Glossar der ugaritischen poetischen Formen

Clemens Steinberger

EUPT-Lab 1 | 2024–2025

Die ugaritische Dichtung ist durch sprachliche, strukturelle und stilistische Besonderheiten geprägt, die die poetischen Texte von nicht-poetischen unterscheiden. Die Gedichte gliedern sich in verschieden große Verseinheiten, die oft parallel gestaltet sind, und enthalten eine Fülle von Stilmitteln.

Das folgende Glossar gibt einen Überblick über diverse Versmuster, Konstruktionsprinzipien, Figuren und Tropen, die im ugaritischen poetischen Korpus belegt sind. Um Vergleiche mit verwandten Poesien zu erleichtern, sind auch einige Formen genannt, für die sich im ugaritischen Korpus bislang keine Beispiele gefunden haben. Unter jedem Glossar-Eintrag in grüner Schrift findet sich eine allgemeine Definition des behandelten Phänomens, Erläuterungen zu den Besonderheiten der Fügung in der ugaritischen Dichtung sowie ausgewählte Beispiele. Künftig Künftig soll jeder Glossar-Eintrag um automatisch erstellte Beleglisten ergänzt werden, die sämtliche Belege aus den veröffentlichten EUPT-Bearbeitungen enthalten. Das Glossar wird fortlaufend erweitert und verbessert.

A

Anakoluth

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Verwandte Einträge: ↗ Wortstellung

C. Steinberger

Anastrophe

Detailansicht für Anastrophe

Verwandte Einträge: ↗ Wortstellung

C. Steinberger

Abbildende Wortstellung

Detailansicht für Abbildende Wortstellung

Verwandte Einträge: ↗ Wortstellung

C. Steinberger

Accumulatio / Enumeratio

Detailansicht für Accumulatio / Enumeratio

Work in progress.

C. Steinberger

Akrostichon

Detailansicht für Akrostichon

Im Akrostichon ergeben die Zeichen, die jeweils am Anfang aufeinanderfolgender Zeilen oder Abschnitte stehen, aneinandergereiht ein Wort, einen Namen oder einen Satz (vgl. Grimm, 2007

). Das Akrostichon ist im ugaritischen Korpus bislang nicht bezeugt.

C. Steinberger

Alliteration

Detailansicht für Alliteration

Die Alliteration ist eine Klangfigur. Zwei oder mehrere Begriffe, die innerhalb eines Kolons aufeinander folgen, klingen gleich an (die alliterierenden Wörter folgen unmittelbar aufeinander). Vermutlich ist nicht jede Alliteration, die sich in den ugaritischen poetischen Texten ausmachen lässt, bewusst gesetzt (s. KTU 1.14 iii 31b–32a oder 35b–36a). Zuweilen gebrauchten die ugaritischen Dichter die Alliteration aber wohl bewusst, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf bestimmte Aussagen zu lenken und diese so hervorzuheben (Alliterationen ließen die Rezipient*innen des Texts vermutlich kurz aufhorchen; außerdem haben alliterierend gestaltete Aussagen hohen Wiedererkennungswert; s. KTU 1.17 vi 32b–33a). Vielleicht wurden Alliterationen mitunter auch aus euphonischen Gründen (i. e. zugunsten des Wohlklangs) eingesetzt.

Alliteration I: zwei Wörter mit gleichem (oder ähnlichem) Anlaut
Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 iii 35b–36a (zur Tafel)

iii 36
und einen ewig gebundenen Knecht (und) drei Pferde,

KTU 1.14 iii 53 (zur Tafel)

iii 53
wusch seine Hände bis zum Ellbogen,

KTU 1.14 v 1b–2 (zur Tafel)

v 2
ja, die an der Quelle (Schläuche) füllte.
Alliteration II: drei Wörter mit gleichem (oder ähnlichem) Anlaut
Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 iii 43a (zur Tafel)

iii 43
deren Pupillen (wie) zwei Lapislazuli-Steine sind,

KTU 1.14 iii 31b–32a (zur Tafel)

iii 32
ja, ein Geschenk des Vaters der Menschheit!‘
Alliteration III: vier Wörter mit gleichem (oder ähnlichem) Anlaut
Beleg

KTU 1.17 vi 32b–33a

ˀappV ˀanāku ˀaḥawwiya 33 ˀaqhata ġāzira
(So) will auch ich beleben ˀAqhatu, [den Hel]den!
Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.16 i 56 (zur Tafel)

i 56[
[Ist] der König [kra]nk?
C. Steinberger

Alternation

Detailansicht für Alternation

Work in progress.

Alternation im Vers
Alternation in der Strophe
C. Steinberger

Anadiplose

Detailansicht für Anadiplose

Work in progress.

C. Steinberger

Anapher

Detailansicht für Anapher

Work in progress.

C. Steinberger

Antonomasie

Detailansicht für Antonomasie

Work in progress.

C. Steinberger

Apokoinu

Detailansicht für Apokoinu

Das Apokoinu ist eine Konstruktion, in der sich eine Phrase, ein Satzglied oder ein Satzgliedteil (i. e. das Koinon) gleichzeitig auf die voranstehende und die nachfolgende Phrase bezieht (Sonderform des Zeugmas; vgl. Steinhoff / Burdorf, 2007

und Schweikle / Schlösser, 2007
). In der ugaritischen Poesie ist die Figur u. a. in der Kolon-Konstruktion PV → SGN ← PV bezeugt: Das Kolon setzt sich aus zwei verbalen Prädikaten (PV) und einem nominalen Satzglied (SGN) zusammen. Das nominale Satzglied steht zwischen den beiden Prädikaten; die Prädikate stehen jeweils am Kolonrand. Weder auf das erste Prädikat (am Kolonanfang) noch auf das nominale Satzglied (in der Kolonmitte) folgt eine Konjunktion. Das nominale Satzglied in der Kolonmitte (i. e. das Koinon) bezieht sich gleichermaßen auf das voranstehende und das nachfolgende Prädikat. In den unten zitierten Beispielen bezeichnet das Koinon jeweils das Subjekt der beiden Prädikate (KTU 1.15 iii 17': tubarrikū ˀilūma taˀtiyū „es sprachen den Segen → die Götter ← gingen“). Das Apokoinu kann als Sonderform eines elliptischen Satzpaars begriffen werden: Die Konstruktion PV→S←PV kann auch als PV-S / ◌-PV (< PV-S / S-PV) analysiert werden (das Koinon-Element, i. e. das nominal ausgedrückte Subjekt, ist im zweiten Satz ausgelassen).

Beispiel

KTU 1.2 i 19b (P→S←P)

tabiˁā ġalmāmi lā yaṯabā
Es machten sich auf → die (beiden) Jünglinge ← verweilten nicht.
Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.15 iii 17' (zur Tafel)

iii 17'
Die Götter sprachen den Segen (und) gingen,
C. Steinberger

Archaismus

Detailansicht für Archaismus

Work in progress.

C. Steinberger

Assonanz / Konsonanz

Detailansicht für Assonanz / Konsonanz

Work in progress.

C. Steinberger

Asyndeton

Detailansicht für Asyndeton

Im Asyndeton sind die Glieder einer Aufzählung, die sich aus zwei oder mehreren syntaktisch gleichrangigen Lexemen oder Phrasen zusammensetzt, ohne Konjunktion aneinandergereiht (Steinhoff, 2007: 51

); die erwartete Konjunktion vor dem letzten Glied der Aufzählung ist ausgelassen (Gegenstück zum ↗ Polysyndeton). Gleichgeordnete Nomina / Nominalphrasen, die innerhalb eines Kolons aufeinanderfolgen, sind in der ugaritischen Poesie nur selten asyndetisch aneinandergereiht (s. Beispiele A; vgl. Steinberger, 2022: 302 Anm. 44
, u. a. zu KTU 1.4 vi 47–54). Im weiteren Sinn ist jedoch jedes Versgefüge als asyndetisch zu betrachten, das sich in zwei oder mehrere Verseinheiten gliedert, vorausgesetzt dass a) in den einzelnen Verseinheiten je ein Teil desselben übergeordneten Sachverhalts beschrieben ist und b) die einzelnen Verseinheiten nicht durch eine Konjunktion miteinander verbunden sind. Solche Konstruktionen begegnen im ugaritischen poetischen Korpus häufig (s. Beispiele B).

Asyndeton I: Asyndetisch verbundene Nomina / Nominalphrasen
Beispiel

KTU 1.4 vi 47–54

47 šapîqa ˀilīma karrīma ø yêna
Er reichte den Göttern (junge) Widder (und) Wein,
48 šapîqa ˀilahāti ḫupārāti ḫapūrāti
er reichte den Göttinnen (weibliche) Lämmer,
49 šapîqa ˀilīma ˀalapīma ø yêna
Er reichte den Göttern Ochsen (und) Wein,
50 šapîqa ˀilahāti ˀaraḫāti
er reichte den Göttinnen Kühe,
51 šapîqa ˀilīma kaḥaṯīma ø yêna
Er reichte den Göttern Herrschersitze (und) Wein,
52 šapîqa ˀilahāti kussiˀāti
er reichte den Göttinnen Throne,
53 šapîqa ˀilīma rVḥabāti yêni
Er reichte den Göttern Krüge voll Wein,
54 šapîqa ˀilahāti DKR-āti
er reichte den Göttinnen Gefäße / (Wein-)Schläuche.
Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 iii 23b–25 (zur Tafel)

iii 24
und einen ewig gebundenen Knecht (und) drei Pferde,
iii 25
einen Streitwagen aus (meinem) Stall (und) den Sohn einer Magd!

KTU 1.14 iii 2b–3a (zur Tafel)

einen dritten, einen vierten Tag,
iii 3
einen fünften, einen sechsten Tag!

KTU 1.15 vi 2 (zur Tafel)

vi 2
Lange sollt?ihr?[es]sen, trinken!“

KTU 1.15 vi 4 (zur Tafel)

vi 4
„Zum Es[se]n, zum Trinken habe ich euch gerufen,
Asyndeton II: Asyndetisch verbundene Verseinheiten
Beispiele

KTU 1.3 iii 43–44

43 maḫaštu môdāda ˀilima ARŠ-a
Ich schlug nieder den Liebling des ˀIlu, ARŠ,
ø 44 ṣammittu ˁigla ˀili ˁTK-a
(und) ich vernichtete das Kalb des ˀIlu, ˁTK!

KTU 1.14 ii 18b–19

ṣaq [bi gu]lli ḥattuṯi ii 19 yêna
Gieß Wein [in eine] Silber[sch]ale,
ø bi gulli [ḫu]rāṣi nubta
(und) Honig in eine [G]oldschale!
C. Steinberger

B

Bikolon

Detailansicht für Bikolon

Das Bikolon ist ein ↗ Vers, der sich aus zwei ↗ Kola zusammensetzt. Das Bikolon ist die gängigste Versform der ugaritischen Dichtung.

C. Steinberger

C

Chiasmus

Detailansicht für Chiasmus

Im Chiasmus sind die semantisch und / oder grammatisch korrespondierenden Elemente zweier aufeinanderfolgender Verseinheiten kreuzweise angeordnet. Das vordere Glied der ersten Verseinheit korrespondiert mit dem hinteren Glied der zweiten Einheit, das hintere Glied der ersten Einheit mit dem vorderen Glied der zweiten (entspricht der erste Satzteil der ersten Einheit dem letzten Satzteil der zweiten Einheit wörtlich, ergibt sich eine Inclusio [im engeren Sinn]; wird der letzte Satzteil der ersten Verseinheit am Anfang der zweiten Einheit wörtlich wiederholt, liegt eine ↗ Anadiplose [im engeren Sinn] vor).

Im vollständigen Chiasmus sind die semantisch und / oder grammatisch korrespondierenden Elemente in den beiden Verseinheiten in umgekehrter Reihenfolge angeordnet. Der vollständige Chiasmus ist im ugaritischen Korpus zwischen aufeinanderfolgenden Phrasen zu beobachten, die zu einem Kolon verbunden sind (wenngleich die Phrasen des Kolons, das sich in zwei gleichrangige Teile gliedert, öfter parallel als chiastisch aufgebaut sind), sowie zwischen Kola, die i. d. R. nicht mehr als einen Satz enthalten, unmittelbar aufeinander folgen und zum selben Vers gehören. Die Segmente der ersten Verseinheit werden in der zweiten Einheit in umgekehrter Reihenfolge aufgegriffen (die umgestellten Segmente entsprechen meist selbständigen Satzgliedern, i. e. Prädikat, Subjekt, Objekt oder Adverbial; Attribute, Appositionen und Partikeln sind vornehmlich als mit ihrem Bezugswort [bzw. mit dem voran- oder nachgestellten Nomen oder Verb] zu einem Segment verbunden zu betrachten). Das erste Segment der ersten Einheit korrespondiert mit dem letzten Segment der zweiten Einheit, das letzte Segment der ersten Einheit mit dem ersten Segment der zweiten Einheit. Setzen sich die beiden Einheiten (konkret: Kola) aus je drei Gliedern zusammen, steht das mittlere Element der ersten Einheit parallel zu mittleren Element der zweiten Einheit (a-b-c // c(')-b(')-a(')).

Aufeinanderfolgende Verseinheiten, die sich aus je drei oder (seltener) vier Teilen zusammensetzen, sind oft partiell-chiastisch aufgebaut: Zwei Teile der ersten Einheit werden in der zweiten Einheit chiastisch aufgegriffen; die übrigen miteinander korrespondierenden Strukturbausteine sind in den beiden Verseinheiten parallel angeordnet. Partiell chiastische Strukturen sind in der ugaritischen Dichtung primär auf Versebene zu beobachten: Aufeinanderfolgende Kola, die zum selben Vers gehören und sich aus je drei Segmenten zusammensetzen, sind öfter partiell-chiastisch aufgebaut als vollständig chiastisch. Dabei werden zwei Segmente jedes Kolons als Einheit betrachtet, die sich vom dritten Segment abhebt. Die Einheit wird als zusammengesetztes Kolonglied bezeichnet wird und enthält oft das Prädikat des Satzes sowie ein weiteres, nominales Satzglied (das zusammengesetzte Glied des ersten Kolons korrespondiert i. d. R. semantisch und grammatisch mit dem zusammengesetzte Glied des zweiten Kolons). Die Segmente des zusammengesetzten Glieds können in den beiden Kola chiastisch angeordnet sein, während das zusammengesetzte Glied, als Ganzes betrachtet, in den beiden Kola an derselben Position steht (a-{b-c} // a-{c-b} oder {a-b}-c // {b-a}-c). Umgekehrt kann das zusammengesetzte Glied im zweiten Kolon umgestellt werden, während die Segmentordnung innerhalb des Glieds unverändert bleibt (a-{b-c} // {b-c}-a oder {a-b}-c // c-{a-b}). Nach der Position des „freien“ Segments, das nicht zum zusammengesetzten Kolonglied gehört, werden vier Formen des partiellen Chiasmus unterschieden: die anaphorische (das selbständige Segment steht jeweils am Anfang der beiden Kola), die epiphorische (das selbständige Segment steht jeweils am Ende der beiden Kola), die rahmende oder inclusische (das selbständige Segment steht im ersten Kolon am Anfang, im zweiten Kolon am Ende) und die anadiplotische (das selbständige Segment steht im ersten Kolon am Ende, im zweiten Kolon am Anfang). Der anaphorische partielle Chiasmus ist m. W. die im ugaritischen Korpus am öftesten belegte Form. Der anaphorische partielle Chiasmus hebt sich dadurch von den anderen Varianten ab, dass das selbständige Segment des ersten Kolons dem selbständigen Segment des zweiten Kolons oft wörtlich entspricht. Daraus ergibt sich eine Anapher im engeren Sinn: Der erste Satzteil des ersten Kolons wird am Anfang des zweiten wörtlich wiederholt. Die Konstruktion konnte wohl zur Hervorhebung des ersten Elements der beiden Kola eingesetzt werden.

Unterschiedlich lange Verseinheiten können chiastisch aufgebaut sein. Die Phrasen des Kolons, das sich aus zwei gleichrangigen Teilen zusammensetzt, die Kola des Verses, aber auch die Verse der Strophe (und noch längere Abschnitte) können chiastisch gestaltet sein. Am häufigsten finden sich chiastische Konstruktionen auf Versebene. Auf Strophenebene ist einerseits die Anordnung der Satzsegmente innerhalb der Kola der zur Strophe verknüpften Verse zu berücksichtigen, andererseits die Anordnung der Kola als Ganzes innerhalb der einzelnen Verse. Chiastische Strukturen finden sich beispielsweise in Gefügen, in denen das erste Kolon des ersten Verses (zumindest lose) mit dem zweiten Kolon des zweiten Verses korrespondiert und das zweite Kolon des ersten Verses mit dem ersten Kolon des zweiten Verses (im ugaritischen Korpus selten; Versmuster: A // B | B' // A' [mir sind derzeit keine Belege aus dem ugaritischen Korpus bekannt], oder A1 // A2 | A2' // A1' oder A1 // A'2 | B2 // B'1 o. Ä., wenn das erste Kolon des einen Verses parallel zum zweiten Kolon desselben Verses steht [A1 // A2], gleichzeitig aber mit dem zweiten Kolon des anderen Verses [#1-#2 | #2-#1] korrespondiert; das Versmuster ist zu unterscheiden vom ↗ Ringgefüge A | B // B' | A').

