallelkonstruktion yarqa // ḫurāṣa, i. e. substantiviertes Adjektiv // Substantiv, umschreibt die zusammenhängende Phrase *ḫurāṣa yarqa, i. e. Bezugswort + Adjektivattribut; s. den Kommentar z. St. in der EUPT-Bearbeitung).
KTU 1.19 iii 28b–29
Anm.: Das Adverbial bi našāˀi ˁênêhu ist im zweiten Kolon ausgelassen. Das Prädikat yiphê ist durch das partielle Synonym yaḥdî ersetzt. Im zweiten Teil des zweiten Kolons ist das Akkusativobjekt des Prädikats ergänzt. Vgl. auch KTU 1.4 vii 38b–39 (Anr.-AInterrogativum-P // AInterrogativum-P-O4 → a-b-c-◌ // ◌-b-c-d).
KTU 1.23 50
B. Terrassenparallelismus im Trikolon
Beispiele
KTU 1.2 iv 12b–13a
Anm.: Terrassenparallelismus im 1.–2. Kolon (Anr.-Ellipse / A-Ergänzung).
KTU 1.10 ii 21–23
Anm.: Terrassenähnliche Konstruktion im 2.–3. Kolon. Streng genommen ist der Beleg von den anderen hier besprochenen Belegen zu unterscheiden; das erste Element des zweiten Kolons, qarnê dubˀatika, ist im dritten Kolon nämlich nicht ausgelassen, sondern durch das Objektsuffix am verbalen Prädikat, -humā, ersetzt. Das erste und zweite Kolon sind als ↗ Stufenparallelismus konstruiert.
KTU 1.15 iii 17–19
Anm.: Terrassenparallelismus im 1.–2. Kolon (Satz-Ellipse / A-Ergänzung). Das erste Kolon enthält eine ↗ Apokoinu-Konstruktion: Das Subjekt ˀilūma bezieht sich sowohl auf das voranstehende Prädikat, tubarrikū, als auch auf das folgende Prädikat, taˀtiyū. Das Prädikat tubarrikū ist im zweiten Kolon ausgelassen. Das Subjekt ˀilūma und das Prädikat taˀtiyū sind im zweiten Kolon wörtlich wiederholt, jedoch in umgekehrter Reihenfolge angeordnet (ˀilūma taˀtiyū // taˀtiyū ˀilūma; die beiden Phrasen sind chiastisch aufgebaut; ↗ Chiasmus).
KTU 1.16 v 25b–28a
Anm.: Terrassenparallelismus im 1.–2. Kolon (Satz-Ellipse / O4-Ergänzung). Vgl. auch KTU 1.19 iv 41b–43a (1.–2. Kolon; Satz-Ellipse / A-Ergänzung: P ; wa-P // P-A // Attr.A → a ; b-◌ // ◌ ; b'-c // -dc).
KTU 1.16 vi 27–29a
Anm.: Terrassenparallelismus im 2.–3. Kolon (Satz-Ellipse / A-Ergänzung). Das erste und zweite Kolon sind als ↗ Stufenparallelismus konstruiert.
KTU 1.114 2c–4a
Anm.: Terrassenparallelismus im 1.–2. Kolon (Satz-Ellipse / O4-A-Ergänzung).
Belege aus dem EUPT-Korpus
KTU 1.14 i 38b–41a (zur Tafel)
KTU 1.15 iii 17'–18' (zur Tafel)
KTU 1.16 v 25b–27a (zur Tafel)
KTU 1.16 vi 27b–29a (zur Tafel)
Tetrakolon
Das Tetrakolon ist ein ↗ Vers, der sich aus vier ↗ Kola zusammensetzt.
Tetrastichon
Das Tetrastichon ist eine ↗ Strophe, die sich aus vier ↗ Versen zusammensetzt.
totum pro parte
Trikolon
Das Trikolon ist ein ↗ Vers, der sich aus drei ↗ Kola zusammensetzt.
Tristichon
Das Tristichon ist eine ↗ Strophe, die sich aus drei ↗ Versen zusammensetzt.