In Versgefügen, die sich aus mehr als zwei Einheiten zusammensetzen, wird der Chiasmus mit anderen Konstruktionsmustern verschränkt. Im Trikolon, das zwei chiastisch aufgebaute Kola einschließt, steht das dritte Kolon – dem chiastischen Kolonpaar voran- oder nachgestellt – dem benachbarten Kolon nicht chiastisch gegenüber (das Versmuster a-b // b'-a' // a''-b'' ist m. W. nicht geläufig). Es finden sich mehrere Belege, in denen das erste und das zweite Kolon als Stufenparallelismus konstruiert sind und das zweite und das dritte Kolon chiastisch aufgebaut sind (beachte nicht zu letzt die Konstruktion, in der das zweite und das dritte Kolon einen anaphorischen partiellen Chiasmus formen; in dem Fall setzt sich die für den Stufenparallelismus charakteristische Anapher in der Anapher des hinteren, partiell chiastisch aufgebauten Kolonpaars fort).

Chiastische Verskonstruktionen sind zuweilen mit elliptischen gekoppelt: Für den Vers, der zwei Kola einschließt, heißt das, dass einem (mindestens) drei Segmente messenden Kolon ein elliptisches Kolon gegenübersteht, in dem ein Segment ausgelassen ist und die überigen in umgekehrter Reihenfolge angeordnet sind (das elliptische Kolon kann nach oder auch vor dem nicht-elliptoschen stehen). In Relation zur Häufigkeit elliptischer Versformen in der ugaritischen Dichtung sind solche Verskonstruktionen allerdings selten belegt.

A. Chiasmus im Kolon
Beispiel
KTU 1.3 iv 55
55 yaṯub liya / wa lahu [ˀaṯûba]
Er möge mir antworten, / dann [will ich] ihm [antworten].
P-A / A-Pa-b / b'-a'

Anm.: Die beiden chiastisch aufgebauten Phrasen sind durch die Konjunktion wa verbunden (hier i. S. v. „dann“ gebraucht).

B. Chiasmus im Vers
B.1. Vollständiger Chiasmus
Beispiele

KTU 1.17 v 10b–11

hVl(V)ka kôṯari 11 kī yaˁin(/-înu)
Dass Kôṯaru kam, sah er fürwahr,
wa yaˁin(/-înu) tadrVqa ḫasīsi
ja, er sah, dass Ḫasīsu heranschritt.

KTU 1.6 vi 51–53

51 bi yammi ARŠ-a wa tunnāna
Aus? dem Meer den? ARŠ und den? Tunnānu
52 kôṯaru-wa-ḫasīsu yâdî
möge Kôṯaru-wa-Ḫasīsu austreiben,
53 yatur kôṯaru-wa-ḫasīsu
möge vertreiben Kôṯaru-wa-Ḫasīsu!

KTU 1.2 i 14c–15b

[li paˁnê ˀili]15 ˀal tappulā
[Zu Füßen des ˀIlu] fallt nicht nieder,
ˀal tVštaḥwiyā puḫra [MˁD]
huldigt nicht der [Voll]versammlung (der Götter)!

KTU 1.4 vii 29–30

29 qâlahu qudša? baˁlu yâtinu
Baˁlu ließ seine heilige Stimme tönen,
30 yaṯniyu baˁlu ṣi[ˀata] šap(a)têhu
Baˁlu ließ die Äuß[erung] seiner Lippen widerhallen.

KTU 1.14 i 21b–23

yaˁînu ḥitkahu i 22 kirtu
Als er auf seine Vorherrschaft sah, er, Kirtu,
yaˁînu ḥitkahu rašša
als er auf seine Vorherrschaft sah, war er zerschlagen,
i 23 maˀda gardiša ṯubtahu
er war ganz und gar zerschmettert angesichts seiner Herrschaft.

Anm.: Die ersten beiden Kola des Trikolons ergeben einen ↗ Stufenparallelismus. Das zweite und das dritte Kolon sind chiastisch ausgebaut; zur Analyse ↗ phil. Komm., KTU 1.14 i 21b–23, Gr. / Poet. in der EUPT-Bearbeitung.

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 i 22b–23 (zur Tafel)

als er auf seine Vorherrschaft sah, war er zerschlagen,
i 23
er war ganz und gar zerschmettert angesichts seiner Herrschaft.

KTU 1.16 vi 57b–58b (zur Tafel)

vi 58
Mögest du fallen am Zenit deiner Jahre,
an deinem , da mögest du untergehen!“
B.2. Anaphorischer partieller Chiasmus: a-{b-c} // a'-{c'-b'}
Beispiele

KTU 1.3 iii 19–20a

19 ˁimmaya paˁnāki talsumānna
Zu mir mögen deine Füße laufen,
ˁimmaya 20 tawattiḥā ˀišdâki
zu mir mögen eilen deine Beine!

KTU 1.3 v 33b–34b

kullunāyaya qašâhu 34 nâbilanna
Wir alle wollen (ihm) seine Schale bringen,
kullunāyaya nâbila kāsahu
wir alle wollen (ihm) bringen seinen Becher.

KTU 1.17 i 2b–3a

ˀuzūra ˀilīma yulaḥḥim(u)
Gegürtet gab er den Göttern zu Essen,
3[ˀuzūra yušaqqiyu] banī qudši
[gegürtet gab er zu Trinken] den Söhnen des Heiligen.

KTU 1.6 vi 45b–47

šapšu 46 rāpiˀīma tuḥattikī
Šapšu, über die Rāpiˀūma sollst du herrschen,
47 šapšu tuḥattikī ˀilānīyīma
Šapšu, du sollst herrschen über die Göttlichen!

KTU 1.6 iii 6–7

iii 6 šamûma šamna tamṭurūnna
Die Himmel mögen Öl regnen,
iii 7 naḫalūma talikū nubtama
die Wadis mögen voll Honig fließen!

KTU 1.2 iv 8c–9

hitta ˀêbaka 9 baˁluma
Nun, deinen Gegner, Baˁlu,
hitta ˀêbaka timḫaṣ
nun schlag deinen Gegner nieder,
hitta tuṣammit ṣarrataka
nun vernichte deinen Feind!

Anm.: Das erste und das zweite Kolon sind in Form eines Stufenparallelismus konstruiert. Das zweite und das dritte Kolon formen einen anaphorischen partiellen Chiasmus. Vgl. auch KTU 1.17 i 11c–13a (s. Stufenparallelismus [Stufenparallelismus im Trikolon, ohne Prädikat im ersten Kolon]) und KTU 1.14 i 21b–23 (s. Chiasmus [Vollständiger Chiasmus im Vers]).

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 i 10–11 (zur Tafel)

i 10
Kirtu war zerschlagen in (seiner) Vorherrschaft,
i 11
Kirtu war zerschmettert in (seiner) Stellung.

KTU 1.15 iv 17'–18' (zur Tafel)

iv 17'
Zu ihm führte sie seine ‚Stiere‘,
iv 18'
zu ihm führte sie seine ‚Gazellen‘,
B.3. Epiphorischer partieller Chiasmus: Versmuster: {a-b}-c // {b'-a'}-c'
Beispiel

KTU 1.4 vi 34–35a

sabba kaspu li raqqīma
Silber wurde zu Platten,
ḫurāṣu 35 nasabba li labināti
Gold wurde zu Ziegeln.

Anm.: Vgl. auch KTU 1.19 iv 44b–45, und KTU 1.15 ii 23'b–25'a (s. u. Chiasmus in elliptischen Verskonstruktionen).

Vergleichsbelege aus der akkadischen Dichtung

Gilgameš [SBZ; Ugarit-1 / RS 94.2066], 31–32 (zur eBL-Edition)

31 appāt pērtīšu ḫannubā kīma niss[aba]
Die Strähnen seines Haars sprießen wie die der Niss[aba],
32 inambuṭā šinnāšu kīma nipiḫ šamš[i]
seine Zähne scheinen wie das Aufleuchten des Šamaš (/ der Sonne).
Vergleichsbelege aus der biblisch-hebräischen Dichtung

Ps 149,2

2 yiśmaḥ yiśrāˀēl bǝ-ˁōśāyw
Freuen möge sich Israel über seinen Schöpfer,
bǝnê ṣiyyôn yāgîlû bǝ-malkām
die Kinder Zions mögen jubeln über ihren König!
B.4. Anadiplotischer partieller Chiasmus: Versmuster: {a-b}-c // c'-{a'-b'}
Beispiel

KTU 1.19 iv 8–9a

8 danīˀilu bêtahu yamġiyu/anna
Danīˀilu kam zu seinem Haus,
yišta9qVl(u)? danīˀilu li hêkalihu
Danīˀilu erreichte seinen Palast.
Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 iv 40–42a (zur Tafel)

iv 40iv 41
Wenn ich Ḥurriya in mein Haus nehmen kann,
iv 42
das Mädchen in meine Wohnstatt führen kann,
B.5. Rahmender partieller Chiasmus: Versmuster: a-{b-c} // {b'-c'}-a'
Beispiel

KTU 1.19 iii 8–9a

8 kanapê našarīma baˁlu yaṯbu/ir(u)
Baˁlu zerbrach die Flügel der Adler,
9 baˁlu ṯabara DˀIY-ê/ī humūti
Baˁlu zerbrach die Schwingen von jenen.
B.6. Chiasmus in elliptischen Verskonstruktionen
Beispiele und Anmerkungen zu ausgewählten Belegen

KTU 1.19 i 32–33

KTU 1.4 vii 9–10

9 ṯiṯṯa li ṯiṯṯīma ˀaḫa/ida ˁîra
66 (6 + 60) Städte ergriff er,
10 šabˁīma šabˁa PDR-a
77 (70 + 7) Städte.

Anm.: Am Kolonanfang steht jeweils eine zusammengesetzte Kardinalzahl: ṯiṯṯa li ṯiṯṯīma „6 + 60“ // šabˁīma šabˁa „70 + 7“. Zehner und Einer sind in den beiden Kola chiastisch angeordnet. Am Kolonende steht jeweils das Segment „Stadt“ (ˁR // PDR). Das Prädikat, das in der Mitte des ersten Kolons steht, ist im zweiten Kolon ausgelassen.

KTU 1.14 iii 38–40

iii 38 pa dā ˀêna bi bêtiya tâtin
Vielmehr gib, was in meinem Haus fehlt,
iii 39 tin liya MṮ-(a)ta ḥurriya
gib mir das Mädchen Ḥurriya,
iii 40 naˁīm(a)ta šapḥa bukraka
die Liebliche, deinen erstgeborenen Spross,

Anm.: Die ersten beiden Kola des Trikolons sind chiastisch aufgebaut (im ersten Kolon ist der Präpositionalausdruck LY ausgelassen; beachte außerdem, dass die Konjunktion P am Anfang des zweiten Kolons nicht wiederholt ist). Das dritte Kolon enthält eine elliptische Variante des zweiten Kolons: Nur das Akkusativobjekt des Satzes ist aufgegriffen.

KTU 1.15 ii 23'b–25'a: Anm.: Die beiden Kola sind in Form eines epiphorischen partiellen Chiasmus aufgebaut. Im zweiten Kolon ist das Substantiv BNM, i. e. das Gezählte der Kardinalzahl ṮMN, ausgelassen.

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 iii 38–39 (zur Tafel)

iii 38
Vielmehr gib, was in meinem Haus fehlt,
iii 39
gib mir das Mädchen Ḥurriya,

KTU 1.15 ii 23'b–25'a (zur Tafel)

gebäre dir sieben Kinder,
ii 24'ii 25'
ja schenke dir acht!
B.7. Weitere Formen
Beispiel

KTU 1.15 i 5'–7'

Anm.: Die ersten beiden Kola sind syntaktisch parallel aufgebaut; im zweiten Kolon ist das verbale Prädikat TZĠ ausgelassen. Die beiden Kola können ebenso als semantisch parallel betrachtet werden: Das erste Kolon bezieht sich auf das Brüllen einer Tiermutter nach dem von ihr getrennten Jungen, das zweite Kolon auf das Rufen von Kindern nach den von ihnen getrennten Müttern (zur Analyse der einzelnen Lexeme s. den Kommentar in der EUPT-Bearbeitung; die Wortbedeutungen „Mutter“ und „Kind“ stehen in konverser Sinnrelation; „menschliche Mutter“ und „tierische Mutter“ bzw. „menschliches Kind“ und „tierisches Kind“ sind jeweils Ko-Hyponyme [Hyponyme eines gemeinsamen Hyperonyms / Oberbegriffs, i. e. „Mutter“ bzw. „Kind“]; die Wortbedeutung „menschliches Kind“ ist folglich als Ko-Hyponym des konversen Gegenstücks der Wortbedeutung „tierische Mutter“ zu erklären). Gleichzeitig ist auf die offensichtliche semantische Relation zwischen den Lexemen ARḪ „Kuh“ und UM „Mutter“ (> UMHTHM) sowie zwischen ˁGL „Kalb“ (> ˁGLH) und BN „Sohn, Kind“ (> BN ḪPṮ) hinzuweisen (s. o.; es handelt sich jeweils um Ko-Hyponyme). Die Elemente der Paare ARḪ // UMHTHM und ˁGLH // BN ḪPṮ sind chiastisch angeordnet.

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.15 i 5'–6' (zur Tafel)

i 5'
(Wie) die Kuh nach ihrem Kalb brüllt,
i 6'
die ḪPṮ-Kinder nach ihren Müttern,
C. Chiasmus in der Strophe
Beispiele

KTU 1.5 iv 16–19

16 šatiyū kar[pānīma yêna] // 17 bi kāsī ḫurā[ṣi dama ˁiṣṣīma]
Sie tranken aus Be[chern Wein], // aus Go[ld]bechern [das ‚Blut der Bäume‘].
18 kāsī kaspi [] // 19 karpāna [ˁalê/â karpāni]
Silberbecher [ sie], // Becher [um Becher].

Anm.: Versmuster: A1 // A'2 | B2 // B'1 (s. o.). Vermutlich liegt ein Distichon vor, zusammengesetzt aus zwei Bikola. Die Rekonstruktion des zweiten Verses ist unsicher. Beachte jedenfalls die teilweise repetitiven Wort- / Phrasenpaare KR[PN-] // KRPN und KS ḪR[] // KS KSP, die das erste Kolon des ersten Verses mit dem zweiten Kolon des zweiten Verses und das zweite Kolon des ersten Verses mit dem ersten Kolon des zweiten Verses verknüpfen.

KTU 1.15 v 20'b–24'

wa yamliku v 21'[ya]ṣṣubu ˁalânā // wa Y x x Y v 22'[kir]tV Ṯˁ-V
Also wird [Ya]ṣṣubu König über uns! // Und er … […] …(,) der / den edle(n) [Kir]tu.
ˁalânā baḫḫūru v 23'[yamliku] // ˀaṯṯatVka ˁalâ v 24'[x x x x] x x yušôṣiˀ
Über uns wird der Jüngling [König]! // Deine Frau über […] … brachte er hinaus.

Anm.: Die Rekonstruktion und die Versgliederung der Passage sind unsicher. In der hier gezeigten Analyse steht das Kolon v 22'b–23' chiastisch zum Kolon v 20'b–21'a (Konj.-P-S-A //? … |? A-S-P //? … → a-b-c //? … |? c-b'-a); s. den Kommentar zur Passage in der EUPT-Bearbeitung, ↗ phil. Komm., KTU 1.15 v 22'b–23'a, Rek. / Poet.

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.15 v 20'b–24' (zur Tafel)

v 21'
so wird [Ya]ṣṣubu König über uns!
YxxYv 22'
Und er [](,) der / den edle(n)[Kir]tu.
v 23'[]
Über uns [wird] der Jüngling [König]!
v 24'[xxxx]xx
Deine Frau über […] … brachte er hinaus
C. Steinberger

Constructio ad sensum

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Work in progress.

C. Steinberger

Conversio

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Verwandte Einträge: ↗ Geminatio

C. Steinberger

Correctio

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Work in progress.

C. Steinberger

D

Distichon

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Das Distichon ist eine ↗ Strophe, die sich aus zwei ↗ Versen zusammensetzt.

C. Steinberger

E

Ellipse

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C. Steinberger

Enjambement

Detailansicht für Enjambement

Im Enjambement sind die Glieder eines zusammenhängenden Satzes (i. d. R. ein Verbalsatz) über zwei (oder mehrere) Verseinheiten verteilt. In der ugaritischen Poesie ist das Enjambement sowohl auf Versebene (i. e. das Kolon-Enjambement zwischen aufeinanderfolgenden Kola) als auch auf Strophenebene belegt (i. e. das das Vers-Enjambement zwischen aufeinanderfolgenden Versen; das Kolon-Enjambement ist öfter belegt als das Vers-Enjambement).