V
Vergleich
Vers
Der ugaritische Vers setzt sich aus einem oder mehreren ↗ Kola zusammen (s. auch ↗ Versgliederung). Das Monokolon enthält ein einziges Kolon, das Bikolon zwei Kola, das Trikolon drei, das Tetrakolon vier, das Pentakolon fünf. Das Bikolon ist die gängigste Versform in der ugaritischen Dichtung; daneben treten immer wieder Monokola und Trikola auf (Tetrakola und Pentakola sind deutlich seltener belegt). Die Kola, die zu einem Vers verbunden sind, stehen oft parallel zueinander (↗ Parallelismus) oder enthalten einen zusammenhängenden Satz (im Enjambement-Vers; ↗ Enjambement). Der Vers enthält meist mindestens einen vollständigen Hauptsatz. Daneben sind syntaktisch unvollständige Versformen belegt, in denen der Vers nur einen Teil des übergeordneten Hauptsatzes enthält (und sich mit einem oder mehreren angrenzenden Versen zu einer Enjambement-Strophe verbindet; ↗ Enjambement). Die Versgrenzen wurden im Vortrag vermutlich durch Zäsuren kenntlich gemacht (↗ Zäsur).
Versformen
Monokolon
Beispiel
KTU 1.14 i 37b–38a
Bikolon
Beispiel
KTU 1.14 i 35b–37a
Trikolon
Beispiel
KTU 1.14 i 28–30
Tetrakolon
Beispiel
KTU 1.6 ii 31b–34a
Pentakolon
Beispiel
KTU 1.10 ii 26–30
Verskonstruktionen
a-b-c // a↔b↔c
a-b-(c) // a'-b'-(c')
Beispiel
KTU 1.5 ii 6b–7
a-b-(c) // (c')-b'-a' (Chiasmus)
Beispiel
KTU 1.17 v 10b–11
a-{b-c} // a'-{c'-b'} (anaphorischer partieller Chiasmus)
Beispiele
KTU 1.3 iii 19–20a
KTU 1.3 v 33b–34b
KTU 1.17 i 2b–3a
KTU 1.6 vi 45b–47
KTU 1.15 iv 17'–18'
{a-b}-c // {b'-a'}-c' (epiphorischer partieller Chiasmus)
Beispiel
KTU 1.19 iv 44b–45
{a-b}-c // c'-{a'-b'} (anadiplotischer partieller Chiasmus)
Beispiel
KTU 1.19 iv 8–9a
a-{b-c} // {b'-c'}-a' (rahmender partieller Chiasmus)
Beispiel
KTU 1.19 iii 8–9a
a-b-c // ◌↔b'↔c' (↗ Ellipse)
Beispiel
KTU 1.4 v 61–62
a↔b↔◌ // ◌↔b'↔c
Beispiele
KTU 1.3 ii 23–24
KTU 1.114 2c–4a
Beispiele
KTU 1.2 iv 8c–9
KTU 1.17 i 13b–15a
Beispiel
KTU 1.18 iv 23b–24b
a ; b // a' ; ◌ (und Varianten)
Beispiele
KTU 1.17 ii 12b–14a
KTU 1.14 ii 32–34
a ; b // a' ; b' (↗ Alternation)
Beispiel
KTU 1.19 iv 32–33
Beispiele
KTU 1.14 i 33–35a
KTU 1.17 vi 26b–28a
Anm.: 2.–3. Kolon; zum 1.–2. Kolon ↗ Stufenparallelismus.
a // b (↗ Konnexion)
Beispiel
KTU 1.4 vii 23–25a
a- // b (↗ Enjambement)
Beispiel
KTU 1.6 i 56–57
Versgliederung
Die ugaritischen poetischen Texte gliedern sich in verschieden große Verseinheiten. Dazu zählen das ↗ Kolon, der ↗ Vers und die ↗ Strophe (daneben lassen sich größere strukturelle Einheiten identifizieren, die sich aus mehreren Strophen zusammensetzen). Verseinheiten, die sich aus mindestens zwei kleineren Verseinheiten zusammensetzen, werden zusammenfassend als Versgefüge bezeichnet.