Kolon-Enjambement

Im Kolon-Enjambement verteilen sich die Glieder eines zusammenhängenden Satzes über zwei (nur in Ausnahmefällen drei) Kola. Die Kola gehören zu einem Vers (der Vers wird als Enjambement-Vers bezeichnet). Nicht selten tritt vor oder hinter die beiden durch Enjambement verbundenen Kola ein weiteres Kolon, das parallel zu einem der beiden Kola steht (so ergibt sich ein ↗ Trikolon). Das Kolon des Enjambement-Verses, das des Prädikats des übergeordneten Satzes entbehrt, enthält meist ein einziges selbständiges Satzglied (Subjekt, Akkusativobjekt oder Adverbial; häufig enthält das prädikatlose Kolon ein Adverbial; seltener zwei nicht-prädikativische Satzglieder); die restlichen Satzteile samt dem Prädikat des Satzes stehen im anderen Kolon. Gleichwohl sind die Kola des Enjambement-Verses meist ungefähr gleich lang: Das prädikatlose Kolon setzt sich i. d. R. aus mehreren Worteinheiten zusammen (der nominale Satzteil, der in dem prädikatlosen Kolon steht, ist um ein oder mehrere Attribute / Appositionen erweitert oder setzt sich aus mehreren Nomina zusammen, die in Form einer ↗ Accumulatio miteinander verbunden sind).

Beispiele

KTU 1.15 ii 11–12

11 [ˀaḫ]ra maġāyi ˁidati ˀilīma
[Nachd]em die Götterversammlung gekommen war,
12 [wa] yaˁnî ˀalˀiyā[nu] baˁlu
[da] sprach der Mächti[ge], Baˁlu.

Anm.: A- // P-S; vgl. auch KTU 1.6 ii 26b–27 (A- // S-P); KTU 1.6 i 9b–10a (A1- // P-A2-O4).

KTU 1.14 iii 3b–5

maka šapšuma 4 bi šābiˁi
Dann, bei Sonnenaufgang, am siebten (Tag),
wa tamġiyu li ˀudumi 5 rabbati
da wirst du nach ˀUd(u)mu, zur großen (Stadt), kommen,
wa li ˀudumi ṮRR-ati
ja, nach ˀUd(u)mu, zur starken (Stadt).

Anm.: A1- // P-A2 // A2 → a- // b-c // ◌-c'; vgl. auch KTU 1.14 iv 32b–36a; KTU 1.4 iv 27–28 (A- // P-O4 ; P).

KTU 1.4 iv 20–22

20 ˀiddāka lV tâtinu panîma
Dann machte sie sich auf den Weg
21 ˁimma ˀili mabbakV naharêma
zu ˀIlu, zur Quelle der beiden Flüsse,
22 qarba ˀapīqi tahāmatêma
ins Flussbett der beiden Urfluten.

Anm.: A1-P-O4- // A2 // A2 → a-b-c- // d-e // ◌-e'. Zum Enjambement-Vers, dessen zweites Kolon eine durch ˁM eingeleitete Präpositionalphrase enthält, vgl. auch KTU 1.15 i 3–4 (P-S- // A) und KTU 1.24 16–17a (P-S- // A).

KTU 1.2 i 27–28a

27 šaˀū ˀilūma raˀašātikumū
Erhebt, Götter, eure Häupter
li ẓûri birakātikumū
von euren Knien,
lina kaḥaṯī 28 ZBL-ikumū
von euren fürstlichen Thronen!

Anm.: P-Anr.-O4- // A // A → a-b-c- // d // d'. Zum Enjambement-Vers, dessen zweites Kolon eine durch L eingeleitete Präpositionalphrase enthält, vgl. auch KTU 1.2 iii 16b–d (P-S- // A // A; a-b- // c // c') und KTU 1.4 v 46b–48a (P-S ; P- // A).

KTU 1.4 vii 19b–20

wa pataḥ BDQ-ata ˁarapāti
Ja, [ö]ffne einen Spalt in den Wolken
20 ˁalêâ hawâti kôṯari-wa-ḫasīsi
gemäß dem Wort des Kôṯaru-wa-Ḫasīsu!

Anm.: P-O4- // A.

KTU 1.15 iii 13–15

13 maˀda râma kirtu
Hoch erhaben ist [Kirtu]
14 bi tôki rāpiˀī ˀarṣi
inmitten der Rāpiˀūma der ‚Er[de‘],
15 bi puḫri QBṢ-i ditāni
in der Zusammenkunft der Versammlung des Ditānu.

Anm.: A1-P-S- // A2 // A2 → a-b-c- // d // d'.

KTU 1.2 i 25d–26

ˀaḥda 26 ˀilūma taˁniyū
Einstimmig mögen die Götter antworten
lûḥāti malˀakê yammi
den Tafeln der Boten des Yammu,
taˁûdati ṯāpiṭi nahari
der Gesandtschaft des Herrschers Nah(a)ru.

Anm.: A-S-P- // O4 // O4 → a-b-c- // dx-y-z // d'◌-y'-z'.

KTU 1.6 i 56–57

56 ˀappūnaka ˁaṯtaru ˁarīẓu
Sodann (ist) ˁAṯtaru, der Starke,
57 yaˁlûî bi ṢRR-āti ṣapāni
hinaufgestiegen auf die Höhen? des Zaphon.

Anm.: A1-S- // P-A2. Zum Enjambement-Vers, dessen erstes Kolon die Phrase APNKSubjektNomen proprium + Epitheton enthält, vgl. auch KTU 1.5 vi 11–14a (A1-S- // P-A2 ; P-A2 // A2 ; P-A2; a-b- // c-d ; e-f // ◌-d' ; e'-f') und 1.15 ii 8–9a (A1-S- // O4-A2-P).

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 i 28–30 (zur Tafel)

i 28
Seine Tränen flossen
i 29
wie Schekel zur Erde,
i 30
wie Fünftel (eines Schekels) aufs Bett.

KTU 1.14 iii 3b–5b (zur Tafel)

iii 4
Schließlich, bei Sonnenaufgang, am siebten (Tag),
iii 5
da wirst du nach ˀUd(u)mu, zur großen (Stadt), kommen,
ja, nach ˀUd(u)mu, zur starken (Stadt).

KTU 1.15 ii 11'–12' (zur Tafel)

ii 11'
[Nach]dem die Ver[samm]lung der Götter gekommen war,
ii 12'
[da] sprach der Mäch[tige], Baˁlu:

KTU 1.15 iii 22'–23' (zur Tafel)

iii 22'
Schließlich, im siebenten Jahr,
iii 23'
waren da Kirtus Söhne, wie sie versprochen waren,

KTU 1.16 i 46–47 (zur Tafel)

i 46
Daraufhin nahm der Held ˀIluḥaˀu
i 47
seine [L]anze in die Hand,
Vers-Enjambement

Im Vers-Enjambement sind die Glieder eines zusammenhängenden Satzes über zwei oder mehrere Verse verteilt, die zur selben Strophe gehören (die Strophe wird als Enjambement-Strophe bezeichnet). Die durch Enjambement verbundenen Verse sind meist ↗ Bikola. Der Satzteil, der im ersten Kolon jedes Verses steht, wird im zweiten Kolon des Verses parallel aufgegriffen.

Beispiele

KTU 1.14 iv 40–43

40 himma ḥurriya bêtaya 41 ˀiqqaḥu ˀašaˁribu ġalmata 42 ḥaẓiraya
Wenn ich Ḥurriya in mein Haus nehmen kann, // das Mädchen in meine Wohnstatt führen kann,
ṯinêha kaspima 43 ˀâtina wa ṯalāṯataha ḫurāṣima
(dann) will ich ihr Doppeltes an Silber darbringen, // ja, ihr Dreifaches an Gold!

Anm.: A- // (…) ǀ O4-P // (…) → aHM -x-y-z- // a'◌-z'-x'-y'- ǀ b-c // b'-◌.

KTU 1.19 iii 42b–45a

kanapê našarīma 43 baˁlu yaṯbiur baˁlu yaṯbiur DˀIY-ê 44 humūti
Baˁlu möge die Flügel der Adler zerbrechen, // Baˁlu möge die Schwingen von jenen zerbrechen,
himma taˁûpūna ˁalêâ qubūri biniya 45 tašaḫîṭūnaninnu bi šinatihu
wenn sie über das Grab meines Sohnes fliegen, // (und) ihn wecken aus seinem Schlaf!

Anm.: O4-S-P // (…) ǀ -A // (…) → a-b-c // b-c-a' ǀ -d // e.

KTU 1.17 v 4b–7a (Par. KTU 1.19 i 19b–23a)

ˀappūnaka danīˀilu mutu 5 rāpiˀi ˀappVhinnā ġāziru mutu harnamīyi
Sodann (ist) Danīˀilu, der Mann des Rāpiˀu, // sodann (ist) der Held, der Mann des Harnamiten,
6 yittašaiˀu yâṯibu bi ˀappiê ṯaġri taḥta 7 ˀadurīma dā bi gurni
aufgestanden (und) hat sich an der Vorderseite des Tores gesetzt, // unter den Noblen, die bei der Tenne (waren).

Anm.: A1-S- // (…) ǀ P ; P-A2 // (…) → a-b- // a'-b'- ǀ c ; d-e // ◌ ; ◌-e'; vgl. auch KTU 1.17 i 0–3a: A1-S- // (…) ǀ A2-O4-P // (…) → a-b- // a'-b'- ǀ c-d-e // c-e'-d'.

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 iv 40–43b (zur Tafel)

iv 40iv 41
Wenn ich Ḥurriya in mein Haus nehmen kann,
iv 42
das Mädchen in meine Wohnstatt führen kann,
iv 43
(dann) will ich ihr Doppeltes an Silber darbringen,
ja, ihr Dreifaches an Gold!“
C. Steinberger

Epipher

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Work in progress.

C. Steinberger

Enumeratio

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Verwandte Einträge: ↗ Accumulatio / Enumeratio

C. Steinberger

Euphemismus

Detailansicht für Euphemismus

Der Euphemismus ist eine Form der ↗ Periphrase. Ein negativ konnotierter oder tabuisierter Begriff ist durch einen beschönigenden Ausdruck ersetzt. Oberflächlich betrachtet verschleiert der euphemistisch gebrauchte Ausdruck, worum es eigentlich geht (das Beschriebene wird nicht benannt; es wird lediglich darauf angespielt). Steht die wörtliche Bedeutung des euphemistisch gebrauchten Ausdrucks in Kontrast zum Umschriebenen, wirkt die beschönigende Umschreibung ironisierend (↗ Ironie / Witz / Zweideutigkeit). Der Euphemismus benennt in dem Fall genau das, was das Beschriebene nicht ist (vgl. Watson, 1986a: 308–309

, und idem, 1986b: 419
).

Beispiel

KTU 1.4 viii 7–9 (und Par.)

7 wa ridā bêta ḫupṯati 8 ˀarṣi
Und steigt hinab in das ‚Haus der Freiheit der Erde‘!
tissapirā bi yā9ridīma ˀarṣia
Möget ihr gezählt werden zu denen, die in die ‚Erde‘ (i. e. die Unterwelt) hinabsteigen!

Anm.: BT ḪPṮT „Haus der Freiheit“ in viii 7–8a ist wahrscheinlich eine euphemistische Umschreibung der Unterwelt (s. ARṢ „Erde; Unterwelt“ in viii 8b–9), also für jenes „Haus“, das seinen „Bewohnern“ kaum Freiheiten bietet (wer einmal eingetreten ist, wird gewöhnlich nie wieder freigelassen). Die Unterwelt ist im Grunde also das glatte Gegenteil eines „Hauses der Freiheit“ (vgl. Watson, 1986b: 419

). Vgl. auch KTU 1.5 vi 5b–7 (und Par.), wo das Steppenland am Eingang zur Unterwelt als NˁMY „lieblicher“ und YSMT „schöner Ort“ bezeichnet wird (vgl. Watson, 1986b: 419
, und Müller / Steinberger, 2022: 114 [Anm. 304 mit Lit.]
).

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.15 v 17'–20'a (zur Tafel)

v 17'
„Hat sich [Ki]rtu (erst) dem ˀIlu angeschlossen,
v 18'v 19'
fürwahr, hat Kirtu (erst) den Sonnenuntergang erreicht,
v 20'
unser Herr den Sonnenaufgang,
C. Steinberger

F

Figura etymologica / Paronomasie

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Work in progress.

C. Steinberger

Fremdwort / Lehnwort

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In den ugaritischen Texten finden sich zahlreiche Fremd- und Lehnwörter, die aus dem Akkadischen oder einer anderen, nicht-semitischen Sprache stammen (Watson, 2007: 63–151

). Manche dieser Lexeme sind ausschließlich im poetischen Korpus belegt (s. Beispiele). Dort treten Fremd- und Lehnwörter immer wieder semantisch / grammatisch parallel (↗ Parallelismus) zu ugaritischen Lexemen auf. Das Fremdwort und das ugaritische Lexem bezeichnen in dem Fall dieselbe Sache oder zwei ähnliche oder in der Vorstellungswelt des Dichters und des Publikums miteinander verwandte Sachen.

Vorausgesetzt, dass Dichter und Publikum ein Lexem fremdsprachigen Ursprungs als Fremdwort erkannten (es also nicht als mutmaßlich eigensprachliches, ugaritisches Lexem galt), vermochte das Fremdwort möglicherweise a) die Wortgewandtheit und die hohe Bildung des Dichters herauszustellen (vgl. Korpel, 1998: 98–99 / 101

), b) die poetische Sprache von der Alltagssprache abzuheben, und / oder c) Ugarit als kosmopolitischen Knotenpunkt einer stark vernetzten spätbronzezeitlichen Welt zu inszenieren, an dem unterschiedliche Sprachen und Literaturen aufeinandertrafen (vgl. Watson, 2007: 151
). Fremdwörter kamen aber vermutlich auch aus anderen, praktischen Gründen zum Einsatz: Grundsätzlich ermöglichen Fremdwörter, spezifische real- oder vorstellungsweltliche Konzepte zu bezeichnen, für die keine eigensprachlichen Bezeichnungen etabliert sind. Gleichzeitig erweitern Fremdwörter das lexikalische Repertoire des Dichters, aus dem dieser schöpft, wenn er im parallel gestalteten Versgefüge einem bestimmten (eigensprachlichen) Lexem einen sinnverwandten Begriff gegenüberzustellen sucht.

Beispiele

KTU 1.14 iv 1–2a (und Par.)

1 yaṣaqa bi gulli ḥattuṯi yêna
Er goss Wein in eine Silberschale,
2 bi gulli ḫurāṣi nubta
Honig in eine Goldschale.

Anm.: ḤTṮ, vermutlich aus dem Hethitischen (oder Hattischen) entlehnt (DUL3 372 s.v. ḥtṯ; Watson, 2007: 120

).

KTU 1.14 iv 49–50 (und Par.)

49 garrâninna ˁîrama
Er stürmte an gegen sie, die Stadt,
50 šarâninna PDR-ama
rückte vor gegen sie, die Stadt.

Anm.: PDR „Stadt“, vermutlich nicht-semitischen Ursprungs (vgl. DUL3 652 s.v. pdr I).

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 iv 1 (zur Tafel)

iv 1
Er goss Wein in eine Silberschale,

KTU 1.14 iv 50 (zur Tafel)

iv 50
rückte vor gegen sie, die Stadt.
C. Steinberger

G

Genus-komplementärer Parallelismus (gender-matched parallelism)

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Work in progress.

C. Steinberger

Geminatio

Detailansicht für Geminatio

Als Geminatio wird die Wortdoppelung bezeichnet. Ein Wort wird innerhalb des Kolons wiederholt (↗ Repetitio); die beiden Begriffe folgen unmittelbar aufeinander. Die Geminatio ist in der ugaritischen Poesie selten bezeugt. Sie diente wohl der besonderen Hervorhebung des gedoppelten Lexems. In KTU 1.3 iv 32b ist das erste Wort des Kolons verdoppelt, in KTU 1.14 iii 26–27a (und Par.) das letzte (die Geminatio am Kolonende wird als Conversio bezeichnet).

Beispiel

KTU 1.3 iv 32b

likā likā ˁNN ˀilīma
Geht, geht, Diener der Götter!
Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 iii 26–27a (zur Tafel)

iii 26iii 27
Nimm, Kirtu, Friedensgeschenke, (ja,) Friedensgeschenke,
C. Steinberger

Grammatische Varianz

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Work in progress.

C. Steinberger

Graphisches Wiederholungsmuster

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Verwandte Einträge: ↗ Visuelle Poesie

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.15 iii 7'–12' (zur Tafel)

iii 7'TP[x(x)]T
Sie gebäre das Mädchen [],
iii 8'T[xx(x)]R
Sie gebäre das Mädchen [],
iii 9'xxx(x)]
Sie gebäre das Mäd[chen ],
iii 10'[xxx(x)]
Sie gebäre das Mädchen [],
iii 11'xxx(x)]
Sie gebäre das Mäd[chen ],
iii 12'xxx(x)]
Sie gebäre das Mä[dchen ].
C. Steinberger

H

Hendiadyoin

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Work in progress.

C. Steinberger

Hexastichon

Detailansicht für Hexastichon

Das Hexastichon ist eine ↗ Strophe, die sich aus sechs ↗ Versen zusammensetzt.

C. Steinberger

Homöarkton

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Work in progress.

C. Steinberger

Homöoprophoron

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Work in progress.

C. Steinberger

Homöoptoton

Detailansicht für Homöoptoton

Work in progress.

C. Steinberger

Homöoteleuton

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Work in progress.

C. Steinberger

Hyperbel

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Work in progress.

C. Steinberger

Hysteron proteron

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Work in progress.

C. Steinberger

I

Inclusio

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In der Inclusio (oder Rahmung, Kyklos, Epanadiplosis) korrespondiert das erste Element der Verseinheit, die sich aus mindestens zwei kleineren Einheiten zusammensetzt, mit dem letzten Element derselben Verseinheit. Das erste und das letzte Element rahmen die ganze Verseinheit (Struktur: a … // … a(') oder a … // … // … a(') o. Ä.). In der Inclusio im engeren Sinn entsprechen sich die rahmenden Elemente wörtlich (sie sind identisch oder unterschiedliche Ableitungen desselben Lexems [↗ Polyptoton]; vgl. Schweikle / Burdorf / Moennighoff, 2007a

: „Übereinstimmung des Wortmaterials am Anfang und am Ende desselben Teilsatzes, Satzes, Absatzes oder Textes“). In der Inclusio im weiteren Sinn sind die rahmenden Elemente nicht identisch; die beiden Lexeme oder Phrasen stehen aber in semantischer Relation und korrespondieren grammatisch.

Das rahmende Element ist in den hier besprochenen Konstruktionen jeweils ein einzelnes Wort oder eine zusammengesetzte Nominalphrase und steht am Kolonanfang bzw. am Kolonende. Diese Form der Inclusio wird vom (verwandten) ↗ Ringgefüge unterschieden. Im Ringgefüge sind mehrere Verseinheiten miteinander verbunden, von denen die erste und die letzte Verseinheit miteinander korrespondieren und die dazwischenliegende(n) Verseinheit(en) rahmen. Die letzte Einheit greift die erste auf oder nimmt auf einzelne Elemente der ersten Einheit Bezug; jedoch ist das Pendant des ersten Elements der ersten Verseinheit nicht ans Ende der letzten Verseinheit gestellt (sofern das erste Element der ersten Verseinheit überhaupt ein semantisch / grammatisch korrespondierendes Pendant in der letzten Verseinheit hat).

Die Inclusio spannt den Bogen vom Anfang des Versgefüges zum Ende desselben und macht so deutlich, dass die Phrasen / Verseinheiten, die zwischen den beiden rahmenden Elementen liegen, als inhaltliche und versstrukturelle Einheit zu betrachten sind (am Ende des Versgefüges werden Rezipient*innen gewissermaßen noch einmal an den Anfang erinnert). Vor allem wenn sich das erste und das letzte Element wörtlich entsprechen, wird das rahmende Element in der Inclusio hervorgehoben.

In den ugaritischen Belegen der Inclusio korrespondiert i. d. R. nicht nur das erste Element der ersten Verseinheit mit dem letzten Element der letzten Verseinheit; mindestens ein weiteres Element der ersten Verseinheit hat ein semantisch / grammatisch korrespondierendes Pendant in der letzten Verseinheit. Die Inclusio tritt in der ugaritischen Dichtung folglich primär in chiastischen Verskonstruktionen auf; Struktur: a-b(-c) // (c-)b-a oder a-b-c // b-c-a o. Ä. (s. ↗ Chiasmus; s. ↗ rahmender partieller Chiasmus).

Die Inclusio kann ein Kolon rahmen, das sich aus zwei gleichrangigen Phrasen zusammensetzt (KTU 1.3 iv 55; 1.24 38b–39). Häufiger fasst die Inclusio einen Vers ein, der sich in zwei oder mehrere Kola gliedert (bislang nicht bekannt sind mir Beispiele für die Inclusio in der Strophe, die sich aus mindestens zwei Versen zusammensetzt, und in der das letzte Element des letzten Verses das erste Element des ersten Verses aufgreift).

Beispiele

KTU 1.3 iv 55 (Kolon)

55 yaṯub liya wa lahu [ˀaṯûba]
Er möge mir antworten, / dann [will ich] ihm [antworten].

Anm.: Inclusio yaṯub … / … ˀaṯûba (↗ Polyptoton); Struktur des Kolons (↗ Chiasmus): a-b / (wa-)b'-a'.

KTU 1.24 38b–39 (Kolon)

ˀârī yariḫa wa ya39riḫu yiˀarki
leuchte dem Yar(i)ḫu, / und (od. dann) Yar(i)ḫu möge dir leuchten!

Anm.: Inclusio ˀârī … / … yiˀar-ki (↗ Polyptoton); Struktur des Kolons (↗ Chiasmus); Struktur: a-b / (wa-)b'-a'.

KTU 1.3 v 30–31 (Vers / Trikolon)

30 taḥmuka ˀilu ḥakaima
Deine Botschaft, ˀIlu, ist weise,
ḥukmuka 31 ˁimma ˁālami
dein weises Urteil (gilt) bis in alle Ewigkeit,
ḤYT-u ḥuẓûti taḥmuka
ein Leben (voll) Glück ist deine Botschaft!

Anm.: Inclusio taḥmu-ka … // // … taḥmu-ka (vgl. schon Dahood, 1969: 25–26

).

KTU 1.14 ii 32–34 (Vers / Trikolon)

Anm.: Inclusio ˁadānu … // // … ˁadānu maˁˁu; Versstruktur: (a-b) ; ( wa -c) // (a'-b) // ( wa -c-a'').

KTU 1.17 vi 35b–36a (Vers / Bikolon)

môta ˀuḫrīyati maha yiqqaḥu
Den Tod am Ende – was kann ihn wegnehmen?
36 maha yiqqaḥu môta ˀaṯrīyati
Was kann wegnehmen den Tod am Schluss?

Anm.: Inclusio môta ˀuḫrīyati … // … môta ˀaṯrīyati; Versstruktur (↗ partieller Chiasmus): a(x>y)-{b-c} // {b-c}-a'(x>y').

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 ii 32–34 (zur Tafel)

ii 32
Die Armee sei mit Proviant versorgt, dann ziehe sie aus,
ii 33
das Heer des Heeres sei mit Proviant ausgerüstet,
ii 34
dann ziehe die gewaltige Armee aus!
C. Steinberger

Inversion

Detailansicht für Inversion

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C. Steinberger

Ironie / Witz / Zweideutigkeit

Detailansicht für Ironie / Witz / Zweideutigkeit

Work in progress.

C. Steinberger

K

Klimax / Steigerung

Detailansicht für Klimax / Steigerung

Work in progress.

C. Steinberger

Kolon

Detailansicht für Kolon

Das Kolon ist eine elementare Verseinheit (↗ Versgliederung) der ugaritischen Dichtungkunst. Auf manchen Tafeln (bzw. in einzelnen Tafelabschnitten) entspricht das Kolon je einer Zeile. Dies weist darauf hin, dass die ugaritischen Schreiber das Kolon als konstitutive Verseinheit erachteten. Das Kolon enthält i. d. R. mindestens ein selbständiges Satzglied (Prädikat, Subjekt, Akkusativobjekt und / oder Adverbial; oft setzt sich das Kolon aus einem Prädikat und einem oder mehreren nominalen Satzgliedern zusammen). Es umfasst meist drei oder vier Worteinheiten (i. e. Lexemen samt Präpositionen / Partikeln). Am Ende des Kolons steht vermutlich eine ↗ Zäsur.

Das Kolon ist meist mit einem oder zwei angrenzenden Kola zu einem ↗ Vers verbunden (es ergibt sich ein ↗ Bikolon [Vers aus zwei Kola] oder ein ↗ Trikolon [Vers aus drei Kola]). Im Fall des Verses, der nur ein Kolon enthält (i. e. des ↗ Monokolons), entspricht das Kolon gleichzeitig einem Vers.

C. Steinberger

Konnexion

Detailansicht für Konnexion

Work in progress.

C. Steinberger

Konsonanz

Detailansicht für Konsonanz

Verwandte Einträge: ↗ Assonanz / Konsonanz

C. Steinberger

Koppelung

Detailansicht für Koppelung

Work in progress.

C. Steinberger

L

Lehnwort

Detailansicht für Lehnwort

Verwandte Einträge: ↗ Fremdwort / Lehnwort

C. Steinberger

Litanei

Detailansicht für Litanei

Work in progress.

C. Steinberger

Litotes

Detailansicht für Litotes

Verwandte Einträge: ↗ Periphrase

C. Steinberger

M

Merismus

Detailansicht für Merismus

Im Merismus sind zwei Begriffe miteinander verknüpft, die zwei gegensätzliche Teile desselben Ganzen bezeichnen („Himmel“ ↔ „Erde“; „Sohn“ ↔ „Tochter“; die Teile, die die beiden Begriffe bezeichnen, sind die einzigen Teile des Ganzen oder zwei charakteristische Teile). Der Merismus dient dazu, das Ganze, zu dem die bezeichneten Teile gehören, zu veranschaulichen („Himmel“ ↔ „Erde“ ~ „Kosmos“; „Sohn“ ↔ „Tochter“ ~ „Kinder, Nachkommen“). Die Begriffe können aneinandergereiht und durch eine Konjunktion miteinander verbunden sein (in Form einer ↗ Accumulatio; s. Beispiele A) oder einander in zwei (parallelen) Verseinheiten gegenübergestellt sein (s. Beispiele B).

Merismus I: akkumulativ
Beispiel

KTU 1.16 iii 2

Anm.: ARṢ W ŠMM „Erde und Himmel“ ~ „Kosmos“.

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.16 iii 2' (zur Tafel)

iii 2'
„Schau, durchstreif Erde und Himmel,
Merismus II: parallel
Beispiele

KTU 1.15 iii 22–25a

Anm.: BN KRT „Söhne Kirtus“ // BNT ḤRY „Töchter Ḥurriyas“ ~ „Kinder von Kirtu und Ḥurriya“ (in Kolon 2–3).

KTU 1.6 iii 6–7

iii 6 šamûma šamna tamṭurūnna
Die Himmel mögen Öl regnen,
iii 7 naḫalūma talikū nubtama
die Wadis mögen voll Honig fließen!

Anm.: ŠMM „Himmel“ steht parallel zu NḪLM „Wadis“. Die beiden Begriffe bezeichnen die beiden entgegengesetzten Regionen (oben und unten), denen gewöhnlich Wasser entspringt. Die S-P-Phrasen ŠMM TMṬRN „die Himmel mögen regnen“ und NḪLM TLK „die Wadis mögen (voll XY) fließen“ beschreiben zwei Teilaspekte des übergeordneten Sachverhalts „die wasserführenden / -spendenden Regionen des Kosmos mögen (XY über die Erde) fließen lassen“. Das Akkusativobjekt zeigt jeweils an, was sich aus Himmel und Wadi ergießen solle: Nicht etwa Wasser, sondern ŠMN „Öl“ und NBT- „Honig“.

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.15 iii 23'–25'a (zur Tafel)

iii 23'
waren da Kirtus Söhne, wie sie versprochen waren,
iii 24'iii 25'
und auch Ḥurriyas Töchter, wie sie (versprochen waren).
C. Steinberger

Metapher / Vergleich

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C. Steinberger

Metonymie

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In der Metonymie ist ein Wort durch ein anderes (metonymisch gebrauchtes) Wort ersetzt, das (im vorliegenden Kontext) die Bedeutung des ersetzten Begriffs übernimmt, obwohl die Grundbedeutung des metonymisch gebrauchten Lexems von der Bedeutung des ersetzten Begriffs abweicht. Die Grundbedeutung des metonymisch gebrauchten Lexems (bzw. deren Referent, also das, was das Lexem kontextunabhängig bezeichnet) und der ersetzte Begriff (bzw. dessen Referent) stehen aus der Sicht des Autors / der Rezipient:innen des Texts in real- oder vorstellungsweltlicher Beziehung zueinander. Meist stehen die Grundbedeutung des metonymisch gebrauchten Lexems und die im Kontext übernommene Wortbedeutung in Teil-Ganzes- oder Ganzes-Teil-Relation (bzw. einer verwandten Sinnrelation, z. B. Enthaltenes-Behälter; Beispiel: „das Haus des Königs war vollkommen zerstört“; „Haus des Königs“ meint hier nicht den königlichen Palast, sondern - metonymisch - die Königsfamilie / Dynastie; stehen die Grundbedeutung des metonymisch gebrauchten Lexems und die im Kontext übernommene Wortbedeutung in Teil-Ganzes-Beziehung, wird die Figur auch als Synekdoche bezeichnet; entweder steht der Teil für das Ganze [pars pro toto] oder das Ganze steht für den Teil [totum pro parte]).

In der ugaritischen Poesie steht das metonymisch gebrauchte Lexem zuweilen parallel zu dem Lexem, dessen Bedeutung es übernimmt. Die parallel gestellten Lexeme, von denen eines metonymisch gebraucht ist, beziehen sich in dem Fall auf dieselbe real- oder vorstellungsweltliche Sache. Wenngleich Rezipient:innen erkannt haben mögen, dass eines der beiden Lexeme des Wortpaars im übertragenen Sinn zu verstehen ist, ist zu vermuten, dass sie sich zumindest kurzzeitig auch die Grundbedeutung des metonymisch gebrauchten Lexems vor Augen führten. Der metonymische Ausdruck lenkte die Aufmerksamkeit auf eine Sache, die mit dem eigentlich Gemeinten (bezeichnet durch das parallel gestellte Lexem) auf die eine oder andere Sache verwandt ist, und hatte so vermutlich Einfluss darauf, welche Assoziationen das Publikum mit dem parallel gestellten Lexem verband. Der metonymische Ausdruck trug so wohl zur Anschaulichkeit des Aussagenpaars bei.

Beispiele

KTU 1.14 i 6b–8a

ˀummatu 7 kirti ˁaruwat
Die Sippe [Kirtus] war vernichtet,
bêtu 8 malki ˀîtabida
[des Kö]nigs Haus war völlig zerstört.

Anm.: BT „Haus“, metonymisch für „Familie, Dynastie“ (i. e. die Angehörigen der königlichen Familie, die im Palast leben bzw. lebten) ~ UMT „Familie, Sippe, Dynastie“.

KTU 1.14 ii 27b–29

ˁadaba 28 ˀakla li qariyati
Er bereite Speise für die Stadt,
29 ḥiṭṭata li bêti-ḫābūri
Weizen für Bêtu-Ḫabūri!

Anm.: ḤṬṬ „Weizen“, metonymisch für „Speise, Brot“ (i. e. das, was aus Weizen zubereitet wird) ~ AKL „Speise, Brot“.

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 i 7b–8a (zur Tafel)

i 8
[des Kö]nigs Haus war völlig zerstört,

KTU 1.14 ii 29 (zur Tafel)

ii 29
Weizen für Bêtu-Ḫabūri!
C. Steinberger

Monokolon

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Das Monokolon ist ein ↗ Vers, der ein einziges ↗ Kolon umfasst.

C. Steinberger

Monostichon

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Das Monostichon ist eine ↗ Strophe, die einen einzigen ↗ Vers enthält.

C. Steinberger

Musik / Musikalische Gestaltung

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C. Steinberger

N

Numerische Aufzählung (Aufzählung mit Zahlbegriffen)

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C. Steinberger

Numerische Steigerung

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C. Steinberger

O

Oxymoron

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Als Oxymoron bezeichnet man die „Verbindung zweier sich logisch ausschließender Begriffe, sei es in einem Kompositum (‚traurigfroh‘, F. Hölderlin) oder bei einem attribuierten Substantiv, z. B. ‚stets wacher Schlaf‘, ‚liebender Hass‘, ‚kalte Glut‘“ (Schweikle / Burdorf / Moennighoff, 2007b

). In der ugaritischen Dichtung ist das Oxymoron meines Wissens bislang nicht bezeugt (vgl. auch Watson, 1986b: 419
).

C. Steinberger

P

Parallelismus

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C. Steinberger

Paratext / Metatext

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C. Steinberger

Parenthese

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C. Steinberger

Paronomasie

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Verwandte Einträge: ↗ Figura etymologica / Paronomasie

C. Steinberger

pars pro toto

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Verwandte Einträge: ↗ Metonymie

C. Steinberger

Partieller Chiasmus

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Verwandte Einträge: ↗ Chiasmus

C. Steinberger

Pentakolon

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Das Pentakolon ist ein ↗ Vers, der sich aus fünf ↗ Kola zusammensetzt.

C. Steinberger

Pentastichon

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Das Pentastichon ist eine ↗ Strophe, die sich aus fünf ↗ Versen zusammensetzt.