Da die ugaritischen Schreiber die Grenzen zwischen Verseinheiten nicht immer graphisch kenntlich machten (etwa durch Zeilensprünge oder horizontale Trennlinien), erweist sich die Rekonstruktion der Versgliederung zuweilen als schwierig. Wichtige Indizien liefern:
Die Texte richtig zu phrasieren und die Versgliederung auf diese Weise „hörbar“ (i. e. auditiv erfahrbar) zu machen, war Aufgabe des Vortragenden, der die Texte rezitierte oder sang (in welchen Kontexten die Texte vorgetragen wurden, ist weitgehend unbekannt; es ist nicht auszuschließen, dass unterschiedliche Vortragende die Texte zuweilen unterschiedlich phrasierten; die rekonstruierte Versgliederung spiegelt also im besten Fall eine Möglichkeit wider, die Texte zu gliedern). Die prosodische Gestaltung der Texte (Rhythmus, Sprechtempo, unterschiedlich ausgeprägte Zäsuren etc.) zeigte dem Publikum, welche Phrasen zu einer strukturellen, grammatischen und inhaltlichen Einheit zu verbinden sind und welche voneinander abzugrenzen sind (die Versgliederung ist folglich entscheidend für das Textverständnis).
Beispiel
KTU 1.14 iii 14b–19a
Anm.: Die Strophe setzt sich aus drei Bikola zusammen (i. e. aus drei Versen zu je zwei Kola). Die ersten beiden Kola formen einen Enjambement-Vers (↗ Enjambement; der im ersten Kolon eingeleitete Satz ist im zweiten Kolon fortgesetzt; SG-Str.: Interj.-A1- // P-S).
Die Kola, die sich im zweiten und dritten Vers gegenüberstehen, sind jeweils semantisch und grammatisch parallel gestaltet (die parallel gestellten Kola sind jeweils grammatisch identisch aufgebaut; nur im zweiten Kolon des dritten Verses ist die Präposition L am Kolonanfang ausgelassen; ↗ Grammatische Varianz, und ↗ Ellipse):
Str. Vers 2: a„Lärm“-b„Gebrüll“-c„ein Tier“ // a'-b'-c' Str. Vers 3: a„Gebrüll“-b„ein Tier“-c„Einsatzgebiet des Tieres“ // a'-b'-c'.
Gleichzeitig stehen der zweite und der dritte Vers - jeweils als Ganzes betrachtet - parallel zueinander. Die einzelnen Kola enthalten jeweils eine mit L eingeleitete Präpositionalphrase (Ausnahme: zweites Kolon des dritten Verses; s. o.), auf die zwei Genitivattribute folgen:
Str. Vers 2–3: a1-„Lärm des Gebrülls“-b1-„ein Tier“ // a1'-b1' a2-„Gebrüll“-b2-„ein Tier in best. Einsatzgebiet“ // a2'-b2'
Außerdem reimen sich die vier Kola des zweiten und dritten Verses; nicht zuletzt die Kola, die sich jeweils innerhalb eines Verses gegenüberstehen, sind sich klanglich ganz ähnlich (Vers 2: li // li - ṯaˀgati // nahaqati - ˀibbīrīhu // ḥimārīhu; Vers 3: gaˁâti // zaġâti - ˀalapī // kalabī; Vers 2–3: ṯaˀgati // nahaqati | gaˁâti // zaġâti; beachte außerdem ṯaˀgati | gaˁâti).
Der zweite und der dritte Vers sind durch Enjambement mit dem ersten Vers verknüpft (der zweite und der dritte Vers enthalten das Kausaladverbial des übergeordneten Satzes, der im ersten Vers beginnt; SG-Str. Strophe: Interj.-A1- // P-S- | A2 // A2 | A2 // A2).
Visuelle Poesie
Work in progress.
C. SteinbergerVokabular
Work in progress.
C. SteinbergerW
Wortpaar
Work in progress.
C. SteinbergerWortstellung
Work in progress.
C. SteinbergerZ
Zahl / Zahlenparallelismus
Verwandte Einträge: ↗ Numerische Steigerung↗ Numerische Aufzählung (Aufzählung mit Zahlbegriffen)
C. SteinbergerZäsur
Work in progress.
C. SteinbergerZeugma
Work in progress.
C. Steinberger