C. Steinberger

Periphrase

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Die Periphrase (Umschreibung) ist ein Begriff oder eine mehrgliedrige Phrase, der / die ein anderes Lexem umschreibt (Beispiel: „Blut der Bäume“ für „Wein“). Die Periphrase stellt ein Charakteristikum des Umschriebenen in den Fokus und illustriert so das Konzept, das dem umschriebenen Begriff zugrunde liegt (das Lexem X und die Periphrase Y können gewöhnlich in der Aussage „X ist / bedeutet Y“ verbaut werden [Beispiel: „Brüder sind Söhne einer Mutter“]; so gesehen definiert die Periphrase den umschriebenen Begriff; die Periphrase enthält i. d. R. mindestens ein Lexem, dessen Grundbedeutung sich nicht mit der Bedeutung des umschriebenen Begriffs deckt).

In der ugaritischen Poesie setzt sich die Periphrase oft aus einem Substantiv und einem untergeordneten Attribut zusammen; sie umscheibt ein einfaches Substantiv (vereinzelt tritt die Periphrase auch in Form einer zweigliedrigen Verbalphrase auf, die ein Substantiv [KTU 1.17 ii 5b–6a] oder ein Verb umschreibt [KTU 1.16 vi 41b–42]; s. Beispiele A). Eine andere Form der Periphrase gründet auf der Negation eines Begriffs, der das Gegenteil des umschriebenen Lexems bezeichnet (i. e. eines Atonyms oder eines komplementären Begriffs des Umschriebenen). Wird das Gegenteil des umschriebenen Lexems verneint, ergibt sich eine partiell-synonyme Periphrase des Begriffs (dies entspricht einer doppelten Verneinung [Beispiel: „nicht am Leben lassen“ für „töten“; „nicht am Leben lassen“ ~ „nicht nicht töten“]; solche und ähnliche Konstruktionen werden in der Stilistik als Litotes bezeichnet [scheinbare Abschwächung der Aussage, i. d. R. durch einen verneinten / doppelt-verneinten Ausdruck, wodurch die eigentliche Aussage verstärkt wird: „nicht unwahrscheinlich“ ~ „ziemlich wahrscheinlich“]; die Litotes wird in der Stilistik zuweilen von der Periphrase getrennt behandelt; Braak / Neubauer, 2001: 52–55

). In der ugaritischen Dichtung diente diese Form der Periphrase meist der Umschreibung eines Verbalausdrucks (vereinzelt auch eines Substantivs [KTU 1.17 vi 26b–28a]; s. Beispiele B). Zu den Sonderformen der Periphrase zählt der ↗ Euphemismus. Zuweilen werden auch die ↗ Antonomasie und die ↗ Metonymie als Formen der Periphrase betrachtet (Braak / Neubauer, 2001: 47 / 54
; Schweikle, 2007
).

Die ugaritischen Dichter gebrauchten die Periphrase u. a. in Versgefügen, in denen einander zwei referenzidentische Ausdrücke gegenübergestellt werden sollten (Ausdrücke sind referenzidentisch, wenn sie dieselbe real- oder vorstellungsweltliche Sache bezeichnen): Die Periphrase ermöglichte ihnen, einem Lexem aus der einen Verseinheit ein mehr oder weniger bedeutungsgleiches Pendant in der anderen Verseinheit gegenüberzustellen, ohne das konkrete Lexem (für das es möglicherweise kein Synonym gab) zu wiederholen. Gleichzeitig erklärt die Periphrase den parallel gestellten Begriff und trägt somit zur Anschaulichkeit und Verständlichkeit der Aussage bei. Die Periphrase, in der das Gegenteil des umschriebenen Begriffs verneint wird, wirkt mitunter verstärkend („niederschlagen“ // „nicht am Leben lassen“ ~ „töten, erschlagen“).

Die Periphrase ist meist länger als der umschriebene Begriff; nicht selten setzt sich die Periphrase aus zwei Substantiven oder einem Substantiv und einem Verb zusammen. Im Vers, der sich aus mindestens zwei Kola zusammensetzt, kann die Periphrase die Ellipse eines anderen Satzteils längenmäßig kompensieren, sodass sich trotz der Auslassung eines Glieds gleich oder ähnlich lange Kola ergeben (KTU 1.14 i 8b–9: im zweiten Kolon sind das Pronomen D und der Präpositionalausdruck LH ausgelassen; da aber das Substantiv AḪM durch die längere Periphrase BN UM ersetzt ist [und außerdem das längere Zahlwort ṮMNT an die Stelle des kürzeren ŠBˁ tritt], sind die beiden Kola vermutlich exakt gleich lang).

Periphrase I: Begriff1 // Umschreibung von Begriff1
Beispiele

KTU 1.14 i 8b–9

dā šabˁu 9 ˀaḫḫūma lahu
(des Königs,) der (einst) sieben Brüder hatte,
ṯamānîtu banū ˀummi
acht Söhne einer Mutter

Anm.: AḪM „Brüder“ ~ BN UM „Söhne einer Mutter“.

KTU 1.17 i 11c–13a

ˀuzūrau 12 ˀilīma danīˀilu
Gegürtet (hat) [den Göt]tern Danīˀilu,
ˀuzūrau ˀilīma yulaḥḥimu
gegürtet hat er den Göttern zu Essen gegeben,
13 ˀuzūrau yušaqqiyu banī qudši
[gegürt]et hat er zu Trinken gegeben den Söhnen des Heiligen.

Anm.: ILM „Götter“ ~ BN QDŠ „Söhne des Heiligen (scil. des ˀIlu)“.

KTU 1.4 iii 43b–44

tištayū karpānīma yêna
[Sie tranken] aus Bechern Wein,
44 bi kāsī ḫurāṣi dama ˁiṣṣīma
[aus Goldbechern das „Bl]ut der Bäume“.

Anm.: YN „Wein“ ~ DM ˁṢM „Blut der Bäume“.

KTU 1.17 ii 5b–6a (und Par.)

ˀāḫidu yadaka bi šakarāni
der deine Hand packt bei Tru[nkenheit],
6 muˁammisuka kī šabaiˁta yêna
dich stützt, wenn du gesättigt bist mit Wein

Anm.: B ŠKRN „im Fall von (deiner) Trunkenheit“ ~ K ŠBˁt YN „wenn du gesättigt bis mit Wein“.

KTU 1.16 vi 41b–42

šamaˁ maˁˁa lV Kirtu 42 Ṯˁ-u
Hör’ doch, o edler Kirtu,
ˀištamVˁ wa taqġûî ˀudna
horch her, ja, schenk (mir) Gehör!

Anm.: ŠMˁ Mˁ „Hör’ doch!“ // IŠTMˁ „Hör’ genau zu!“ ~ TQĠ UDN „Schenk Gehör!“

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 ii 2–3b (zur Tafel)

ii 2ii 3
[und] einen ewig gebundenen [Kne]cht (und) drei [Pferd]e,
einen Streitwagen aus (deinem) Stall (und) den Sohn einer Magd?
Periphrase II: Begriff1 // Negation des Gegenteils von Begriff1
Beispiele

KTU 1.19 i 14b–16a

KD ˁalêâ qaštihu 15 ˀimḫaṣhu
Für seinen Bogen schlug ich ihn nämlich nieder,
ˁalêâ qaṣaˁātihu huwati 16 lā ˀaḥawwî
für seine Pfeile ließ ich ihn nicht am Leben.

Anm.: ˀimḫaṣ- „ich schlug nieder“ ~ lā ˀaḥawwî „ich ließ nicht am Leben“; vgl. auch KTU 1.18 iv 12b–13.

KTU 1.2 i 19b

tabiˁā ġalmāmi lā yaṯabā
Die (beiden) Jünglinge machten sich auf, verweilten nicht.

Anm.: TBˁ „sie machten sich auf“ ~ L YṮB „sie verweilten nicht“.

KTU 1.17 vi 26b–28a

ˀiriš ḥayyīma la ˀaqhatu ġāziru
Wünsch’ (dir) Leben, o ˀAqhatu, Held,
27 ˀiriš ḥayyīma wa ˀâtinaka
wünsch’ (dir) Leben und ich will es dir geben,
balîmôta28 wa ˀašalliḥaka
Unsterblichkeit und ich will sie dir überreichen!

Anm.: ḤYM „Leben, ewiges Leben“ ~ BLMT „Nicht-Tod, Unsterblichkeit“.

C. Steinberger

Personifikation

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C. Steinberger

Pleonasmus

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C. Steinberger

Polyptoton

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Verwandte Einträge: ↗ Repetitio

C. Steinberger

Polysyndeton

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Im Polysyndeton folgt auf jedes Glied (außer auf das letzte Glied) einer Aufzählung, die sich aus drei oder mehreren syntaktisch gleichrangigen Begriffen oder Phrasen zusammensetzt, eine Konjunktion (ug. wa; Gegenstück zum ↗ Asyndeton). Das Polysyndeton ist in der ugaritischen Poesie recht selten bezeugt. Im angeführten Beispiel (KTU 1.4 iii 17–21a) ist die Figur möglicherweise eingesetzt, um den Eindruck einer umfassenden Aufzählung zu erwecken (nach dem zweiten Glied der Aufzählung geht der aufnehmende Verstand davon aus, dass die Aufzählung abgeschlossen ist; anschließend muss er feststellen, dass die Aufzählung noch weitergeht). Die Aufzählung erstreckt sich dort über zwei Kola. Das Polysyndeton innerhalb eines Kolons (i. e. X wa Y wa Z) konnte im ugaritischen Korpus bislang nicht identifiziert werden.

Beispiel

KTU 1.4 iii 17–21a

17 dāma ṯinê dabḥêma šaniˀa baˁlu
Fürwahr, zwei Feste hasst Baˁlu,
ṯalāṯa 18 rākibu ˁarapāti
drei der Wolkenfahrer:
dabḥa 19 BṮ-ati wa dabḥa 20 DN-Vti
das Fest der Schande und das Fest der Minderwertigkeit?
wa dabḥa tudāmimati 21 ˀamahāti
und das Fest des Fehlverhaltens? der Dienerinnen.

Anm.: Sofern sich die drei Phrasen dabḥa BṮ-ti, dabḥa DN-ti und dabḥa tudāmim ˀamahāti auf je ein Fest (bzw. eine bestimmte Art von Fest) beziehen, das Baˁlu hasst, liegt eine dreigliedrige Aufzählung vor. Sowohl vor dem zweiten Glied der Aufzählung als auch vor dem dritten (i. e. am Anfang des letzten Kolons) steht die Konjunktion wa.

C. Steinberger

Praeteritio

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C. Steinberger

Reim / Reimschemata

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C. Steinberger

R

Repetitio

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C. Steinberger

Rhetorische Frage

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Die rhetorische Frage ist eine Frage, auf die der Fragende keine Antwort erwartet, da sie aus seiner Sicht nur eine einzige Antwort zulässt (in KTU 1.4 iv 59a: „Bin ich ein Sklave?“ → Antwort: „Nein!“). Die rhetorische Frage ist damit weniger eine Frage als eine nachdrückliche Aussage (Braak / Neubauer, 2001: 63

; Moennighoff, 2007: 653
). In den beiden unten besprochenen Beispielen verdeutlicht die rhetorische Frage jeweils die ablehnende Haltung des Sprechers (in KTU 1.4 iv 59a: „Bin ich ein Sklave?“ ~ „Ich bin doch sicher kein Sklave!“). Dem Angesprochenen wird versagt, dem in der rhetorischen Frage durchschimmernden Standpunkt des Fragenden zu widersprechen. Die rhetorische Frage bietet dem Sprechenden damit ein Mittel, den Angesprochenen von seinem Standpunkt zu überzeugen. Die rhetorische Frage ist im ugaritischen Korpus recht selten belegt. Eine Frage lässt sich u. a. daran als rhetorische Frage erkennen, dass sie nicht beantwortet wird bzw. der Fragende den Angesprochenen gar nicht erst zu Wort kommen lässt, um die Frage zu beantworten.

Beispiele

KTU 1.4 iv 59–v 1

59 pa ˁabdu ˀanā ˁNN-u ˀaṯiratu
Bin ich etwa ein Sklave, ist ˀAṯiratu (etwa) eine Dienerin (oder: ein Diener der ˀAṯiratu)?
60 pa ˁabdu ˀanāku ˀâḫudu ˀULṮ-a
Bin ich etwa ein Sklave, halte ich (etwa) (selbst) die Hacke / Ziegelform?
61 himma ˀamatu ˀaṯiratu tulabbinu 62 labināti
Oder ist (etwa) ˀAṯiratu eine Dienerin, formt sie (etwa) (selbst) die Ziegel?
yabnûî bêta li baˁli v 1 kama ˀilīma
Er (selbst; scil. Baˁlu) soll ein Haus für Baˁlu bauen wie (für) die (anderen) Götter,
wa ḥaẓira ka banī ˀaṯirati
ja, eine Wohnstatt wie (für) die Söhne der ˀAṯiratu!

Anm.: Mittels der rhetorischen Fragen in iv 59–62a stellt der Sprecher, ˀIlu, Offensichtliches klar und räumt mit einer aus seiner Sicht absurden Vorstellung auf: ˀIlu erlaubt Baˁlu zwar, einen Palast für sich zu bauen (bzw. bauen zu lassen), doch er und seine Frau ˀAṯiratu sind gewiss keine Sklaven. ˀIlu und ˀAṯiratu werden also keinen Finger rühren beim Bau des neuen Palastes. Baˁlu solle sich selbst darum kümmern.

KTU 1.14 vi 17'–25' (und Par.)

17' limā ˀanāku kaspa 18' wa yarqa
Warum (sollte) ich Silber und Gelbgold (nehmen),
ḫurāṣa 19' yada maqâmihu
[G]old samt seinem Fundort,
wa ˁabda 20' ˁālami ṯalāṯa sussuwīma
und einen ewig gebundenen Knecht (und) drei Pferde,
21' markabta bi tarbaṣi 22' bina ˀamati
einen Streitwagen aus (deinem) Stall (und) den Sohn einer Magd?
pa dā ˀêna 23' bi bêtiya tâtin
Vielmehr gib, was in meinem Haus fehlt,
tin 24' liya MṮ-ata ḥurriya
gib mir das Mädchen Ḥurriya,
25' naˁīmata šabḥa bukraka
die Liebliche, deinen erstgeborenen Spross!

Anm.: „Warum (sollte) ich Silber (...) (nehmen)?“ ~ „Es gibt für mich keinen Grund, Silber (...) zu nehmen!“ Mittels der rhetorischen Frage in vi 17'–22'a lehnt Kirtu die Reichtümer ab, die ihm Pabilu, der König der von Kirtus Heer belagerten Stadt ˀUd(u)mu, anbot (Pabilu versuchte Kirtu so zu bewegen, von ˀUd(u)mu abzuziehen). In den folgenden Versen stellt Kirtu klar, was er stattdessen will, nämlich Pabilus Tochter. Mittels der gleichen rhetorischen Frage lehnte Kirtu vorher schon die Reichtümer ab, die ihm der Gott ˀIlu angeboten hatte (ˀIlu hatte Kirtu auf diese Weise zu trösten versucht; Kirtu war verzweifelt, da er seine ganze Familie verloren hatte und keinen Nachkommen hatte); s. KTU 1.14 i 51b–ii 3. Der auf die rhetorische Frage folgende Vers ii 4–5 ist nur fragmentarisch erhalten; vermutlich war dieser ursprünglich wie vi 22'b–25' durch die Konjunktion pa eingeleitet. Vgl. dazu auch Bacci / Harris / Heo / Pardee / Wolf, 2024: 22–23

, die die Konjunktion pa am Anfang des auf die rhetorische Frage folgenden Verses jedoch nicht adversativ verstehen [so bspw. UG² 789
] und in der rhetorischen Frage eine höfliche Form der Ablehnung sehen; aaO: 22
: „The function of the particle [pa in vi 22'b–25' und Par.; Anm. C. Steinberger] was explicitly to link the request to the preceding rhetorical question (‘What need have I of … ?’) functioning as a rejection of the offer, hence the use of the coordinating conjunction was to explain his implicit rejection as owing to a greater need—the formulation of the rejection as a rhetorical question leads to the conclusion that Kirta was trying to express his rejection as politely as possible. If de Moor’s proposal [u. a. in 1980: 175
; Anm. C. Steinberger] to restore that conjunction in II 4 is correct, it is difficult to believe that Kirta was impolitely spurning ˀIlu’s offer—and indeed ˀIlu understands his rhetorical care and immediately launches into a long discourse telling Kirta how to go about getting a wife to produce the desired progeny. Thus it is not the p that is adversative, though it does introduce an alternative to the offered gifts, and it need not be translated as such; its function is to express Kirta’s need for something else as the logical basis for the rhetorical question.“

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 i 51b–52 ii 1–3b (zur Tafel)

[]i 52[]
[Warum (sollte) ich Silber und Gelbgold (nehmen)],
ii 1
[Gold] samt seinem Fundort,
ii 2ii 3
[und] einen ewig gebundenen [Kne]cht (und) drei [Pferd]e,
einen Streitwagen aus (deinem) Stall (und) den Sohn einer Magd?

KTU 1.16 i 3b–5b (zur Tafel)

i 4
Ach, Vater, wie kannst du nur sterben?
i 5
Ach, vergeht dein ḪŠT in Klage,
im Klagegesang der Frauen, erhabener? Vater?

KTU 1.16 i 17b–23 (zur Tafel)

i 18
Ach, Vater, musst du wirklich sterben?
i 19
Ach, vergeht dein ḪŠT in Klage,
im Klagegesang der Frauen, erhabener? Vater?
i 20i 21
Wie kann man Kirtu noch Sohn ˀIlus nennen,
i 22
Nachkomme des Scharfsinnigen und Heiligen?
Oder sollen Götter etwa sterben,
i 23
soll ein Nachkomme des Scharfsinnigen nicht weiterleben?“
C. Steinberger

Rhythmus

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C. Steinberger

Ringgefüge

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C. Steinberger

S

Split couplet

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C. Steinberger

Steigerung

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Verwandte Einträge: ↗ Klimax / Steigerung

C. Steinberger

Strophe

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Die Strophe ist eine Verseinheit (↗ Versgliederung), die einen oder mehrere ↗ Verse umfasst. Das Monostichon enthält einen einzigen Vers. Das Distichon setzt sich aus zwei Versen zusammen, das Tristichon aus drei, das Tetrastichon aus vier, das Pentastichon aus fünf. Die Strophengrenzen wurden im Vortrag vermutlich durch markante Zäsuren angezeigt (↗ Zäsur).

Beispiele

KTU 1.6 iii 10–13 (Distichon aus zwei Bikola)

10 bi ḥiulmi laṭapāni ˀili dā PID-i 11 bi ḎR-ati bāniyi buinwati
Im Traum des Scharfsinnigen, des ˀIlu, des Verständigen, // in der Vision des Schöpfers der Schöpfung,
12 šamûma šamna tamṭurūnna 13 naḫalūma talikū nubtama
regneten die Himmel Öl, // flossen die Wadis voll Honig!

KTU 1.15 iv 17'–20' (Distichon aus zwei Bikola)

iv 17' ˁalâhu ṯôrīhu tušaˁrib // iv 18' ˁalâhu tušaˁrib ẓabayīhu
Zu ihm führte sie seine ‚Stiere‘, // zu ihm führte sie seine ‚Gazellen‘,
iv 19' ṯôrī ḫabūri rabbati // iv 20' ḫabūri ṮRR-(a)ti
die ‚Stiere‘ von Ḫabūru, der großen (Stadt), // von Ḫabūru, der starken (Stadt).

KTU 1.14 ii 43–50a (Tristichon aus zwei Bikola und einem Trikolon)

43 yaḥīdu bêtahu sagara 44 ˀalmānatu šakāru 45 taškir
Der einzig Verbliebene schließe sein Haus, // die Witwe stelle einen Tagelöhner ein.
ZBL-u ˁaršama 46 yiššaˀu ˁawwiru mazālu 47 yamzilu
Der Kranke hebe (sein) Bett auf, // der Blinde taste sich hinterher.
wa yâṣiˀ tarīḫu 48 ḥadaṯu yubaˁˁir li ṯanî 49 ˀaṯṯatahu lima nakari 50 môdādatahu
Auch ziehe aus der frisch Vermählte, // schaffe seine Frau zu einem anderen, // seine Geliebte zu einem Fremden.

KTU 1.6 vi 16b–22a (Tetrastichon aus vier Bikola)

yittâˁāni ka GMR-êma 17 môtu ˁazza baˁlu ˁazza
Sie rüttelten aneinander wie zwei GMR – // Môtu war stark, Baˁlu war stark.
yinnagiḥāni 18 ka ruˀumêma môtu ˁazza baˁlu 19 ˁazza
Sie stießen einander wie zwei Wildstiere – // Môtu war stark, Baˁlu war stark.
yinnaṯikāni ka baṯnêma 20 môtu ˁazza baˁlu ˁazza
Sie bissen einander wie zwei Schlangen – // Môtu war stark, Baˁlu war stark.
yimmaṣiḫāni 21 ka LSM-êma môtu qâla 22 baˁlu qâla
Sie rissen einander zu Boden wie zwei LSM – // Môtu fiel, Baˁlu fiel.

KTU 1.14 i 12–21a (Pentastichon aus vier Bikola und einem Monokolon)

12 ˀaṯṯata ṣidqihu lā yapuq 13 matrVḫata yušrihu
Die Frau, die ihm rechtmäßig zustand, hatte er nicht gewonnen, // die Gattin, die ihm angemessen war.
14 ˀaṯṯata tariḫa wa tabiˁat 15 ṮAR-a ˀummi takûn lahu
Eine (andere) Frau hatte er geheiratet, doch die war fortgegangen, // die Verwandte? der Mutter, die ihm übrig geblieben war.
16 muṯallaṯatu kuṯruma tamut 17 murabbaˁatu zVbVlānuma
Die Dritte (Frau) war bei bester Gesundheit gestorben, // die Vierte in Krankheit.
18 muḫammašata yiˀtasap 19 rašpu muṯaddaṯata ġalamū 20 yammi
Die Fünfte hatte Rašpu an sich gerissen, // die Sechste die Gefolgsleute Yammus.
mušabbaˁatuhunnā bi šVlḥi 21 tittapal
Die Siebte von ihnen war durch die ŠLḤ-Waffe gefallen.

KTU 1.6 i 18b–29 (Hexastichon aus sechs Bikola)

tiṭbaḫu šabˁīma 19 ruˀumīma ka GMN-i ˀalˀiyāni 20 baˁli
Sie schlachtete 70 Wildstiere, // als Begräbnisopfer für den Mächtigen, Baˁlu.
tiṭbaḫu šabˁīma ˀalapīma 21 ka GMN-i ˀalˀiyāni baˁli
Sie schlachtete 70 Rinder, // [als] Begräbnisopfer für den Mächtigen, Baˁlu.
22 tiṭbaḫu šabˁīma ṣaˀna 23 ka GMN-i ˀalˀiyāni baˁli
[Sie sch]lachtete 70 Schafe, // [als Begräb]nisopfer für den Mächtigen, Baˁlu.
24 tiṭbaḫu šabˁīma ˀayyalīma 25 ka GMN-i ˀalˀiyāni baˁli
[Sie sch]lachtete 70 Hirsche, // [als Begräbnisopfer] für den Mächtigen, Baˁlu.
26 tiṭbaḫu šabˁīma yaˁilīma 27 ka GMN-i ˀalˀiyāni baˁli
[Sie schlachtete 7]0 Steinböcke, // [als Begräbnisopfer für den Mäch]tigen, Baˁlu.
28 tiṭbaḫu šabˁīma yaḥmūrīma 29 ka GMN-i ˀalˀiyāni baˁli
[Sie schlachtete 70 R]ehböcke, // [als Begräbnisop]fer für den Mächtigen, Baˁlu.
C. Steinberger

Stufenparallelismus

Detailansicht für Stufenparallelismus

Der Stufenparallelismus (zuweilen auch als „climactic parallelism“ bezeichnet; eine strukturelle Spielart des poetischen Parallelismus) verknüpft zwei aufeinanderfolgende Kola, die zum selben Vers gehören; das zweite Kolon greift das erste auf, jedoch ist das letzte Element des ersten Kolons im zweiten ausgelassen, und am Ende des zweiten Kolons ist ein Element ergänzt, das im ersten fehlt (zum Stufenparallelismus in der ugaritischen und hebräischen Dichtung vgl. u. a. Greenstein, 1974: 96–104

, idem, 1977
, und Watson, 1986a: 150–154
; wie im Terrassenparallelismus sind im Stufenparallelismus also ↗ Ellipse [forwards ellipsis] und ↗ Ergänzung [backwards ellipsis] miteinander kombiniert). Es ergibt sich das Versmuster a-b-◌ // a(')-◌-c (die Konstruktion lässt sich auf die zusammenhängende Aussage a-b-c zurückführen).

Am Anfang des ersten Kolons steht eine Nominal- oder Verbalphrase, die gewöhnlich zwei Worteinheiten umfasst. Am Kolonende folgt das Subjekt des Satzes oder eine vokativische Anrede; das abschließende Element enthält oft ein Nomen proprium. Der vordere Teil des ersten Kolons wird am Anfang des zweiten Kolons semantisch und grammatisch parallel aufgegriffen; meist entsprechen sich die Satzteile, die jeweils am Anfang der beiden Kola stehen, wörtlich. Das letzte Element des ersten Kolons ist im zweiten Kolon ausgelassen. Dafür ist am Ende des zweiten Kolons der Satzteil ergänzt, der die Darstellung des im ersten Kolon eröffneten Sachverhalts erst komplettiert. Das im zweiten Kolon ergänzte Element schließt meist ein verbales Prädikat ein: Ist im ersten Kolon das verbale Prädikat des übergeordneten Satzes ausgelassen, ist dieses am Ende des zweiten Kolons ergänzt (vgl. Miller, 1999: 372

; s. Beispiele A; der erste Teil des ersten und zweiten Kolons enthält in dem Fall je ein oder zwei selbständige, nominale Satzglieder). Enthält der vordere Teil des ersten Kolons bereits ein verbales Prädikat (das dann im vorderen Teil des zweiten Kolons aufgegriffen wird), folgt im hinteren Teil des zweiten Kolons entweder ein nominales Satzglied, das im ersten Kolon ausgelassen ist (bspw. in KTU 1.16 vi 54c–57a), oder aber ein oder zwei weitere, verbale Prädikate (das Prädikat am Kolonende ist gewöhnlich durch die Konjunktion wa an den voranstehenden Satz angeschlossen; s. Beispiele B).

Das erste Kolon endet, bevor der darzustellende Sachverhalt vollständig dargelegt wurde. Erkennt das Publikum, dass das erste Kolon die geschilderte Szene nicht in allen Details erfasst, baut sich am Ende des ersten Kolons kurzzeitig Spannung auf (vgl. Loewenstamm, 1975: 261–262

). Die Spannung wird am Ende des zweiten Kolons aufgelöst, wo der im ersten Kolon fehlende Satzteil ergänzt ist. Erkennt das Publikum am Ende des ersten Kolons nicht, dass das erste Kolon die beschriebene Szene nur teilweise erfasst, registriert es dies erst am Ende des zweiten Kolons (Rezipient*innen sind dann veranlasst, die Aussage des ersten Kolons nachträglich neu zu kontextualisieren und zu interpretieren; vgl. Greenstein, 1977
). Das zweite Kolon spezifiziert die Darstellung des ersten Kolons. Vorausgesetzt, dass das Publikum nicht mit dieser konkreten Spezifizierung rechnete, sorgt der letzte Teil des zweiten Kolons wohl für einen gewissen Überraschungseffekt. In der ugaritischen Dichtung treten Verse, deren (erste beiden) Kola mittels Stufenparallelismus verknüpft sind, oft am Anfang direkter Reden auf (vgl. u. a. KTU 1.6 iv 1–2 / 22–24; 1.15 ii 21–23a; 1.17 vi 26b–28a).

Im ugaritischen poetischen Korpus tritt der Stufenparallelismus überwiegend im Trikolon auf: Die ersten beiden Kola des Verses sind als Stufenparallelismus konstruiert (vgl. Greenstein, 1974: 96–97

; idem, 1977: 77–78
; s. Beispiele A–B). Das zweite und das dritte Kolon sind nach anderen Mustern miteinander verknüpft: Das dritte Kolon enthält oft eine elliptische Variante des zweiten Kolons (bspw. in KTU 1.16 vi 54c–57a) oder greift das zweite chiastisch oder partiell-chiastisch auf (bspw. in KTU 1.17 i 11c–13a und 1.3 v 19b–21; vgl. Greenstein, 1974: 97
). Das zweite und das dritte Kolon können aber auch parallel gestaltet und gleich aufgebaut sein (bspw. in KTU 1.15 ii 21–23a und 1.12 i 9–11; jedes Element des zweiten Kolons hat ein semantisch und grammatisch korrespondierendes Pendant im dritten Kolon; die korrespondierenden Elemente sind in den beiden Kola in derselben Reihenfolge angeordnet), oder in Form eines ↗ Terrassenparallelismus miteinander verknüpft sein (bspw. in KTU 1.10 ii 21–23 und 1.16 vi 27–29a; beachte auch das Tetrakolon KTU 1.10 ii 13–16). In KTU 1.10 ii 10–12 formen das zweite und das dritte Kolon ein ↗ Enjambement.

Vereinzelt tritt der ugaritische Stufenparallelismus auch im Bikolon auf (s. Beispiele C). Einmal ist der Stufenparallelismus im Tetrakolon belegt (s. Beispiel D).

A. Stufenparallelismus im Trikolon, ohne Prädikat im ersten Kolon
Beispiele

KTU 1.2 iv 8c–9

hitta ˀêbaka 9 baˁluma
Nun, deinen Gegner, Baˁlu,
hitta ˀêbaka timḫaṣ
nun schlag deinen Gegner nieder,
hitta tuṣammit ṣarrataka
nun vernichte deinen Feind!

Anm.: Vgl. auch 1.3 v 19b–21 (O4/A-Anr. // O4/A-P // P-A → a-◌-b // a-c-◌ // c-a'-◌); KTU 1.10 ii 21–23 (O4-Anr. // O4-S-P // S-P+O-A → a-◌-◌-◌-b // a-c-d-◌-◌ // c-d'(~d+a')-e-◌; das zweite und dritte Kolon formen eine Art ↗ Terrassenparallelismus); 1.12 i 9–11 (O4-Anr. // O4-A-P // O4-A-P → a-◌-◌-b // a-c-d-◌ // a'-c'-d'-◌); vielleicht auch 1.161 20–22a (A1-Anr. // A1-A2-P // A2-P ; wa-P-A2 → a-◌-◌-b // a-c-d-◌ // ◌-c-d ; d'-c').

KTU 1.17 i 11c–13a

ˀuzūrau 12 ˀilīma danīˀilu
Gegürtet (hat) [den Göt]tern Danīˀilu,
ˀuzūrau ˀilīma yulaḥḥimu
gegürtet hat er den Göttern zu Essen gegeben,
13 ˀuzūrau yušaqqiyu banī qudši
[gegürt]et hat er zu Trinken gegeben den Söhnen des Heiligen.
B. Stufenparallelismus im Trikolon, samt Prädikat im ersten Kolon
Beispiele

KTU 1.16 vi 54c–57a

yaṯbiur 55 ḥôrānu yā binu
Ḥôrānu möge zerbrechen, o Sohn,
yaṯbiur ḥôrānu 56 raˀšaka
Ḥôrānu möge zerbrechen deinen Kopf,
ˁaṯtartu-šuimV-baˁli 57 qadqadaka
ˁAṯtartu-šu/imV-Baˁli deinen Schädel!

Anm.: Am Ende des zweiten Kolons ist die Anrede yā binu ausgelassen und dafür das Akkusativobjekt (des verbalen Prädikats yaṯbi/ur) raˀšaka ergänzt. Vgl. auch KTU 1.2 i 7b–8b (Parallelstelle zu KTU 1.16 vi 54c–57a; statt yā binu ist im bruchstückhaft erhaltenen ersten Kolon die Anrede yā yammu) „o Yammu“ zu rekonstruieren); 1.15 ii 21–23a (O4-P-Anr. // O4-P-A // O4-P-A → a-b-◌-c // a-b-d-◌ // a'-b'-d'-◌; am Ende des zweiten Kolons ist die Anrede yā kirtu ausgelassen und dafür das Adverbial bêtaka [Akk.adv.] ergänzt).

KTU 1.17 vi 26b–28a

ˀiriš ḥayyīma la ˀaqhatu ġāziru
Wünsch (dir) Leben, o ˀAqhatu, Held,
27 ˀiriš ḥayyīma wa ˀâtinaka
wünsch (dir) Leben, und ich will es dir geben,
balîmôta 28 wa ˀašalliḥaka
Unsterblichkeit, und ich will sie dir überreichen!

Anm.: Am Ende des zweiten Kolons ist die Anrede la ˀaqhatu ġāziru ausgelassen und dafür der Satz wa ˀâtinaka ergänzt. Vgl. auch KTU 1.16 vi 27–29a (P-A-Anr. // P-A ; wa-P // P-A → a-b-c ; ◌-◌ // a-b-◌ ; d-◌ // ◌-◌-◌ ; d'-e(~a')).

KTU 1.10 ii 10–12

10 tiššaˀu kanapa batūlatu ˁanatu
Es hob den Flügel das Mädchen ˁAnatu,
11 tiššaˀu kanapa wa târu bi ˁûpi
sie hob den Flügel und zog im Fliegen herum,
12 tôka ˀaḫî šamaki maliˀat ruˀumīma
hin zur Küste / zum Ried von Šamaku, voll von Wildstieren.

Anm.: Am Ende des zweiten Kolons ist das Subjekt batūltu ˁanatu ausgelassen und dafür der Satz wa târu bi ˁûpi? ergänzt. Vgl. auch KTU 1.17 i 13b–15a (P-O4-S // P-O4 ; P ; wa-P // P-O4 ; pa-P → a-b-c ; ◌ ; ◌ // a-b-◌ ; d ; e // a-b'-◌ ; ◌ ; e'); 1.14 i 21b–23 (P-O4-S // P-O4 ; P // … → a-b-c ; ◌ // a-b-◌ ; d // …; s. den Kommentar z. St. in der EUPT-Bearbeitung).

C. Stufenparallelismus im Bikolon
Beispiele

KTU 1.3 iv 54–55

54 yaṯub liya ṯôru ˀilu ˀabūya
Er möge sich mir zuwenden, der Stier ˀIlu, [mein Vater],
55 yaṯub liya wa lahu ˀaṯûba
er möge sich mir zuwenden, dann [will ich mich] ihm [zuwenden]!

KTU 1.169 1b–2

tigḫaṭūāka R 2 baˁli
Möge/n dich vertreiben die … […] Baˁlus,
tigḫaṭūāka wa tâṣiˀu li panî qâli ṯāˁiyi
möge/n sie dich vertreiben, auf dass du entfliehst auf den Ruf des Beschwörers hin.

KTU 1.4 iv 43b–44 (und Par.)

malkunā ˀalˀiyānu baˁlu
Unser König ist der Mächtige, Baˁlu,
44 ṯāpiṭunā wa ˀêna dā ˁalânahu
unser Herrscher, denn es gibt niemanden, der über ihm steht!

Anm.: Anders als in allen anderen hier vorgestellten Belegen wird das erste Element des ersten Kolons, malkunā, am Anfang des zweiten Kolons nicht wörtlich wiederholt (das Lexem malku- ist durch das sinnverwandte Lexem ṯāpiṭu- ersetzt).

KTU 1.6 iv 1–2

1 pallū ˁN-ātu šadîma yā šapšu
Vertrocknet sind die Ackerfurchen der Felder, o Šapšu,
2 pallū ˁN-ātu šadîma ˀili
vertrocknet sind die Ackerfurchen der Felder des ˀIlu / der göttlichen Felder!

Anm.: Anders als in allen anderen hier vorgestellten Belegen ist das im zweiten Kolon ergänzte Element kein selbständiges Satzglied, sondern ein Satzgliedteil, namentlich ein Genitivattribut (ˀili).

D. Stufenparallelismus im Tetrakolon
Beispiel

KTU 1.10 ii 13–16

13 wa yiššaˀu ˁênêhu ˀalˀiyānu baˁlu
Da hob seine Augen der Mächtige, Baˁlu,
14 wa yiššaˀu ˁênêhu wa yaˁînu
da hob er seine Augen und sah,
15 wa yaˁînu batūlata ˁanata
und sah das Mädchen, ˁAnatu,
16 naˁīmata bêna ˀaḫâti baˁli
die Lieblich(st)e unter den Schwestern des Baˁlu.

Anm.: Die ersten beiden Kola formen einen Stufenparallelismus (am Ende des zweiten Kolons ist das Subjekt ˀalˀiyānu baˁlu ausgelassen und die Phrase wa yaˁînu ergänzt). Das zweite und dritte Kolon formen einen ↗ Terrassenparallelismus. Im vierten Kolon ist das dritte Kolon elliptisch aufgegriffen (die Phrase wa yaˁînu am Kolonanfang ist ausgelassen; batūlta ˁanata ist durch den Beinamen naˁīmta bêna ˀaḫâti baˁli ersetzt).

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 i 21b–22b (zur Tafel)

i 22
Als er auf seine Vorherrschaft sah, er, Kirtu,
als er auf seine Vorherrschaft sah, war er zerschlagen,

KTU 1.15 ii 21'a–22'a (zur Tafel)

ii 21'
„Die Fra[u, die du genomm]en [hast], o Kirtu,
ii 22'
die Frau, die du in dein Haus genommen,

KTU 1.16 vi 27a–28a (zur Tafel)

vi 27
„Geh zu deinem Vater, Yaṣṣubu,
vi 28
geh zu deinem Vater und sag,

KTU 1.16 vi 54c–56a (zur Tafel)

vi 55
„Ḥôrānu möge zerbrechen, o Sohn,
vi 56
Ḥôrānu möge zerbrechen deinen Kopf,
C. Steinberger

Synekdoche

Detailansicht für Synekdoche

Verwandte Einträge: ↗ Metonymie

C. Steinberger

T

Tautologie

Detailansicht für Tautologie

Work in progress.

C. Steinberger

Terrassenparallelismus

Detailansicht für Terrassenparallelismus

Der Terrassenparallelismus (eine strukturelle Spielart des poetischen Parallelismus) verbindet zwei aufeinanderfolgende Verseinheiten, die zum selben übergeordneten Versgefüge gehören; die zweite Verseinheit greift die erste semantisch und grammatisch parallel auf, jedoch ist das erste Element der ersten Einheit in der zweiten ausgelassen, während am Ende der zweiten Einheit ein Element ergänzt ist, das in der ersten Einheit ausgelassen ist (vgl. Watson, 1986a: 208–210

; wie im Stufenparallelismus sind im Terrassenparallelismus also ↗ Ellipse [forwards ellipsis] und ↗ Ergänzung [backwards ellipsis] miteinander kombiniert). So ergibt sich das charakteristische Versmuster a-b-◌ // ◌-b(')-c (die Konstruktion lässt sich auf die zusammenhängende Aussage a-b-c zurückführen).

In der ugaritischen Dichtung ist das Versmuster m. W. ausschließlich auf Versebene belegt: Der Terrassenparallelismus verknüpft hier also zwei aufeinanderfolgende Kola miteinander, die zu einem Vers gehören (in der akkadischen Dichtung ist der Terrassenparallelismus auch innerhalb des Kolons bezeugt; vgl. Steinberger, 2024: § 799

). Der Teil des ersten Kolons, der im zweiten Kolon aufgegriffen wird, schließt meist ein verbales Prädikat ein (nicht so in KTU 1.14 iii 22–23a; in KTU 1.23 50 ist es ein nicht-verbales Prädikat). Die korrespondierenden Kolonteile entsprechen sich oft wörtlich (in KTU 1.19 iv 41b–43a und 1.2 i 18a–b stehen sich unterschiedliche Ableitungen desselben Lexems gegenüber [die korrespondierenden Elemente formen ein ↗ Polyptoton]; in KTU 1.3 ii 23–24 und 1.19 iii 28b–29 ist der letzte Teil des ersten Kolons am Anfang des zweiten Kolons nicht wörtlich wiederholt, sondern durch ein partiell-synonymes Pendant ersetzt). Sofern es nicht ohnehin eine einzige Worteinheit des ersten Kolons ist, die am Anfang des zweiten Kolons aufgegriffen wird (wie bspw. in KTU 1.16 v 25b–28a, 1.19 iii 28b–29, iv 41b–43a und 1.114 2c–4a), sind die korrespondierenden Elemente in den beiden Kola gewöhnlich in derselben Reihenfolge angeordnet (ein Sonderfall liegt in KTU 1.15 iii 17–19 vor; s. Beispiele B).

Wie im Stufenparallelismus entfaltet sich der beschriebene Sachverhalt im ersten Kolon noch nicht vollständig. Dem Publikum werden einzelne Informationen vorenthalten, die dann am Ende des zweiten Kolons ergänzt werden. Dies zögert den Aufnahmeprozess hinaus, an dessen Ende sich der Sachverhalt dem Publikum in seiner Gänze erschließt. Vorausgesetzt, dass Rezipient*innen erkennen, dass das erste Kolon den Sachverhalt noch nicht vollständig erfasst, baut sich am Ende des ersten Kolons Spannung kurzzeitig auf. Das Publikum wird neugierig, wie sich die Szene im zweiten Kolon entfalten wird (vgl. Watson, 1986a: 209

; vielleicht in KTU 1.19 iii 28b–29). Entgeht Rezipient*innen, dass das erste Kolon die Szene nur teilweise erfasst, baut sich am Ende des ersten Kolons keine Spannung auf. Auf jeden Fall führt das zweite Kolon den im ersten Kolon aufgenommenen Gedanken fort und spezifiziert die Aussage des ersten Kolons. Angenommen, dass das zweite Kolon die Aussage der ersten Einheit auf eine Weise spezifiziert, mit der das Publikum nicht rechnet, sorgt die zweite Einheit für einen gewissen Überraschungseffekt (für die unten zusammengestellten Belege kann dies jedoch nicht wahrscheinlich gemacht werden).

In der ugaritischen Dichtung tritt der Terrassenparallelismus im Bikolon, im Trikolon und mindestens einmal auch im Tetrakolon auf. Im Trikolon und im Tetrakolon sind in dem Fall zwei aufeinanderfolgende Kola als Terrassenparallelismus konstruiert, während die übrigen Kolon-Paare anderen Konstruktionsmustern folgen (im Trikolon, in dem die ersten beiden Kola einen Terrassenparallelismus formen, enthält das dritte Kolon nicht selten eine elliptische Variante des zweiten Kolons [bspw. in KTU 1.2 iv 12b–13a, 1.15 iii 17–19, 1.16 v 25b–28a und 1.114 2c–4a; im dritten Kolon ist hier jeweils das verbale Prädikat ausgelassen; die übrigen Elemente werden semantisch und grammatisch parallel und in derselben Reihenfolge aufgegriffen]; formen das zweite und dritte Kolon einen Terrassenparallelismus, sind das erste und zweite Kolon zuweilen als Stufenparallelismus konstruiert [bspw. in KTU 1.10 ii 21–23 und 1.16 vi 27–29a; beachte auch das Tetrakolon KTU 1.10 ii 13–16; dazu ↗ Stufenparallelismus, Beispiel D]).

A. Terrassenparallelismus im Bikolon
Beispiele

KTU 1.2 i 18a–b (und Par.)

18 tinū ˀilama dā tâqîhu
Liefert den Gott aus, den in Schutz nahm,
dā tâqiyanna hamullatu
den in Schutz nahm die (Götter-)Schar.

KTU 1.3 ii 23–24

23 maˀda timtaḫaṣunna wa taˁînu
Heftig kämpfte und schaute umher,
24 tiḫtaṣabu wa taḥdiyu ˁAnatu
focht und blickte umher die ˁAnatu.

KTU 1.14 i 38b–41a

maˀati i 39 kirtu kī yabkiyu
„Was ist mit Kirtu, dass er weint,
i 40 yidmaˁu naˁmānu ġalmu i 41 ˀili
(dass) der liebliche Jüngling des ˀIlu Tränen vergießt?

Anm.: Beachte, dass sich NˁMN ĠLM IL zwar auf den im ersten Kolon genannten Kirtu bezieht, das Epitheton aus syntaktischer Sicht jedoch nicht parallel zum Nomen proprium KRT steht.

KTU 1.14 iii 22–23a (und Par.)

22 qaḥ kaspa wa yarqa
Nimm Silber und Gelbgold,
ḫurāṣa 23 yada maqâmihu
Gold samt seinem Fundort!

Anm.: Die beiden Kola können zurückgeführt werden auf den zusammenhängenden Satz *qaḥ kaspa wa ḫurāṣa yarqa yada maqâmihu „Nimm Silber und gelbes Gold samt seinem Fundort“ (die Parallelkonstruktion yarqa // ḫurāṣa, i. e. substantiviertes Adjektiv // Substantiv, umschreibt die zusammenhängende Phrase *ḫurāṣa yarqa, i. e. Bezugswort + Adjektivattribut; s. den Kommentar z. St. in der EUPT-Bearbeitung).

KTU 1.19 iii 28b–29

bi našāˀi ˁênêhu 29 wa yiphênna
Als er seine Augen hob, da sah er fürwahr
yaḥdî ṢML-a ˀumma našarīma
(da) erspähte er Ṣamlu, die Mutter der Adler.

Anm.: Das Adverbial bi našāˀi ˁênêhu ist im zweiten Kolon ausgelassen. Das Prädikat yiphê ist durch das partielle Synonym yaḥdî ersetzt. Im zweiten Teil des zweiten Kolons ist das Akkusativobjekt des Prädikats ergänzt. Vgl. auch KTU 1.4 vii 38b–39 (Anr.-AInterrogativum-P // AInterrogativum-P-O4 → a-b-c-◌ // ◌-b-c-d).

KTU 1.23 50

50 hanna šapatāhumā matuqatāmi
Siehe, ihre Lippen waren süß,
matuqatāmi ka lurmānī[ma]
süß wie Granatäpfe[l].
B. Terrassenparallelismus im Trikolon
Beispiele

KTU 1.2 iv 12b–13a

yugarrišu garriš yamma
Yugarriš(u), vertreibe den Yammu,
garriš yamma li kussiˀihu
vertreibe den Yammu von seinem Thron,
13 nahara li kaḥṯi darakatihu
den Nah(a)ru vom Thron seiner Herrschaft!

Anm.: Terrassenparallelismus im 1.–2. Kolon (Anr.-Ellipse / A-Ergänzung).

KTU 1.10 ii 21–23

21 qarnê dubˀatika batūlatu ˁanatu
Die Hörner deiner Kraft, Mädchen, ˁAnatu,
22 qarnê dubˀatika baˁlu yimšaḥ
die Hörner deiner Kraft möge Baˁlu salben,
23 baˁlu yimšaḥhumā bi ˁûpi
Baˁlu möge sie im Flug salben!

Anm.: Terrassenähnliche Konstruktion im 2.–3. Kolon. Streng genommen ist der Beleg von den anderen hier besprochenen Belegen zu unterscheiden; das erste Element des zweiten Kolons, qarnê dubˀatika, ist im dritten Kolon nämlich nicht ausgelassen, sondern durch das Objektsuffix am verbalen Prädikat, -humā, ersetzt. Das erste und zweite Kolon sind als ↗ Stufenparallelismus konstruiert.

KTU 1.15 iii 17–19

17 tubarrikū ˀilūma taˀtiyū
Die Götter sprachen den Segen (und) gingen (heim),
18 taˀtiyū ˀilūma li ˀahlīhumū
die Götter gingen (heim) zu ihren Wohnstätten,
19 dô/āru ˀili li maiškanātihumū
die Gemeinschaft des ˀIlu zu ihren Wohnungen.

Anm.: Terrassenparallelismus im 1.–2. Kolon (Satz-Ellipse / A-Ergänzung). Das erste Kolon enthält eine ↗ Apokoinu-Konstruktion: Das Subjekt ˀilūma bezieht sich sowohl auf das voranstehende Prädikat, tubarrikū, als auch auf das folgende Prädikat, taˀtiyū. Das Prädikat tubarrikū ist im zweiten Kolon ausgelassen. Das Subjekt ˀilūma und das Prädikat taˀtiyū sind im zweiten Kolon wörtlich wiederholt, jedoch in umgekehrter Reihenfolge angeordnet (ˀilūma taˀtiyū // taˀtiyū ˀilūma; die beiden Phrasen sind chiastisch aufgebaut; ↗ Chiasmus).

KTU 1.16 v 25b–28a

ˀanāku 26 ˀiḥtariša wa ˀašakîna
Ich selbst will tätig werden und (eine) erschaffen,
27 ˀašakîna yādîta [mV]rṣi
ich will eine erschaffen, die die [Kran]kheit austreibt,
gāriš(a)ta 28 zabalāni
die das Siechtum vertreibt!

Anm.: Terrassenparallelismus im 1.–2. Kolon (Satz-Ellipse / O4-Ergänzung). Vgl. auch KTU 1.19 iv 41b–43a (1.–2. Kolon; Satz-Ellipse / A-Ergänzung: P ; wa-P // P-A // Attr.A → a ; b-◌ // ◌ ; b'-c // -dc).

KTU 1.16 vi 27–29a

27 lika li ˀabīka yaṣṣubu
Geh zu seinem Vater, Yaṣṣubu,
lik(a) 28 [li ˀa]bīka wa rugum
geh [zu] deinem [Va]ter und sag,
ṯiniya 29 li [kirti ˀadānika]
berichte dem [Kirtu, deinem Herrn]!

Anm.: Terrassenparallelismus im 2.–3. Kolon (Satz-Ellipse / A-Ergänzung). Das erste und zweite Kolon sind als ↗ Stufenparallelismus konstruiert.

KTU 1.114 2c–4a

tilḥamūna 3 ˀilūma wa tištûna
Die Götter essen und trinken,
tištûna yê ˁadê šubˁi
trinken Wein bis zur Sättigung,
4 tê/îrāṯa ˁadê šukri
Most bis zur Trunkenheit.

Anm.: Terrassenparallelismus im 1.–2. Kolon (Satz-Ellipse / O4-A-Ergänzung).

Belege aus dem EUPT-Korpus

KTU 1.14 i 38b–41a (zur Tafel)

i 39
„Was ist mit Kirtu, dass er weint,
i 40i 41
(dass) der liebliche Jüngling des ˀIlu Tränen vergießt?

KTU 1.15 iii 17'–18' (zur Tafel)

iii 17'
Die Götter sprachen den Segen (und) gingen,
iii 18'
die Götter gingen zu ihren Wohnstätten,

KTU 1.16 v 25b–27a (zur Tafel)

v 26
[I]ch selbst will tätig werden und eine erschaffen,
v 27
eine erschaffen, die die [Kra]nkheit austreibt,

KTU 1.16 vi 27b–29a (zur Tafel)

vi 28
geh zu deinem Vater und sag,
29x[xxx]
berichte dem Ki[rtu, ]!
C. Steinberger

Tetrakolon

Detailansicht für Tetrakolon

Das Tetrakolon ist ein ↗ Vers, der sich aus vier ↗ Kola zusammensetzt.

C. Steinberger

Tetrastichon

Detailansicht für Tetrastichon

Das Tetrastichon ist eine ↗ Strophe, die sich aus vier ↗ Versen zusammensetzt.

C. Steinberger

totum pro parte

Detailansicht für totum pro parte

Verwandte Einträge: ↗ Metonymie

C. Steinberger

Trikolon

Detailansicht für Trikolon

Das Trikolon ist ein ↗ Vers, der sich aus drei ↗ Kola zusammensetzt.

C. Steinberger

Tristichon

Detailansicht für Tristichon

Das Tristichon ist eine ↗ Strophe, die sich aus drei ↗ Versen zusammensetzt.

C. Steinberger

V

Vergleich

Detailansicht für Vergleich

Verwandte Einträge: ↗ Metapher / Vergleich

C. Steinberger

Vers

Detailansicht für Vers

Der ugaritische Vers setzt sich aus einem oder mehreren ↗ Kola zusammen (s. auch ↗ Versgliederung). Das Monokolon enthält ein einziges Kolon, das Bikolon zwei Kola, das Trikolon drei, das Tetrakolon vier, das Pentakolon fünf. Das Bikolon ist die gängigste Versform in der ugaritischen Dichtung; daneben treten immer wieder Monokola und Trikola auf (Tetrakola und Pentakola sind deutlich seltener belegt). Die Kola, die zu einem Vers verbunden sind, stehen oft parallel zueinander (↗ Parallelismus) oder enthalten einen zusammenhängenden Satz (im Enjambement-Vers; ↗ Enjambement). Der Vers enthält meist mindestens einen vollständigen Hauptsatz. Daneben sind syntaktisch unvollständige Versformen belegt, in denen der Vers nur einen Teil des übergeordneten Hauptsatzes enthält (und sich mit einem oder mehreren angrenzenden Versen zu einer Enjambement-Strophe verbindet; ↗ Enjambement). Die Versgrenzen wurden im Vortrag vermutlich durch Zäsuren kenntlich gemacht (↗ Zäsur).

Versformen
Monokolon
Beispiel

KTU 1.14 i 37b–38a

wa yaqrub 38 bi šaˀāli kirti
Und er trat heran, um Kirtu zu fragen.
Bikolon
Beispiel

KTU 1.14 i 35b–37a

wa bi ḥilmihu 36 ˀilu yârid
Da stieg in seinem Traum ˀIlu herab,
bi ḎHR-atihu 37 ˀabū ˀadami
in seiner Vision der Vater der Menschheit.
Trikolon
Beispiel

KTU 1.14 i 28–30

28 tinnatikna ˀudmaˁātuhu
Seine Tränen flossen
29 kama ṯiqalīma ˀarṣah
wie Schekel zur Erde,
30 kama ḫamušāti maṭṭâtah
wie Fünftel (eines Schekels) aufs Bett.
Tetrakolon
Beispiel

KTU 1.6 ii 31b–34a

bi ḥarbi 32 tibqaˁVninnu
Mit einem Messer schlitzte sie ihn auf,
bi ḪṮR-i tadriyV33ninnu
mit einer Worfgabel? worfelte sie ihn,
bi ˀišVti tašrupVninnu
mit Feuer verbrannte sie ihn,
34 bi riḥêma tiṭḥanninnu
mit (zwei) Mühlsteinen zermahlte sie ihn.
Pentakolon
Beispiel

KTU 1.10 ii 26–30

26 wa tiššaˀu ˁênêha batūlatu ˁanatu
Da hob ihre Augen die Jungfrau, ˁAnatu,
27 wa tiššaˀu ˁênêha wa taˁînu
da hob sie ihre Augen und sah,
28 wa taˁînu ˀarḫa wa târu bi likti
da sah sie eine Kuh und die zog im Gehen herum,
29 târu bi likti wa târu bi ḫîli
die zog im Gehen herum, ja sie zog im Springen? herum
30 bi nuˁmima bi YSM-ima ḥabli kôṯarāti
[in / samt] der Lieblichkeit, dem Anmut der Schar der Kôṯarātu.
Verskonstruktionen
a-b-c // a↔b↔c
a-b-(c) // a'-b'-(c')
Beispiel

KTU 1.5 ii 6b–7

yaraiˀaninnu ˀalˀiyānu baˁlu
Der Mächtige, Baˁlu, fürchtete sich vor ihm,
7 ṯataiˁaninnu rākibu ˁarapāti
der Wolkenfahrer hatte Angst vor ihm.
a-b-(c) // (c')-b'-a' (Chiasmus)
Beispiel

KTU 1.17 v 10b–11

hVlVka kôṯari 11 kī yaˁin-înu
Dass Kôṯaru kam, sah er fürwahr,
wa yaˁin-înu tadrVqa ḫasīsi
ja, er sah, dass Ḫasīsu heranschritt.
a-{b-c} // a'-{c'-b'} (anaphorischer partieller Chiasmus)
Beispiele

KTU 1.3 iii 19–20a

19 ˁimmaya paˁnāki talsumānna
Zu mir mögen deine Füße laufen,
ˁimmaya 20 tawattiḥā ˀišdâki
zu mir mögen eilen deine Beine!

KTU 1.3 v 33b–34b

kullunāyaya qašâhu 34 nâbilanna
Wir alle wollen (ihm) seine Schale bringen,
kullunāyaya nâbila kāsahu
wir alle wollen (ihm) bringen seinen Becher.

KTU 1.17 i 2b–3a

ˀuzūrua ˀilīma yulaḥḥimu
Gegürtet gab er den Göttern zu Essen,
3 ˀuzūrua yušaqqiyu banī qudši
[gegürtet gab er zu Trinken] den Söhnen des Heiligen.

KTU 1.6 vi 45b–47

šapšu 46 rāpiˀīma tuḥattikī
Šapšu, über die Rāpiˀūma sollst du herrschen,
47 šapšu tuḥattikī ˀilānīyīma
Šapšu, du sollst herrschen über die Göttlichen!

KTU 1.15 iv 17'–18'

iv 17' ˁalâhu ṯôrīhu tušaˁrib
Zu ihm führte sie seine ‚Stiere‘,
iv 18' ˁalâhu tušaˁrib ẓabayīhu
zu ihm führte sie seine ‚Gazellen‘,
{a-b}-c // {b'-a'}-c' (epiphorischer partieller Chiasmus)
Beispiel

KTU 1.19 iv 44b–45

tašit-îtu Ḫx-a bi 45 NŠG-iha
Sie steckte einen D[olch]? in ihre Scheide?,
ḥarba tašit-îtu bi TˁR-atiha
ein Messer steckte sie in [ihre] Scheid[e]?.
{a-b}-c // c'-{a'-b'} (anadiplotischer partieller Chiasmus)
Beispiel

KTU 1.19 iv 8–9a

8 danīˀilu bêtahu yamġiyuanna
Danīˀilu kam zu seinem Haus,
yišta9qVlu danīˀilu li hêkalihu
Danīˀilu erreichte seinen Palast.
a-{b-c} // {b'-c'}-a' (rahmender partieller Chiasmus)
Beispiel

KTU 1.19 iii 8–9a

8 kanapê našarīma baˁlu yaṯbuiru
Baˁlu zerbrach die Flügel der Adler,
9 baˁlu ṯabara DˀIY-êī humūti
Baˁlu zerbrach die Schwingen von jenen.
a-b-c // ◌↔b'↔c' (↗ Ellipse)
Beispiel

KTU 1.4 v 61–62

61 balî ˀašit ˀurubbata bi bahatīma
Soll ich kein Fenster im Ha[us (Pl.)] einsetzen,
62 ḥallāna bi qarbi hêkalīma
(keine) Fensteröffnung inmitten des Palastes (Pl.)?
a↔b↔◌ // ◌↔b'↔c
Beispiele

KTU 1.3 ii 23–24

23 maˀda timtaḫaṣaunna wa taˁînu
Heftig kämpfte und schaute umher,
24 tiḫtaṣabu wa taḥdiyu ˁanatu
focht und und blickte umher die ˁAnatu.

KTU 1.114 2c–4a

tilḥamūna 3 ˀilūma wa tištûna
Die Götter essen und trinken,
tištûna yêna ˁadê šubˁi
trinken Wein bis zur Sättigung,
4 têîrāṯa ˁadê šukri
Most bis zur Trunkenheit.
Beispiele

KTU 1.2 iv 8c–9

hitta ˀêbaka 9 baˁluma
Nun, deinen Gegner, Baˁlu,
hitta ˀêbaka timḫaṣ
nun schlag deinen Gegner nieder,
hitta tuṣammit ṣarrataka
nun vernichte deinen Feind!

KTU 1.17 i 13b–15a

yâdî ṣûtahu 14 danīˀilu
Er legte ab sein Gewand, er, [Danī]ˀilu,
yâdî ṣûtahu yaˁlû wa yaškiubu
er legte ab sein Gewand, stieg hinauf und legte sich hin,
15 yâdî maiˀzartêhu pa yalin-înu
[er legte ab] seinen Mantel und bettete sich.
Beispiel

KTU 1.18 iv 23b–24b

šupuk šipik kama šVˀVyi 24 dama
Vergieß wie ein Mörder (sein) Blut,
kama šāḫiṭi li birkêhu
wie ein Schlächter bis zu seinen Knien!
a ; b // a' ; ◌ (und Varianten)
Beispiele

KTU 1.17 ii 12b–14a

ˀâṯibanna ˀanāku 13 wa ˀanûḫanna
Ich will mich setzen, (dass) ich zur Ruhe komme,
wa tanuḫ bi ˀiratiya 14 napšu
ja, (dass) die Seele in meiner Brust zur Ruhe komme.

KTU 1.14 ii 32–34

32 ˁadānu nugiba wa yâṣiˀ
Die Armee sei mit Proviant versorgt, dann ziehe sie aus,
33 ṣabaˀu ṣabaˀi nugiba
das Heer des Heeres sei mit Proviant ausgerüstet,
34 wa yâṣiˀ ˁadānu maˁˁu
dann ziehe die gewaltige Armee aus!
a ; b // a' ; b' (↗ Alternation)
Beispiel

KTU 1.19 iv 32–33

32 lV tabarriknī ˀaâlika barīūkatuama
Segne mich doch, (dass) ich gesegnet (hinfort)gehe,
33 tamurrānī ˀaâlika namarratuama
segne mich, (dass) ich gesegnet (hinfort)gehe!
Beispiele

KTU 1.14 i 33–35a

33 šinatu talˀûninnu 34 wa yiškab
Schlaf überwältigte ihn, da legte er sich nieder,
nahamâmatu 35 wa yaqmiṣ
Schlummer, da sank er nieder.

KTU 1.17 vi 26b–28a

ˀiriš ḥayyīma lV ˀaqhatu ġāziru
Wünsch (dir) Leben, o ˀAqhatu, Held,
27 ˀiriš ḥayyīma wa ˀâtinaka
wünsch (dir) Leben, und ich will es dir geben,
balîmôta 28 wa ˀašalliḥaka
Unsterblichkeit, und ich will sie dir überreichen!

Anm.: 2.–3. Kolon; zum 1.–2. Kolon ↗ Stufenparallelismus.

a // b (↗ Konnexion)
Beispiel

KTU 1.4 vii 23–25a

23 lV ragamtu laka lV ˀalˀi24yānu baˁlu
Hab ich dir doch gesagt, o Mächtiger, Baˁlu,
taṯûbunna baˁlu 25 li hawâtiya
(dass) du, Baˁlu, auf mein Wort zurückkommen wirst!
a- // b (↗ Enjambement)
Beispiel

KTU 1.6 i 56–57

56 ˀappūnaka ˁaṯtaru ˁarīẓu
Sodann (ist) ˁAṯtaru, der Starke,
57 yaˁlûî bi ṢRR-āti ṣapāni
hinaufgestiegen auf die Höhen? des Zaphon.
C. Steinberger

Versgliederung

Detailansicht für Versgliederung

Die ugaritischen poetischen Texte gliedern sich in verschieden große Verseinheiten. Dazu zählen das ↗ Kolon, der ↗ Vers und die ↗ Strophe (daneben lassen sich größere strukturelle Einheiten identifizieren, die sich aus mehreren Strophen zusammensetzen). Verseinheiten, die sich aus mindestens zwei kleineren Verseinheiten zusammensetzen, werden zusammenfassend als Versgefüge bezeichnet.

Da die ugaritischen Schreiber die Grenzen zwischen Verseinheiten nicht immer graphisch kenntlich machten (etwa durch Zeilensprünge oder horizontale Trennlinien), erweist sich die Rekonstruktion der Versgliederung zuweilen als schwierig. Wichtige Indizien liefern:

Die Texte richtig zu phrasieren und die Versgliederung auf diese Weise „hörbar“ (i. e. auditiv erfahrbar) zu machen, war Aufgabe des Vortragenden, der die Texte rezitierte oder sang (in welchen Kontexten die Texte vorgetragen wurden, ist weitgehend unbekannt; es ist nicht auszuschließen, dass unterschiedliche Vortragende die Texte zuweilen unterschiedlich phrasierten; die rekonstruierte Versgliederung spiegelt also im besten Fall eine Möglichkeit wider, die Texte zu gliedern). Die prosodische Gestaltung der Texte (Rhythmus, Sprechtempo, unterschiedlich ausgeprägte Zäsuren etc.) zeigte dem Publikum, welche Phrasen zu einer strukturellen, grammatischen und inhaltlichen Einheit zu verbinden sind und welche voneinander abzugrenzen sind (die Versgliederung ist folglich entscheidend für das Textverständnis).

Beispiel

KTU 1.14 iii 14b–19a

wa hanna šapšuma 15 bi šābiˁi
Und siehe, bei Sonnenuntergang, am siebten (Tag),
wa lā yîšanu pabilu 16 malku
da wird König Pabilu nicht schlafen können
li QR-i ṯaˀgati ˀibbīrīhu
wegen des Lärms des Gebrülls seiner Stiere,
17 li qâli nahaqati ḥimārīhu
wegen des Dröhnens des Geschreis seiner Esel,
18 li gaˁâti ˀalapī ḥarṯi
wegen des Gebrülls der Pflugrinder,
zaġâti 19 kalabī ṢPR-i
(wegen) des Gebells der Wachhunde?

Anm.: Die Strophe setzt sich aus drei Bikola zusammen (i. e. aus drei Versen zu je zwei Kola). Die ersten beiden Kola formen einen Enjambement-Vers (↗ Enjambement; der im ersten Kolon eingeleitete Satz ist im zweiten Kolon fortgesetzt; SG-Str.: Interj.-A1- // P-S).

Die Kola, die sich im zweiten und dritten Vers gegenüberstehen, sind jeweils semantisch und grammatisch parallel gestaltet (die parallel gestellten Kola sind jeweils grammatisch identisch aufgebaut; nur im zweiten Kolon des dritten Verses ist die Präposition L am Kolonanfang ausgelassen; ↗ Grammatische Varianz, und ↗ Ellipse):

Str. Vers 2: a„Lärm“-b„Gebrüll“-c„ein Tier“ // a'-b'-c' Str. Vers 3: a„Gebrüll“-b„ein Tier“-c„Einsatzgebiet des Tieres“ // a'-b'-c'.

Gleichzeitig stehen der zweite und der dritte Vers - jeweils als Ganzes betrachtet - parallel zueinander. Die einzelnen Kola enthalten jeweils eine mit L eingeleitete Präpositionalphrase (Ausnahme: zweites Kolon des dritten Verses; s. o.), auf die zwei Genitivattribute folgen:

Str. Vers 2–3: a1-„Lärm des Gebrülls“-b1-„ein Tier“ // a1'-b1' a2-„Gebrüll“-b2-„ein Tier in best. Einsatzgebiet“ // a2'-b2'

Außerdem reimen sich die vier Kola des zweiten und dritten Verses; nicht zuletzt die Kola, die sich jeweils innerhalb eines Verses gegenüberstehen, sind sich klanglich ganz ähnlich (Vers 2: li // li - aˀgati // nahaqati - ˀibbīrīhu // imārīhu; Vers 3: gaˁâti // zaġâti - ˀalapī // kalabī; Vers 2–3: gati // nahaqati | gaˁâti // zaġâti; beachte außerdem aˀgati | gaˁâti).

Der zweite und der dritte Vers sind durch Enjambement mit dem ersten Vers verknüpft (der zweite und der dritte Vers enthalten das Kausaladverbial des übergeordneten Satzes, der im ersten Vers beginnt; SG-Str. Strophe: Interj.-A1- // P-S- | A2 // A2 | A2 // A2).

C. Steinberger

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Verwandte Einträge: ↗ Numerische Steigerung↗ Numerische Aufzählung (Aufzählung mit Zahlbegriffen)

C. Steinberger

Zäsur

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C. Steinberger

Zeugma

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C. Steinberger